Jurek Leczycka
* 1943
JUREK LECZYCKA
GEB. 16.5.1943
MUTTER IN ZWANGSARBEIT
NAGELFABRIK BERGEDORF
TOT 23.9.1943
Jakob-Kaiser-Straße 14
Weitere Stolpersteine in Jakob-Kaiser-Straße 14: Christine Wolosch | Stanislawa Nowak | Jurek Leczycka | Boleslav Leczycka | Peter Anton Kuczwara |
Christine Wolosch, geb. am 31. März 1944 in Hamburg, verstorben am 26.9.1944 in Hamburg
Stanislawa Nowak, geb. am 27.4.1944 in Hamburg, verstorben am selben Tag
Jurek Leczycka, geb. am 16.5.1943 in Hamburg, verstorben am 23.9.1943 in Hamburg
Boleslav Leczycka, geb. am 30.9.1944 in Hamburg, verstorben am 19.12.1944 in Hamburg
Peter Anton Kuczwara, geb. am 26.7.1943 in Hamburg, verstorben am 18.12.1943 in Hamburg
Jakob-Kaiser-Straße 14
Jurek Leczycka, geb. am 16.5.1943 in Hamburg, verstorben am 23.9.1943 in Hamburg
Jakob-Kaiser-Straße 24 (Bergedorf, Lohbrügge)
ehemals Lager Wilhelmstraße 32, Nagelfabrik Bergedorf GmbH
Jurek Leczycka kam am 16. Mai 1943 in Hamburg zur Welt. Seine Mutter Maria Leczycka, geb. am 10.12.1920 in Mordach/Mordy, war römisch-katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen verschleppt, musste sie seit dem 23. Juni 1942 in Hamburg-Lohbrügge als „Fabrikarbeiterin“ mit Arbeitsausweis Nr. 261 für die Nagelfabrik Bergedorf GmbH Zwangsarbeit leisten. Sie war im Lager Wilhelmstraße 32 (heute Jakob-Kaiser-Straße 24) untergebracht und wurde in dieser Zeit schwanger.
Am 16. Mai 1943 brachte sie im Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Harburg ihren Sohn Jurek zur Welt. Im Lager Wilhelmstraße musste Jurek die kurze Zeit seines Lebens verbringen. Mindestens 22 Kinder von Zwangsarbeiterinnen waren in diesem Lager getrennt von ihren Müttern untergebracht. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für Jurek völlig unzureichend.
Er verstarb dort am 23. September 1943 um 7:20 Uhr. Im Sterberegister ist als Todesursache „Ileus“ (Darmverschluss) angegeben.
Jurek wurde 4 Monate und 7 Tage alt.
Seine Beisetzung fand auf dem Friedhof Harburg statt, Grab 3283 C. Eine Grabstätte ist dort nicht erhalten.
Maria Leczycka wurde erneut schwanger. Im folgenden Jahr brachte sie ihren zweiten Sohn Boleslav am 30. September 1944 im Lager Wilhelmstraße zur Welt. Auch er verstarb im Lager nach kurzer Zeit, nach zweieinhalb Monaten, am 19. Dezember 1944.
Auf eine Registrierkarte für Displaced Persons (A.E.F. D.P. Registration Record) von Maria Leczycka ist verzeichnet, dass sie am 4. November 1945 in ihre Heimat Polen nach Mordy/Siedlce, woj. Warszawskie, zurückgebracht wurde.
Die Nagelfabrik Bergedorf wurde 1883 als Filiale der ersten europäischen Hufnagelfabrik Mustard & Sön aus Oslo, Norwegen, gegründet. Die bekannten Sternhufnägel und Reichshufnägel hatten sich zum Beschlag der Pferde weltweit und insbesondere im Ersten Weltkrieg bewährt. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich auf dem Fabrikgelände in den Gebäuden ein Frauenzwangsarbeitslager. Zwischen August 1941 und Kriegsende 1945 mussten hier mindestens 92 Frauen - 77 Polinnen, 13 Lettinnen, 1 Ungarin und 1 Belgierin Zwangsarbeit leisten, dazu kamen 3 männliche Zwangsarbeiter aus Belgien, dies zeigt eine Namensliste von 1946.