Friedrich Martin Stoltenberg
* 1895
HIER WOHNTE
FRIEDRICH MARTIN
STOLTENBERG
JG. 1895
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 1944
KZ FUHLSBÜTTEL
NEUENGAMME
TOT AN HAFTFOLGEN
6.4.1945 UG HAMBURG
Amandastraße 41 (vormals Nr. 63)
Weitere Stolpersteine in Amandastraße 41 (vormals Nr. 63): Friedrich Martin Stoltenberg
Friedrich Martin Stoltenberg, geb. 14.1.1895, im Widerstand am 20.3.1944 verhaftet, vom KZ Fuhlsbüttel im April 1944 ins KZ Neuengamme überstellt, starb am 6.4.1945 im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis
Friedrich Martin Stoltenberg, geb. 14.1.1895, im Widerstand am 20.3.1944 verhaftet, vom KZ Fuhlsbüttel im April 1944 ins KZ Neuengamme überstellt, starb am 6.4.1945 im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis
Steindamm 17, vor dem Hansa Theater St. Georg
Amandastraße 41, Eimsbüttel (vormals Amandastraße 63)
Friedrich Martin Stoltenberg wurde am 14. Januar 1895 in Hamburg als Sohn des Butterhändlers Johann Christian Stoltenberg und dessen Ehefrau Marie Wilhelmine Henriette, geborene Burmeister, geboren.
Friedrich Stoltenberg erkrankte bereits im Kindesalter an einer Lungenentzündung, was zahlreiche Aufenthalte in Lungenheilstätten erforderlich machte. Nach dem Abschluss der Volksschule absolvierte er eine Ausbildung zum Maschinisten.
Er diente seit dem 22. Mai 1915 im Ersten Weltkrieg beim Infanterie Regiment als Füsilier. Während eines Fronteinsatzes erlitt er am 14. August 1915 einen Lungensteckschuss. Er kam zur Rekonvaleszenz in die Lungenheilstätte Rosbach/Frankfurt am Main. Doch als Folge erlitt er wiederholt Blutstürze und Lungenblutungen. Aufgrund der Schwere seiner Verletzung wurde ihm eine 80% Kriegsbeschädigung zuerkannt und eine Kriegsbeschädigtenrente bewilligt.
Am 15. Januar 1921 heiratete er in Hamburg Anna Sophie Henny Ebhardt, geboren am 30. Januar 1901, die er in einer Volkstanzgruppe kennengelernt hatte. Sie war als Tochter von Friedrich Wilhelm Carl Ebhardt und Ernestine Martha Minna Louise Ebhardt, geb. Schult, zur Welt gekommen.
Nach der Heirat lebte das Paar zunächst bei ihren Eltern in der Tornquiststraße 66/Eimsbüttel. Am 26. März 1923 wurde ihr Sohn Carl Friedrich Hermann Stoltenberg geboren. 1925 zogen sie in den Dohlenweg 12/Barmbek-Nord. Am 13. März 1927 bekamen sie ihren zweiten Sohn Kurt Friedrich Hans Stoltenberg.
Ab 1929 wechselten sie wieder nach Eimsbüttel und zogen innerhalb des Stadtteils mehrmals um. So wohnten sie u. a. Bei der Apostelkirche 24, Sillemstraße 62, Eppendorfer Weg 108 und Marthastraße 49.
Ein Teil der Personen, die zunächst den Volkstanzkreis gegründet hatten, entschied sich im Verlauf der NS-Zeit zum Widerstand gegen das nationalsozialistische System, so u. a. Friedrich Stoltenbergs Schwager Erwin Ebhardt (geb. 1.1.1911). Uns ist nicht bekannt, ob Friedrich Stoltenberg sich zu dieser Zeit schon ebenfalls am Widerstand beteiligte.
Am 16. Oktober 1937 trat Friedrich Stoltenberg eine Stelle als Hausmeister im Kaffeehaus „Alstereck“ am Jungfernstieg 51/Neustadt an. Zu seinen Aufgaben gehörten die Wartung der elektrischen Anlagen sowie die Annahme, Ausgabe und Lagerung von Getränken. Sein Arbeitgeber bescheinigte ihm später, ein fähiger und engagierter Mitarbeiter gewesen zu sein. Krankheitsbedingt schied er am 30. November 1942 im gegenseitigen Einvernehmen aus dem Arbeitsverhältnis aus.
Trotz der Gefahren scheute sich das Ehepaar Stoltenberg nicht, Friedrich Stoltenbergs Schwager zu verstecken. Der Hintergrund: In den ersten Monaten nach Kriegsbeginn hatten sich in Hamburg mehrere kleinere Gruppen zu einer Widerstandsorganisation zusammengeschlossen, die vor allem in den Hamburger Großbetrieben verankert war. Zu diesem Netzwerk zählte auch Erwin Ebhardt. Er saß vom 22. März 1943 bis 5. August 1943 wegen Beteiligung an der Widerstandsorganisation Bästlein-Jacob-Abshagen u.a. im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis ein. Wegen der schweren Luftangriffe auf das Untersuchungsgefängnis im Juli 1943 erhielten er und andere Insassen Hafturlaub mit der Auflage, nach den Angriffen zurückzukehren. Erwin Ebhardt folgte dem nicht, sondern tauchte bei seiner Schwester und Schwager unter.
Am 29. September 1943 wechselte das Ehepaar Stoltenberg mit den Söhnen in die Amandastraße 63. Erwin Ebhardt zog in die Wohnung mit ein.
Am 16. Januar 1944 nahm Friedrich Stoltenberg eine Anstellung als Elektriker im Hansa-Theater am Steindamm 17/St. Georg auf. Eingestellt hatte ihn der Inhaber des Hansa-Theaters Kurt Grell, (geb. 12.7.1901). Kurt Grells Vater Paul Wilhelm Grell (1860–1937) hatte am 5. März 1894 das Hansa-Theater am Steindamm eröffnet. Kurt Grell baute nach der Zerstörung durch die Operation Gomorrha vom Juli 1943 das Hansa-Theater wieder neu auf. Friedrich Stoltenberg verwandte sich bei Kurt Grell für seinen Schwager, der so ebenfalls eine Anstellung erhielt. Erwin Ebhardt arbeitete dort als Klempner.
Erwin Ebhardt hatte im Februar 1944 in vertraulichen Gesprächen Herbert Lübbers, der ebenfalls im Hansa Theater arbeitete, gegenüber erwähnt, dass er zusammen mit Friedrich Stoltenberg illegal am Aufbau der Widerstandsgruppe „Emil Tippmann und andere“ beteiligt sei (Emil Tippmann gehörte wie auch Stoltenbergs Schwager Ebhardt der Widerstandsgruppe Etter-Rose-Hampel an). Sie wussten nicht, dass Herbert Lübbers inzwischen von der Gestapo „umgedreht“ worden war, denn gegen Lübbers (geb. 26.12.1920) war ein Verfahren wegen Hochverrats der Widerstandgruppe „Kristeller und Andere“ anhängig gewesen. Er war im Januar 1944 aus dem Gefängnis Altona geflohen. Auf seiner Flucht hatte er Erwin Ebhardt und weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe kennengelernt. Sie sollten ihn dabei unterstützen, in die Schweiz zu fliehen. Während der Bahnfahrt nach Speyer war Herbert Lübbers jedoch von der Gestapo wieder verhaftet worden. Nach den Vernehmungen sagte er ihnen seine Mitarbeit zu. In der Folge arbeitete Herbert Lübbers für die Gestapo als Informant und verriet die Mitglieder der Widerstandsgruppe an die Gestapo.
Am 21. März 1944 wurden Friedrich Stoltenberg und Erwin Ebhardt von der Gestapo festgenommen und in das KZ Fuhlsbüttel eingeliefert. Gegen Friedrich Stoltenberg lautete die Anklage auf „Zersetzung der Wehrkraft“ und „Feindbegünstigung“. Letzteres wurde damit begründet, dass er Erwin Ebhardt von Juli 1943 bis März 1944 in seinen Wohnungen in der Marthastraße 49 und der Amandastraße 63 versteckt gehalten hatte.
Durch die Aussagen von Herbert Lübbers gerieten auch andere Mitglieder der Widerstandsgruppe in das Visier der Gestapo und wurden verhaftet. (Siehe: www.hamburg.de/ns-dabeigewesene.) Anschließend leitete die Justiz ein Verfahren gegen die gesamte Gruppe ein und erhob Anklage.
Im April 1944 wurde Friedrich Stoltenberg aus dem KZ Fuhlsbüttel in das Konzentrationslager Neuengamme überstellt. Im Herbst 1944 konnten die Söhne Carl und Kurt ihn dort besuchen. Sie fanden ihn in einem schlechten gesundheitlichen Zustand vor: Er litt unter starker Schwerhörigkeit, taumelte beim Gehen und war deutlich unterernährt. Er berichtete ihnen, Schläge gegen den Kopf erhalten zu haben. Tief erschüttert reagierte er auf die Nachricht, dass seine Frau Anna am 29. Juli 1944 bei einem Luftangriff auf das Haus in der Amandastraße 63 ums Leben gekommen war.
Zu einer erneuten Vernehmung wurde Friedrich Stoltenberg am 9. Februar 1945 von Neuengamme in das Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis überstellt, schwer gezeichnet von den vorangegangenen Haftbedingungen und Misshandlungen, Unterernährung und Erfrierungen. Anfang April wurde er in das Gefängnislazarett Holstenglacis 3 verlegt.
Dort starb er am 6. April 1945.
In der Sterbeurkunde von Friedrich Stoltenberg waren als Todesursachen „Magen-Ulcus“ sowie „Blutsturz“ vermerkt. Sein Leichnam wurde zur weiteren Untersuchung ins Hafenkrankenhaus überführt. Im dortigen Obduktionsprotokoll wurde hingegen „Brustschmerzen“ als Todesursache angegeben.
Die sterblichen Überreste von Friedrich Stoltenberg wurden auf dem Ohlsdorfer Friedhof in dem Grab Bi 56 – 1 beigesetzt.
Zum Schicksal von Erwin Ebhardt:
Erwin Ebhardt war am 30. Januar 1945 vom KZ Fuhlsbüttel ins Untersuchungsgefängnis Holstenglacis überführt worden. Sein Haftgrund lautete „Wehrkraftzersetzung“. Erwin Ebhardt wurde am 19. Mai 1945 durch die Alliierten befreit.