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Lucie Rothschild
* 1907

ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel

ohne Hamburger Adresse

Weitere Stolpersteine in ohne Hamburger Adresse : Salo Weinberg | Anna Luise (Louise Hedwig) Weimann | Wilhelm Süsser | Dorothea Dorthy Silberberg | Lucie Rothschild | Karl Friedrich Michael | Bronislawa Luise Dorothea Mattersdorf | Hannchen Lewin | Richard Levy | Ernestine Levy |

Salo Weinberg, geb. am 27.2.1870 in Lublin (Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Anna Luise (Louise Hedwig) Weimann, geb. am 19.11.1869, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Wilhelm Süsser, geb. am 6.11.1892 in Frankfurt a. M., ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Dorothea Dorthy Silberberg, geb. am 7.11.1883 in Grätz/Posen (heute Grodzisk/Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Lucie Rothschild, geb. am 18.9.1907 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Karl Friedrich Michael, geb. am 24.7.1910 in Mannheim, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Bronislawa Luise Dorothea Mattersdorf, geb. am 11.2.1899 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Hannchen Lewin, geb. am 8.5.1879 in Rogasen (heute Rogozno, Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Richard Levy, geb. am 2.11.1885 oder 2.2.1885 in Wollstein, (heute Wolsztyn, Polen), ermordet in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel am 23.9.1940
Ernestine Levy, geb. Hirsch, geb. am 24.10.1863 in Glogau, ermordet in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel am 23.9.1940

Lucie Rothschild, geb. am 18.9.1907 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel

Ohne Stolperstein

Lucie Rothschild kam am 18. September 1907 als Tochter des Kaufmanns Israel Rothschild und seiner Ehefrau Elise Rothschild, geborene Meininger, zur Welt. Das Ehepaar wohnte zu der Zeit in Berlin-Schöneberg, Heilbronnerstraße 5. Es bekannte sich zur jüdischen Religion. Diese wenigen Informationen gehen aus Lucie Rothschilds Geburtsurkunde hervor. Weitere Einzelheiten über ihre Kindheit oder Jugend kennen wir nicht. Lucie erlernte den Beruf der Verkäuferin und wohnte in den 1920er und 1930er Jahren in vielen Städten, oft als Untermieterin ihrer Mutter. Im März 1930 hatte sie die Absicht, sich zu verheiraten. Dazu kam es aber nicht.

In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre muss Lucie Rothschild nach Hamburg gekommen sein. Sie wurde im August 1937 vom Amtsgericht Hamburg wegen Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die am 27. Februar 1938 enden sollte. Danach sollte sich eine Unterbringung in einer „Entziehungsanstalt“ anschließen. Wir wissen nicht, welche konkrete Straftat der Verurteilung zugrunde lag. Aus der damaligen Haftkarteikarte ergibt sich, dass Lucie Rothschild zwei Geschwister hatte. Lucies Vater war bereits verstorben, ihre Mutter lebte inzwischen in Tel Aviv.

Am 26. Februar 1938 wurde Lucie Rothschild aus der Haft direkt in die Staatskrankenanstalt Hamburg-Langenhorn überführt. Sie blieb dort bis 1940. Welche Art der „Entziehung“ mit dieser Einweisung bezweckt wurde, ist nicht bekannt.

Im Frühjahr/Sommer 1940 plante die „Euthanasie“-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, eine Sonderaktion gegen Juden in öffentlichen und privaten Heil- und Pflegeanstalten. Sie ließ die in den Anstalten lebenden jüdischen Menschen erfassen und in sogenannten Sammelanstalten zusammenziehen. Die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn wurde zur norddeutschen Sammelanstalt bestimmt. Alle Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg wurden angewiesen, die in ihren Anstalten lebenden Juden bis zum 18. September 1940 dorthin zu verlegen. Nachdem alle jüdischen Patienten aus den norddeutschen Anstalten in Langenhorn eingetroffen waren, wurden sie am 23. September 1940 gemeinsam mit den dort bereits länger lebenden jüdischen Patienten nach Brandenburg an der Havel transportiert. Noch am selben Tag brachte man sie in den zur Gasmordanstalt umgebauten Teil des ehemaligen Zuchthauses und ermordete sie mit Kohlenmonoxyd. Nur Ilse Herta Zachmann entkam diesem Schicksal zunächst (siehe dort).

Es ist nicht bekannt, ob und ggf. wann Angehörige Kenntnis von Lucie Rothschilds Tod erhielten. In allen dokumentierten Mitteilungen wurde behauptet, dass der oder die Betroffene in Chelm (polnisch) oder Cholm (deutsch) verstorben sei. Auf dem Geburtsregistereintrag von Betty Berges wurde notiert, dass sie am 30. Januar 1941 gestorben sei und das Standesamt Chelm II ihren Tod unter der Nummer 363/1941 registriert hat. Die in Brandenburg Ermordeten waren jedoch nie in Chelm oder Cholm, einer Stadt östlich von Lublin. Die dort früher existierende polnische Heilanstalt bestand nicht mehr, nachdem SS-Einheiten fast alle Patienten am 12. Januar 1940 ermordet hatten. Auch gab es in Chelm kein deutsches Standesamt. Dessen Erfindung und die Verwendung späterer als der tatsächlichen Sterbedaten dienten dazu, die Mordaktion zu verschleiern und zugleich entsprechend länger Verpflegungskosten einfordern zu können.

Eine Adresse von Lucie Rothschild in Hamburg ist nicht bekannt, so dass kein individueller Ort bestimmt werden kann, an dem ihrer mit einem Stolperstein gedacht werden könnte.

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