Direkt zum Inhalt

Käthe Bonheim
* 1877

HIER WOHNTE
KÄTHE BONHEIM
GEB. FRIEDENSOHN
JG. 1877
FLUCHT 1939
HOLLAND
FLUCHT IN DEN TOD
13.12.1942 VELP

Brahmsallee 19

Weitere Stolpersteine in Brahmsallee 19: Dr. Paul Bonheim | Käthe Bonheim | Erwin Alfred Bonheim | Paula Bundheim | Max Bundheim | Kela Bundheim |

Dr. Paul Bonheim, geb. am 19.9.1877 in Rostock, ausgewandert in die Niederlande, Freitod am 13.12.1942
Dr. Paul Bonheim, geb. am 19.9.1877 in Rostock, ausgewandert in die Niederlande, Freitod am 13.12.1942
Dr. Paul Bonheim, geb. am 19.9.1877 in Rostock, ausgewandert in die Niederlande, Freitod am 13.12.1942
Max Bundheim, geb. am 23.4.1889 in Altona, am 8.11.1941 deportiert nach Minsk
Max Bundheim, geb. am 23.4.1889 in Altona, am 8.11.1941 deportiert nach Minsk
Max Bundheim, geb. am 23.4.1889 in Altona, am 8.11.1941 deportiert nach Minsk

Dr. Paul Bonheim, geb. am 19.9.1877 in Rostock, ausgewandert in die Niederlande, Freitod am 13.12.1942
Käthe Bonheim, geb. am 29.9.1877 in Schwerin, ausgewandert in die Niederlande, Freitod am 13.12.1942
Erwin Alfred Bonheim, geb. am 19.12.1910, ausgewandert in die Niederlande, über Westerbork nach Auschwitz deportiert, auf den 31.7.1944 für tot erklärt

Brahmsallee 19

Paul Bonheim wurde als Sohn des Kaufmanns Hermann Bonheim (geb. am 16.8.1843 in Schwerin, gest. am 29. November 1908 in Hamburg) und dessen erster am 24. August 1874 in Greifswald geehelichter Frau Rosa Bernheim (geb. am 29.11.1856 in Greifswald, gest. am 27. März 1885 in Rostock) am 19.9.1877 in Rostock geboren. Er besuchte von 1883 bis 1891 das Gymnasium in Rostock. Am 18. März 1891 zog die Familie nach Hamburg in die Klosterallee 45 und Paul ging fortan auf das renommierte Wilhelm-Gymnasium, wo er am 5. September 1895 seine Reifeprüfung ablegte.

Es folgte ein Medizinstudium in München, Jena, Berlin, wo Paul Bonheim unter anderem bei Prof. Rudolf Virchow studierte, und Kiel, wo er am 25. Mai 1900 die ärztliche Staatsprüfung bestand, am 31. Mai 1900 das Rigorosum ablegte und am 20. August 1900 seine „Doctorwürde“ mit der Dissertation „Über Dextrocardie“ erlangte.

Aus seiner Ehe mit Käthe Friedensohn, geb. am 29.9.1877 in Schwerin (siehe Alfred und Gertrud Friedensohn), gingen die in Hamburg geborenen Söhne Hans Hermann, geb. 6.3.1907, und Erwin Alfred, geb. 19.12.1910, hervor.

In den Jahren 1902 und 1903 arbeitete Paul Bonheim als Assistenzarzt und ab dem 15.November 1904 als Assistent der chirurgischen Poliklinik des Allgemeinen Krankenhauses St.Georg. 1904 ließ er sich zudem als Facharzt für Chirurgie in Hamburg nieder. 1906 trat er dem „Aerztlichen Verein“ in Hamburg bei, dem Vorläufer der heutigen Ärztekammer Hamburg, mit Sitz im Patriotischen Haus. In dieser Zeit wohnte Paul Bonheim mit seiner Familie am Grindelberg 9a.

Sein Vater Hermann hat am 27. Dezember 1887 ein zweites Mal geheiratet. Aus dieser Ehe mit Jenny Markheim (geb. am 18. 7.1859 in Fulda, gest. am 17.10.1928 in Hamburg), stammten Pauls Halbgeschwister Fritz (geb. am 22.2.1892 in Hamburg) und Käthe (geb. am 4.9.1889).

Im Ersten Weltkrieg diente Paul als Chefarzt in einem Hamburger Militärlazarett, und Fritz (am 30. September 1915 im nordfranzösischen Beuvraignes gefallen) als Leutnant des 12.R.I.R.76 (Reserve Infanterie Regiment) im Kaiserlichen Heer.

Seit Beginn der 1920er-Jahre leitete Dr. Bonheim als Oberarzt für Innere Medizin das Freimaurer-Krankenhaus im Kleinen Schäferkamp. 1795 gegründet, galt es als traditionsreiche Privatklinik und war Eigentum der „Vereinigten 5 Hamburger Logen“. Am 28. Oktober 1920 wurde Paul Bonheim in die Loge „Absalom zu den drei Nesseln“ aufgenommen. Zusammen mit Cäsar Wolf, dem geschäftsführenden Vorsitzenden der Klinik (siehe www.stolpersteine-hamburg.de), modernisierte er diese in den folgenden Jahren umfangreich.

Von den Maßnahmen des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933, die „nichtarischen“ Ärzten die Kassenzulassungen entzogen und vorsahen, alle „nichtarischen“ Beschäftigten aus öffentlichen Einrichtungen zu entlassen, war auch Dr. Bonheims ältester Sohn Hans Hermann betroffen. Er hatte von 1916 bis 1925 das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Hamburg besucht, dort am 2. Februar 1925 das Abitur abgelegt und anschließend in Freiburg, Berlin und Hamburg Medizin studiert. Am 8. Mai 1930 hatte er das Staatsexamen abgelegt, am 13. Juni 1931 wurde ihm die Approbation als Arzt zuerkannt und am 7. Juli 1931 wurde er promoviert. Anstellungen als Assistenzarzt im AK Barmbek und in Eppendorf wurden ihm wegen seiner jüdischen Herkunft gekündigt. Dank seines Vaters fand er vorübergehend Anstellung im Freimaurer-Krankenhaus. Aber auch hier wurden schon im Mai 1933 alle „nichtarischen“ Beschäftigten entlassen.

Auch Paul Bonheim fiel den Entlassungen zum 31. Dezember 1933 im Freimaurer-Krankenhaus zum Opfer. Beide Ärzte durften aber die Praxis in ihrer Wohnung in der Hansastraße 70 fortführen, wo sich auch viele „arische“ Patienten ihrer langjährigen medizinischen Erfahrung weiterhin anvertrauten, bis allen „nicht­arischen“ Ärzten mit der „Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ am 30. September 1938 die Approbation entzogen wurde. Mit der Praxis verloren sie auch die Privatwohnung. Paul und Käthe Bonheim bezogen ein neues Quartier in der Oberstraße 62.

Hans, der in die Innocentiastraße 57 zog, plante daraufhin, Deutschland in Richtung USA zu verlassen. Während des Novemberpogroms 1938 wurde er jedoch am Tag seiner geplanten Ausreise verhaftet und mit einem Sammeltransport ins KZ Sachsenhausen überstellt, wo er schwer misshandelt wurde. Nachdem er sich verpflichtet hatte, unverzüglich aus Deutschland auszuwandern, wurde er am 24. Dezember 1938 aus dem Konzentrationslager entlassen.

Am 8. Januar 1939 verließ Hans Bonheim Hamburg in Richtung Rotterdam, von wo aus sein Schiff am 25.Februar 1939 nach New York auslief.

Auch das Ehepaar Bonheim war nun entschlossen, zusammen mit ihrem jüngsten Sohn in die USA zu emigrieren. Erwin Alfred, der zu dieser Zeit bei seiner Tante Elsa Davidsohn in Berlin lebte und ein Volontariat als Drucker absolvierte, kehrte deshalb nach Hamburg zurück.

Große Teile seines ansehnlichen Vermögens, welches er nicht aus dem Deutschen Reich ausführen durfte, ließ Paul Bonheim großzügig seinen Verwandten, die in Deutschland zurückblieben, zukommen oder bedachte verschiedene jüdische Vereinigungen.

Am 19. Februar 1939 verließen Paul, Käthe und Erwin Alfred Bonheim Hamburg, und wanderten nach Holland aus.

Parallel, ebenfalls von den Ereignissen jener Zeit eingeholt, bemühte sich Pauls Halbschwester Käthe um ihre Auswanderung nach Schweden. Nachdem sie nach 24-jähriger Zugehörigkeit zur Dresdner Bank ihre Stellung als Bankbeamtin zum Juni 1931 verloren hatte, war es ihr nach 1933 als Jüdin unmöglich, eine neue Anstellung zu finden. Als Sekretärin des „Israelitischen Vorschussinstituts“ wurde sie zwischen 1936 und Februar 1939 mehrfach zu „Befragungen“ in die Gestapo-Zentrale, Stadthausbrücke, einbestellt, und dabei schweren Misshandlungen ausgesetzt. Fünf Monate nach ihrer Emigration nach Schweden wurde eine unheilbare Augenkrankheit diagnostiziert, die Käthe 1943 völlig erblinden ließ.

Paul, Käthe und Erwin Alfred Bonheim konnten ihr Vorhaben, in die USA zu emigrieren, nicht verwirklichen. Als die Wehrmacht am 10. Mai 1940 die neutralen Niederlande überfiel, sahen sich die emigrierten Juden einer erneuten Verfolgung ausgesetzt. Eingewanderte wie auch die einheimische jüdische Bevölkerung wurden ab Mai 1942 in den Lagern Westerbork und Vught konzentriert und von dort in die Vernichtungslager deportiert. Diesen Weg wollten Paul und Käthe Bonheim nicht antreten. Sie waren im Herbst 1941 von Rotterdam nach De Steeg im Gelderland gezogen, wo sie sich, schwer erkrankt und wohl auch am Ende ihrer Kräfte, am 13. Dezember 1942 gemeinsam das Leben nahmen.

Der NS-Staat hatte den Bonheims im Juli 1941 die deutsche Staatsbürgerschaft und Paul und Hans Hermann die akademischen Grade aberkannt.

Erwin Alfred wurde am 10. Januar 1944 während einer Razzia in Amsterdam verhaftet und über Westerbork ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Später wurde er auf den 31. Juli 1944 für tot erklärt.

Käthe Bonheim lebte erwerbsunfähig und mittellos, unterstützt von der schwedischen Armenverwaltung im städtischen Altersheim von Växjö, wo sie am 27. November 1963 in ärmlichen Verhältnissen starb.

Hans Bonheim, der in die USA entkommen war, starb am 25. August 1989 in Pompano Beach, Florida. In seinen vielen Enkeln und Urenkeln leben die Bonheims fort.

Stolpersteine für Paul, Käthe und Erwin Alfred Bonheim wurden im Juli 2014 in der Brahmsallee 19 (früher Hansastraße 70) im Beisein des Enkels, respektive Großneffen Karl Bonheim aus den USA und dessen Familie verlegt.

Ein zweiter Stein erinnert an Paul Bonheim vor dessen einstiger Wirkungsstätte, dem ehemaligen Freimaurer-Krankenhaus im Kleinen Schäferkamp.

Zurück zu den Suchergebnissen