Direkt zum Inhalt

Martin Lentfer
* 1875

HIER WOHNTE
MARTIN LENTFER
JG. 1875
ENTRECHTET / GEDEMÜTIGT
FLUCHT IN DEN TOD
3.1.1938

August-Krogmann-Straße 100 (Versorgungsheim Farmsen)

Weitere Stolpersteine in August-Krogmann-Straße 100 (Versorgungsheim Farmsen): Wanda Hoffmann | Gustav Remi | Martin Lentfer | Richard Elkeles | Ludwig Döpking |

Wanda Hoffmann, geb. Malinowski, geb. am 24.5.1894 (1890) in Leibitsch (heute Lubicz Dolny), ermordet am 23.9.1940 in der „Landes-Pflegeanstalt“ Brandenburg an der Havel
Gustav Hermann Remi, geb. am 4.6.1905 in Hamburg, inhaftiert von 1936–1938, 1940–1942, verstorben am 11.3.1943 im KZ Neuengamme
Martin Hermann Heinrich Lentfer, geb. am 12.11.1875 in Hamburg, Selbstmord am 3.1.1938 im Versorgungsheim Farmsen
Richard Elkeles, geb. am 30.12.1906 in Hamburg, inhaftiert von 1939–1941, gestorben am 12.3.1941 im Zentrallazarett
Ludwig Erhard Döpking, geb. am 10.4.1881 in Hamburg, inhaftiert 1936, Selbstmord am 3.10.1936 im Untersuchungsgefängnis

Hamburg Bezirke

August-Krogmann-Straße 100 (Versorgungsheim Farmsen)

TODO Hier geht’s zur Karte >

Martin Hermann Heinrich Lentfer, geb. am 12.11.1875 in Hamburg, Selbstmord am 3.1.1938 im Versorgungsheim Farmsen

August-Krogmann-Straße 100

Martin Lentfer wurde in der Hamburger Neustadt als Sohn des Schneiders Hans Lentfer und seiner Frau Julie, geb. Wolf, geboren. Wie sein Vater erlernte er das Schneiderhandwerk. Seit dem 25. Juni 1926 wohnte er im Versorgungsheim Farmsen, wo er als „Insassenwächter“ an der Anstaltspforte beschäftigt war. Eine Tätigkeit, die er zur vollsten Zufriedenheit ausübte. Er war wegen Bettelns vorbestraft, wahrscheinlich der Grund dafür, dass er in Farmsen leben musste. Zudem trank er gern Alkohol.

Die ersten beiden Tage des neuen Jahres 1938 war er beurlaubt worden. Am 1. Januar 1938 kehrte er vorzeitig zurück, verließ am nächsten Tag gegen 13 Uhr die Anstalt, um gegen 19 Uhr in angetrunkenem Zustand wieder aufzutauchen. Am 3. Januar 1938 suchte ihn ein Polizeimeister auf, weil ein betrunkener Ziegeleiarbeiter gegen einen Insassen aus Farmsen wegen eines angeblichen Vergehens nach § 175 StGB Anzeige erstattet hatte. Nach dem Verhör stand Lentfer nicht weiter unter Tatverdacht, obwohl er am besagten Tag beurlaubt und in der Nähe des „Tatorts“ gewesen war.

Am Abend desselben Tages gegen 20.30 Uhr wurde Martin Lentfer tot aufgefunden, er hatte sich auf dem Anstaltsgelände erhängt.

Inwieweit Lentfer homosexuell veranlagt war, wissen wir nicht. Da er sich aber nach einem Verhör im Zusammenhang mit dem § 175 StGB umgebracht hat, erinnert ein Stolperstein vor dem Eingang zum heutigen Pflegeheim Farmsen in der August-Krogmann-Straße 100 an sein Schicksal als Opfer der Homosexuellenverfolgung und mahnt zugleich an diesem Ort der „Asozialen“-Verfolgung.

Zurück zu den Suchergebnissen