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Martin Moses
* 1891

HIER WOHNTE
MARTIN MOSES
JG. 1891
EINGEWIESEN 1940
HEILANSTALT LANGENHORN
„VERLEGT“ 23.9.1940
BRANDENBURG
ERMORDET 23.9.1940
„AKTION T4“

Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße)

Weitere Stolpersteine in Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße): Leopold Falck | Johanna Holstein | Gustav Holstein | Anna Prager | Ida Prager | Marianne Melhausen | Gertrud Leiserowitz | Bernhard Leiserowitz | Julius Pilatus | David Pollak |

Leopold Falck, geb. 4.5.1880 in Hamburg, deportiert am 6.12.1941 nach Riga-Jungfernhof
Jacob Cohn, geb. am 6.4.1884 in Hamburg, mehrfach inhaftiert, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, dort verstorben am 8.2.1942
Jacob Cohn, geb. am 6.4.1884 in Hamburg, mehrfach inhaftiert, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, dort verstorben am 8.2.1942
Anna Prager, geb. 1.7.1872 in Beneschau, deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 23.9.1942 nach Treblinka
Anna Prager, geb. 1.7.1872 in Beneschau, deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 23.9.1942 nach Treblinka
Marianne Melhausen, geb. 9.4.1864 in Hamburg, deportiert 19.7.1942 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 26.9.1942 ins Vernichtungslager Treblinka
Bernhard Leiserowitz, geb. 13.3.1876 in Wronke/Posen, deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, dort verstorben am 19.1.1943
Bernhard Leiserowitz, geb. 13.3.1876 in Wronke/Posen, deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, dort verstorben am 19.1.1943
Julius Pilatus, geb. 16.4.1901 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
David Pollak, geb. 20.5.1881 in Brünn in Mähren, deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 9.10.1944 nach Auschwitz

Hamburg Bezirke

Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße)

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Martin Moses, geb. am 9. 7. 1891 in Hamburg, ermordet am 23. 9. 1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel

Großneumarkt 38
(vormals Schlachterstraße 7/8), Hamburg-Neustadt

Martin Moses, geboren am 9. Juli 1891 in Hamburg, war das sechste von zehn Kindern der jüdischen Eheleute Joseph Moses und Jenni, geborene Levi. Joseph Moses betrieb bis etwa 1886 eine Gastwirtschaft, danach arbeitete er als Händler. Die Familie wohnte immer in der Hamburger Neustadt, in der 2. Elbstraße, in der Schlachterstraße und ab 1892 bis etwa 1904 in der Straße Bei den Hütten 109, zuletzt Hütten 109 genannt.

Die Geschwister von Martin hießen Max, geboren am 28. Juni 1884, Iwan, geboren am 4. Oktober 1888, Hanna, geboren am 27. März 1896, Salo, geboren am 30. Juni 1901. Fünf weitere Kinder starben als Säuglinge. Ihr Vater Joseph Moses starb am 16. April 1904 im Israelitischen Krankenhaus im Alter von 54 Jahren.

Über Martin Moses’ Kindheit, Schulzeit, Jugend und eine eventuelle Berufsausbildung ist uns nichts bekannt. Mit achtzehn Jahren wurde er 1909/10 Patient der „Irrenanstalt Friedrichsberg”. Von dort kam Martin Moses in die ehemaligen Alsterdorfer Anstalten und wurde wenig später, im September 1910, in der „Irrenanstalt Langenhorn“ aufgenommen.

1927 hatten die Hansestädte Lübeck und Hamburg einen Vertrag geschlossen, nach dem Hamburg zunächst bis zu 300 Patienten in der Heilanstalt Strecknitz unterbringen durfte. Hamburg gewährte Lübeck im Gegenzug ein zinsloses Darlehen für die Errichtung von Erweiterungsbauten. Martin Moses gehörte zu den Patienten, die auf der Grundlage dieses Abkommens nach Strecknitz verlegt wurden. Er verließ Langenhorn am 3. Oktober 1930 und blieb in der Lübecker Anstalt, bis die „Euthanasie“-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, im Frühjahr/Sommer 1940 eine Sonderaktion gegen Juden in öffentlichen und privaten Heil- und Pflegeanstalten beschloss. Sie ließ die in den Anstalten lebenden jüdischen Menschen erfassen und in sogenannten Sammelanstalten zusammenziehen. Die Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn wurde zur norddeutschen Sammelanstalt bestimmt. Alle Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg wurden angewiesen, die in ihren Anstalten lebenden Juden bis zum 18. September 1940 dorthin zu verlegen.

Martin Moses traf am 16. September 1940 in Langenhorn ein. Am 23. September wurde er mit weiteren 135 Patientinnen und Patienten aus norddeutschen Anstalten nach Brandenburg an der Havel transportiert. Der Transport erreichte die märkische Stadt noch an demselben Tag. In dem zur Gasmordanstalt umgebauten Teil des ehemaligen Zuchthauses trieb man die Patienten umgehend in die Gaskammer und ermordete sie mit Kohlenmonoxyd. Nur Ilse Herta Zachmann entkam zunächst diesem Schicksal (siehe www.stolpersteine-hamburg.de).
Es ist nicht bekannt, ob und ggf. wann Angehörige Kenntnis von Martin Moses’ Tod erhielten. In allen dokumentierten Mitteilungen wurde behauptet, dass der oder die Betroffene in Chelm (polnisch) oder Cholm (deutsch) verstorben sei. Auf dem Geburtsregistereintrag von Martin Moses wurde notiert, dass das Standesamt Chelm II seinen Tod unter der Nummer 457/1941 registriert hat. Die in Brandenburg Ermordeten waren jedoch nie in Chelm oder Cholm, einer Stadt östlich von Lublin. Die dort früher existierende polnische Heilanstalt bestand nicht mehr, nachdem SS-Einheiten am 12. Januar 1940 fast alle Patienten ermordet hatten. Auch gab es in Chelm kein deutsches Standesamt. Dessen Erfindung und die Verwendung späterer als der tatsächlichen Sterbedaten dienten dazu, die Mordaktion zu verschleiern und zugleich entsprechend länger Verpflegungskosten einfordern zu können.

Die Schicksale von Martins Mutter und seinen Geschwistern sind nur bruchstückhaft überliefert. Ob Jenni Moses nach dem Tod ihres Ehemannes Hamburg verlassen hat, ist nicht sicher. Auch über Hanna Moses haben wir keine Informationen. Auf Max Moses’ Geburtsregistereintrag ist vermerkt, dass er am 8. Dezember 1951 in Mannheim verstorben ist.

Iwan Moses hatte den Beruf des Buchbinders ergriffen. Er heiratete am 27. Oktober 1910 Luise Martha Kracht, geboren am 22. Januar 1890 in Bielefeld. Die Ehe blieb kinderlos und wurde im Juli 1921 geschieden. Iwan Moses ging eine zweite Ehe mit Rifka (Riwka) Grünberg ein. Zwei ihrer drei Kinder sollen mit einem der Kindertransporte rechtzeitig nach England geflüchtet sein. Iwan und Rifka sowie ihr drittes Kind Ruth, geboren am 1. Mai 1925, wohnten zuletzt in der Grindelallee 116. Dort erhielten sie den Befehl zur Deportation nach Minsk am 8. November 1941. Für Iwan, Rifka und Ruth Moses liegen Stolpersteine in der Grindelallee 116 (siehe www.hamburg-stolpersteine.de).

Salo Moses heiratete die am 24. Oktober 1903 in Hamburg geborene Matilde Cohen. Das Ehepaar bekam zwei Töchter, Alice, geboren am 12. März 1926, und Edith, geboren am 6. September 1932. Die Familie emigrierte im Juni 1937 in die Niederlande. Sie lebte zunächst in Den Haag und ab Januar 1939 in Amsterdam. Dort arbeitete Salo Moses als Vertreter und als Angestellter im Büro des Judenrats.

Am 3. September 1942 wurde die Familie in Westerbork interniert und von dort am 4. September 1942 nach Auschwitz deportiert. Dort wurden Mathilde und Alice Moses am 7. September 1942, Salo Moses am 31. März 1944 und Edith an einem nicht bekannten Tag ermordet. Für diese vier Menschen liegen Stolpersteine in der Grindelallee 129 in Hamburg-Rotherbaum (siehe www.hamburg-stolpersteine.de).

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