Clara Lehmann
* 1874
HIER WOHNTE
CLÄRE (CLARA) LEHMANN
JG. 1874
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
6.1.1942
Heilwigstraße 46
Weitere Stolpersteine in Heilwigstraße 46: Anna Lehmann | Clara Lehmann | Dr. Berthold Jungmann |
Anna Lehmann, geb. 8. 9.1878 in Linden/Hannover, Suizid am 6.1.1942 in Hamburg
Anna Lehmann, geb. 8. 9.1878 in Linden/Hannover, Suizid am 6.1.1942 in Hamburg
Heilwigstraße 46
Anna Lehmann, geb. 8. 9.1878 in Linden/Hannover, Suizid am 6.1.1942 in Hamburg
Cläre (Clara) Lehmann, geb. 22. 9.1874 in Linden/Hannover, Suizid am 6.1.1942 in Hamburg
Heilwigstraße 46
Die Vorschule von Cläre Lehmann in der Heilwigstraße war in Hamburg eine Institution. In der Zeitschrift für jüdische Familienforschung „Maajan – Die Quelle“ ist bereits 2005 ein Artikel von Ursula Randt darüber erschienen. Dieser wird hier mit freundlicher Genehmigung des leitenden Redakteurs Daniel Teichman leicht gekürzt wiedergegeben.
Zuvor noch einige Ergänzungen:
Cläre und Annas Eltern, der Pferdehändler Gottschalk Lehmann und seine Frau Käthe, geb. Davis, hatten nicht nur die im Text angegebenen drei Töchter, sondern auch einen Sohn, den am 18. September 1867 ebenfalls in Linden geborenen Richard. Auf seiner Kultussteuerkartei ist als Beruf „Agent“ angegeben, d. h. er führte eine Handelsvertretung. Wahrscheinlich betrieb er diese gemeinsam mit der 1877 geborenen Grete, denn für sie lautet die Berufsbezeichnung „Agentin“. Womit die Geschwister handelten, ist unbekannt. Alle vier Lehmann-Kinder waren ledig und wohnten zusammen in der Heilwigstraße. Richard starb im März 1940.
Innerhalb der Hamburger Jüdischen Gemeinde hatten sich ein orthodoxer, ein neoliberaler und ein liberaler Kultusverein konstituiert. Cläre Lehmann gehörte dem letzteren an und beteiligte sich aktiv an dessen Gemeindearbeit, wie dem Protokoll der Mitgliederversammlung vom 14. Dezember 1937 zu entnehmen ist. Im Mai 1939 musste sich die 61-jährige Anna Lehmann einem Verhör der Zollfahndung unterziehen. Der Vorwurf lautete „Devisenvergehen“. Im Ermittlungsbericht hieß es: „Aufgrund einer Mitteilung der Gestapo Hamburg, wonach von der jüdischen Privatschule Lehmann, Heilwigstr. 46 aus Brillanten verschoben werden sollten, wurde die genannte Wohnung durchsucht. Ein Beweis für die ... Beschuldigung wurde nicht gefunden. ... Bei der Durchsuchung wurden lediglich 110 Tschechische Kronen gefunden, die Frl. Lehmann von ihrer letzten Reise zu Freunden in die Tschechoslowakei im Jahre 1936 oder 37 mitgebracht haben will. Diese Kronen will Frl. Lehmann vollständig vergessen haben. Frl. L. wurde zu der Angelegenheit gehört und ist bereit, sich einer durch die Devisenstelle festzusetzenden Geldstrafe hinsichtlich der Nichtanbietung zu unterwerfen.“
Anna Lehmann kam „wegen ihres hohen Alters und wegen des geringen Betrages“ mit einer Verwarnung und einer Geldstrafe in Höhe von 11 RM (dem Gegenwert der Tschechischen Kronen) davon.
Denunziation, Hausdurchsuchung, Verhör, Strafe – die Erinnerung an diese verstörenden Ereignisse hat bestimmt dazu beigetragen, dass sich die Schwestern, als Anna Lehmann im Januar 1942 eine Vorladung zur Gestapo erhielt, einer weiteren Demütigung entzogen und sich das Leben nahmen.
Mehrere der in diesem und anderen „Stolpersteinbüchern“ beschriebenen Menschen hatten Verbindung zu Anna und Cläre Lehmann: Annemarie Deutschländer und die Leser-Söhne waren ihre Schüler, Paul und Anna Mendel verbrachten die letzten Monate vor der Deportation als Untermieter in ihrem Haus.
Das Leben ihrer Kollegin Thekla Bernau, auch im Artikel von Ursula Randt erwähnt, wird in „Stolpersteine in Hamburg-Winterhude“ beschrieben, ebenso wie das ihrer Mieterin Anna Levy. Die Lehrerin Antonie Schär, Ehefrau des Widerstandskämpfers Alfred Schär, unterrichtete von 1930 bis 1934 bei Cläre Lehmann. Sie und ihr Mann hatten 1934 für einige Zeit jüdische Kinder aus der Vorschule in Pension. Unter anderem deswegen wurde dem Ehepaar „staatsfeindliche Haltung“ vorgeworfen. Das Schicksal der Familie Schär ist im Band „Stolpersteine in Hamburg-Wandsbek mit den Walddörfern“ nachzulesen. Im selben Band findet sich eine Tagebuchnotiz von Theodor Tuch über den Umzug des Ehepaars Mendel in die Pension der Lehmanns.
Ursula Randt erwähnte die Vorschule in „Die Talmud Tora Schule in Hamburg“, und Werner Skrentny schrieb in „Das Eppendorf-Buch“ über das Haus Heilwigstraße 46.
Nach und nach kamen so etliche Puzzlestücke über die Lehmann-Schwestern zusammen, die über ihr Leben Zeugnis ablegen und sie so vor dem Vergessen bewahren.