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Heinrich Hellmund
* 1897

HIER WOHNTE
HEINRICH HELLMUND
JG. 1897
ENTRECHTET / GEDEMÜTIGT
FLUCHT 1933 SCHWEIZ
FLUCHT IN DEN TOD
SOMMER 1937
SALMAISE / FRANKREICH

Borgfelder Straße 51

Weitere Stolpersteine in Borgfelder Straße 51: Heinrich Hellmund

Heinrich Hellmund

Heinrich Hellmund (E. Rosenthal)
Erzählerin: Christine Jensen Sprecher: Peter Bieringer & Oliver Rohrbeck
Hamburg Bezirke

Borgfelder Straße 51

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Heinrich Hellmund

Ein heute weitgehend vergessener Autor ist der Philosoph Heinrich Hellmund, geboren am 14. Februar 1897 in Saarbrücken. Er starb im Juli 1937 durch Freitod in dem winzigen Dorf Salmaise, etwa 25 Kilometer nordwestlich von Dijon.

Am 28. Mai 1930 wurde Hellmund an der Universität Giessen mit dem Werk »Das Wesen der Welt« promoviert. Die im Universitätsarchiv vorhandene Promotionsakte (Signatur: Phil 0 18 1930) enthält einige handschriftliche Briefe Hellmunds, darunter einen Lebenslauf. Darin heißt es:

»Ich bin 1897 in Saarbrücken geboren und lebte mit meinen Eltern 1901 bis 1927 in München. Dort absolvierte ich 1916 das Real-Gymnasium und war hierauf zwei Jahre im Felde. 1919 immatrikulierte ich mich an der Münchner Universität und belegte dort 10 Semester bis 1923. Bereits auf dem Gymnasium beschäftigte ich mich in all meiner freien Zeit mit Philosophie, die mein Leben bald gänzlich ausfüllte und mit ihm gleichbedeutend wurde. 1914 begann ich zum ersten Mal mein Werk niederzuschreiben und habe es im ganzen viermal geschrieben. Dies wurde mir teils durch die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, teils durch Verlagshilfe und Zuwendungen privater Gönner ermöglicht. 1927 ist mein Werk „Das Wesen der Welt“ in erster, 1928 in zweiter Auflage erschienen (III Bände, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart). Die Leserstimmen, die ich vor allem aus Norddeutschland hörte, veranlassten mich 1928 nach Hamburg überzusiedeln, wo ich seit zwei Jahren lebe. Im Sommersemester 1929 immatrikulierte ich mich hier an der Universität. Auch wurde ich im vorigen Sommer als Dozent an die Hamburger Volkshochschule berufen.

Die erste Konzeption der Grundgedanken meines Werkes fällt in die Jahre 1913 – 14. Ich hatte sie seitdem nicht zu verändern, sondern nur immer weiter auszubauen. Am meisten wurde ich durch Kant, Schopenhauer und Nietzsche beeinflusst. Doch zeigte sich mir, dass andere Denker, so vor allem Giordano Bruno und Spinoza, vieles vorausgedacht haben, wozu ich auf selbständigem Wege gelangte. Eine große Klarheit des Schauens und Erlebens, die meine Kindheit auszeichnete, hat sich bei mir zur Abstraktion immer höheren Grades erhoben und verdichtet. Das Denken ist meine einzige Leidenschaft; es erfüllt mich unausgesetzt. Ich hatte viele Jahre hindurch nach dem Kriege die schwersten Kämpfe mit der beispiellosen Ungunst der Zeit zu bestehen. Doch gab mir das Gefühl meiner inneren Bestimmung die Kraft, auf dem einmal erwählten Wege weiterzuschreiten.«

In Hamburg scheint Hellmund engeren Kontakt zu den Philosophie-Professoren Ernst Cassirer (emigrierte 1933 nach England) und dem Erkenntnistheoretiker August Messer gehabt zu haben, wie aus einem am 12. Februar 1930 entstandenen Brief hervorgeht, in dem er bittet, ihn in Giessen zur Promotion zuzulassen, obwohl er dort nicht immatrikuliert ist:

»Die Arbeit an meinem Werke hatte so viele Studien mit sich gebracht, dass mir der Vorlesungsbesuch innerlich nichts wesentlich Neues mehr zu geben vermochte und mir lediglich die Belastung mit Gedächtnisstoff auferlegte. Der Hamburger Ordinarius Prof. Cassirer, mit dem ich hierüber sprach, erklärte sich zwar hinsichtlich des Examens zu größtem Entgegenkommen bereit, fügte jedoch hinzu, dass von den Hamburger Promotionsbestimmungen (Einreichung einer noch nicht veröffentlichten Dissertationsschrift und ausreichender Kenntnis des Griechischen) grundsätzlich nicht abgesehen werden könne. Zur Erfüllung dieser beiden Bedingungen sehe ich mich leider nicht imstande.

Zufällig fiel in diese Zeit die Beschäftigung des Herrn Prof. Dr. August Messer mit meinem Werke, die zu einem sehr günstigen Ergebnis führte. Ich setzte mich hierauf mit Herrn Prof. Messer schriftlich und mündlich in Verbindung und legte meinen gesamten Fall dar. Hierbei zeigte es sich, dass die obigen Bedingungen zu den Promotionsbestimmungen der Universität Giessen nicht gehören. Herr Prof. Messer erklärte es daher für mich als gegeben, dass ich an dieser Universität promovieren und damit meine äußeren Studien zu dem ersehnten Abschluss bringen könne.

Ich bitte daher, unter Würdigung dieser Umstände mir die Promotion noch vor Ende des gegenwärtigen Semesters zu ermöglichen. Ich glaube, dass sowohl die Anzahl der von mir nachgewiesenen Semester als auch die tatsächlich von mir erworbenen Kenntnisse und insbesondre die in meinem Werk – das ich als Dissertationsschrift anzusehen bitte – zum Ausdruck gekommene eigene wissenschaftliche Arbeit dies rechtfertigen dürften«.

Über den Zeitpunkt der Emigration von Heinrich Hellmund ist (noch) nichts bekannt, auch nicht, ob er nach 1933 noch einmal ins Saarland zurückkehrte. Auch ist es mir noch nicht gelungen, eventuelle vorhandene Polizeiakten über seinen Selbstmord in Frankreich aufzufinden. Aus den Berichten über die Stipendiaten der »Lincoln«-Stiftung geht hervor, dass er zu den frühesten unter den Geförderten zählte.

Mir liegt eine sehr umfangreiche (1.323 Seiten umfassende) einbändige Ausgabe des Werks vor, das 1927, jedoch nicht, wie von Hellmund erwähnt bei DVA, sondern, laut Impressum, im Amalthea-Verlag (Zürich, Leipzig, Wien) erschienen ist.

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