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Alfred Pein
* 1890

HIER WOHNTE
ALFRED PEIN
JG. 1890
KZ FUHLSBÜTTEL
KZ SACHSENHAUSEN
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
???

Bornstraße 22

Weitere Stolpersteine in Bornstraße 22: Adele Jacobsohn | Lea Lippmann | Nathan Rheine | Elly Rheine | Clara Weil | Selma Isenberg | Emma Cohen | Minna Drucker | Jenny Drucker | Ignatz Schwarzschild |

Jenny Drucker, geb. 28.8.1889 in Hamburg, deportiert 18.11.1941 nach Minsk
Jenny Drucker, geb. 28.8.1889 in Hamburg, deportiert 18.11.1941 nach Minsk
Schlomo Schwarzschild wurde 1925 geboren, er ist einziger Überlebender seiner Familie und lebt seit mehr als 60 Jahren in Haifa, Israel. Er erinnert sich mit vielen Einzelheiten an die Zeit seiner Kindheit und Jugend in Hamburg.

An den Geruch des Sohlenleders, das in großen Rollen im Großhandelslager der Firma Alfred Pein stand, erinnert sich seine Tochter Inge, die heute mit ihrem Mann in Hamburg lebt, noch genau. Für sie und ihre Schwester war es ein großes Vergnügen, den Vater in der Firma besuchen zu dürfen, weil er sie dann herumführte und ihnen die verschiedenen Ledersorten im Lager zeigte. Die sorglose und von den Eltern beschützte Kindheit der Schwestern erfuhr erste Risse, als der Vater mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben musste. Die von den Nationalsozialisten angeheizte antijüdische Stimmung gegen Geschäftsleute und Unternehmer war ein Grund für den Niedergang der Firma Alfred Pein. Unterstützt durch Freunde und Verwandte hielt sich die Familie über Wasser. In Zeiten zunehmender Repressalien gegen die jüdische Bevölkerung geriet Alfred Pein in das Visier der Behörden. Ein Bagatelldelikt gab die Scheinlegitimation für brutales Vorgehen in einer groß angelegten Aktion gegen Juden im Juni 1938.

Auch Alfred Pein [Photo links] wurde verhaftet und in das KZ Fuhlsbüttel gebracht. Einer Anordnung entsprechend ließ man diejenigen, die über 50 Jahre alt waren, bald wieder frei; oft nur vorläufig. Mit 48 Jahren zählte er zu den Jüngeren und wurde länger in Haft gehalten. Kurz nach seiner Entlassung aus dem KZ Fuhlsbüttel verhaftete die Gestapo ihn erneut und transportierte ihn in das KZ Sachsenhausen. Die Haftbedingungen waren dort im strengen Winter 1938/39 so schrecklich, dass er mit erfrorenen Fingern im Januar 1939 nach Hamburg zurückkehrte und drei Wochen lang im Krankenhaus behandelt werden musste.

Unter dem Druck der Verhältnisse zerbrach die Ehe. Wegen der ursprünglich nichtjüdischen Mutter, die erst bei der Heirat zum Judentum konvertiert war, galten Inge und ihre Schwester als nicht rein jüdisch und wurden deshalb von schlimmsten Repressalien verschont. Mutig bemühte sich die Tochter Inge, dem Vater zu helfen, und erkundigte sich bei der Gestapo nach Möglichkeiten einer Auswanderung für ihn. Es gelang ihr, ihm eine Schiffspassage von Genua nach Shanghai zu verschaffen. Alfred Pein fuhr mit dem Zug nach Italien und ging in Genua am 30. August 1939 an Bord des Schiffes, das ihn und die vielen anderen Verfolgten in Sicherheit bringen sollte. Unmittelbar vor dem geplanten Auslaufen des Schiffes brach am 1. September der Krieg aus. Alle Passagiere wurden wieder in ihre Heimatländer transportiert, und Alfred Pein kehrte verzweifelt nach Hamburg zurück.

Hier lernte er Emmy Süss kennen und hoffte trotz allem, mit ihr zusammen ein neues Leben beginnen zu können. Nach der Heirat zog das Paar 1941 zu Emmys Mutter Rachel Süss in das „Judenhaus“ Bornstraße 22, 2. Stock. Zwei Zimmer waren am 8.11.1941 in der kleinen Dreizimmerwohnung durch die Deportation des Ehepaars Laupheimer mit seinem Sohn Rolf nach Minsk „frei“ geworden. Einige Monate lebten Alfred und Emmy Pein mit ihrer Mutter dort und versuchten trotz der bedrohlichen Situation zurechtzukommen.

Weil bereits die ersten Transporte Hamburg verlassen hatten, rechneten sie mit einer „Evakuierung“ — der NS Sprachgebrauch schrieb das Wort „Abwanderung“ vor - zum angeblichen Arbeitseinsatz „im Osten“. Die Tochter Alfred Peins erinnert sich, dass sie die zweite Frau ihres Vaters und deren Mutter bei ihren Besuchen in der Bornstraße im Winter 1941 dabei antraf, wie beide Socken und Handschuhe strickten, um im Osten nicht frieren zu müssen.

Mit neun Mitbewohnern aus der Bornstraße 22 wurden Alfred und Emmy Pein und deren Mutter Rachel Süss am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert. 305 Menschen aller Altersgruppen, Kinder mit ihren Eltern, Alleinstehende und Alte aus Hamburg wurden im Viehwaggon in das Tötungslager transportiert. 292 von ihnen sind nachweislich dort ermordet worden, auch Alfred und Emmy Pein und Rachel Süss.

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