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Theodor Haubach
* 1896

HIER WOHNTE
THEODOR HAUBACH
JG. 1896
1934-36 KZ BÖRGERMOOR
1944 HAFT IN BERLIN
HINGERICHTET
23.1.1945

Hartwicusstraße 2

Weitere Stolpersteine in Hartwicusstraße 2: Noemi Carola Sello | Theodor Haubach |

Noemi Carola Sello, geb. Weil, geb. 26.12.1890, Flucht in den Tod am 24.10.1941
Theodor Haubach, geb. 15.9.1896, hingerichtet in Berlin-Plötzensee am 23.1.1945

Theodor Haubach
Erzählerin: Christine Jensen Sprecher: Viktor Hacker Biografie: Carmen Smiatacz
Hamburg Bezirke

Hartwicusstraße 2

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Theodor Haubach, geb. 15.9.1896, hingerichtet in Berlin-Plötzensee am 23.1.1945

Hartwicusstraße 2

Theodor Haubachs Vater, ein Großkaufmann, verstarb ein Jahr nach der Geburt seines Soh­nes. Deswegen zog seine Mutter, die Jüdin war, mit ihm von Frankfurt am Main nach Darm­stadt in die Kiesstraße. Ein Vormund ermöglichte ihm den Besuch eines Gymnasiums. Seit 1906 be­suchte Theodor Haubach daraufhin das Ludwig-Georg-Gymnasium in Darmstadt, wo er Carlo Mierendorff kennenlernte, mit dem er sein Leben lang eng befreundet bleiben sollte.

Als einer der letzten seiner Altersklasse besuchte Theodor Haubach noch zwölf Jahre lang die Schule, bis zum Jahr 1914, als er sein Notabitur machte. Danach meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst. 1918 wurde er zum Leutnant befördert. Allerdings wurde er während des Krieges einige Male verwundet und erlitt vor Kriegsende noch eine schwere Verletzung. Durch einen Schulterschuss gerieten Uniformstücke in seine Wunde, die durch eine Opera­tion entfernt werden mussten. Im Zusammenhang mit dieser Verwundung entstanden auch die markanten Narben an seinem Kinn, die auf Schnittwunden zurückzuführen waren.

Nach Kriegsende kehrte er zunächst nach Darmstadt zurück. Das Ende des Ersten Welt­krie­ges stellte für Theodor Haubach den Zusammenbruch einer alten Epoche und zeitgleich den Beginn einer neuen deutschen und europäischen Ära dar. Deswegen wuchs sein Interesse für die Politik, insbesondere für die Sozialdemokratie.

In Darmstadt wurde er 1920 Kommandant der Abwehrkräfte gegen den sogenannten Kapp-Putsch. Zudem studierte er seit 1919 in Heidelberg Philosophie, Soziologie und Staats­wis­senschaften. Vier Jahre später schrieb er im Fach Philosophie seine Doktorarbeit bei Professor Karl Jaspers. Während dieser Zeit stand er zusammen mit seinem Freund Carlo Mierendorff an der Spitze der sozialdemokratischen Stu­denten­be­we­gung. Dadurch kam es zu ersten Aus­ein­an­dersetzungen mit der nationalsozialistischen Szene, in der sich sowohl Studenten als auch Professoren engagierten. Theodor Haubach genoss schon damals den Ruf eines talentierten Redners.

Nach dem Ende seines Studiums zog es Theodor Hau­bach nach Hamburg, um für das Institut für Außen­politik zu arbeiten. Ein Jahr später, 1924, begann er sein Wirken als außenpolitischer Redakteur der sozialdemokratischen Tageszeitung „Hamburger Echo“. Diesen Pos­ten be­hielt er bis 1929. Zeitgleich trat er der Leitung des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ bei, einem sozialdemokratischen Wehrverband, der es sich zur Auf­ga­be ge­macht hatte, die de­mo­kratische Grundordnung in der Weimarer Republik zu verteidigen. Zudem sahen sich die Mitglieder als Gegengewicht zu den immer stärker auftretenden nationalen und nationalsozialistischen Kampfverbänden.

Theodor Haubach wohnte in Hamburg in seiner Wohnung in der Hartwicusstraße 2 nicht allein. Seine Mutter zog zu ihm und lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1939 bei ihrem Sohn. Sie kümmerte sich um den Haushalt, während Theodor Haubach sich ganz der Politik widmete. Dadurch entwickelte sich sein Ruf eines ewigen Junggesellen.

Während seiner Jahre in Hamburg stand Theodor Haubach oft als Redner auf Bühnen bei demokratischen Groß­ver­anstal­tungen. 1927 wurde er als SPD-Mitglied in die Hamburger Bür­­gerschaft gewählt. Zwei Jahre später endete seine Zeit in Ham­burg, denn er wurde zuerst Pressechef beim Reichs­innen­ministerium und danach beim Berliner Polizeipräsidenten. Ein Ziel Theodor Haubachs lag in der Stärkung und Förderung der demokratischen Kräfte in der Berliner Polizei. Zudem übernahm er ab 1932 die politische Redaktion des „Reichs­ban­ners“, einer SPD-nahen Zeitung.

Nach dem Staatsstreich von Franz von Papen am 20. Juli 1932 wurde Theodor Haubach, wie viele andere auch, aus dem Staatsdienst entlassen. Danach konzentrierte er sich auf seine Arbeit im „Reichsbanner“, die ab 1933 illegal fortgeführt wurde. Im Kampf gegen den Na­tio­nalsozialismus trafen sich die Mitglieder des „Reichsbanners“ zu geheimen Sit­zungen, warben neue Aktive, verbreiteten politische Schriften und Aufklärungsmaterial. Aufgrund dieser Arbeit wurde Theodor Haubach 1933 zum ersten Mal verhaftet, aber schon nach kurzer Zeit wieder entlassen. Ein Jahr später, am 24. November 1934, wurde er jedoch erneut festgenommen. Diesmal sollte seine Haft länger andauern. Bis 1936 war er zuerst im Kon­zen­tra­tions­lager Columbiahaus und später im Konzentrationslager Esterwege bei Papen­burg im Emsland in Gefangenschaft. Hier musste er mit den anderen Insassen an der Tro­cken­legung des Börgermoores arbeiten. Nach seiner Entlassung 1936 sah man ihm die Spu­ren der Inhaf­tie­rung an – er schien um Jahre gealtert.

Seine erste Anstellung nach der Haft fand Theodor Haubach als Handels- und Ver­si­che­rungs­vertreter. Danach bekam er eine Stelle als Mitarbeiter seines Freundes Viktor Bausch in dessen Papierfirma Felix Schoeller&Bausch. Durch diese Arbeit stellte sich auch wieder der Kontakt zu alten Sozialdemokraten und Gewerkschaftern her. Zudem wurde 1938 Carlo Mierendorff nach fünfjähriger Haft aus dem Konzentrationslager entlassen. 1939 wurde Theo­­dor Haubach noch einmal kurz verhaftet, da man ihm Spionage für die Tschecho­slowakei vor­warf.

Als 1940 der „Kreisauer Kreis“ als Widerstandsgruppe gegen das nationalsozialistische Regi­me entstand, trat auch Theodor Haubach ihm bei. Carlo Mierendorff hatte schon länger Kon­takt zu der Widerstandsgruppe um Helmuth James Graf von Moltke und führte nun auch Theodor Haubach in den Kreis ein. Dieser nahm zum ersten Mal an einem Treffen vom 18. bis 20. Oktober 1942 teil. Das Ziel der Widerstandsorganisation lag in der geistigen, politischen und sozialen Neuordnung Deutschlands nach dem Ende der Diktatur. Eine ihrer For­derungen lautete: „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus!“

Ab 1943 wandte sich der „Kreisauer Kreis“ auch anderen Widerstandsgruppen zu, um sich an einer aktiven Verschwörung gegen den Nationalsozialismus zu beteiligen. So kamen die Mit­glie­der in Kontakt mit Graf von Stauffenberg und Carl Friedrich Goerdeler. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurden viele Beteiligte in Berlin sofort verhaftet. Theodor Hau­bach befand sich noch in Oberstdorf im Allgäu. Obwohl er wusste, wie gefährlich es für ihn in Berlin geworden war, kehrte er Anfang August dorthin zurück. Carlo Mie­ren­dorff lebte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Eine Fliegerbombe hatte ihn am 4. Dezember 1943 in Leipzig ge­tötet.

Am Morgen des 9. August 1944 wurde Theodor Haubach von der Gestapo in seiner Woh­nung im Falterweg 1 in Berlin verhaftet. Man brachte ihn in die Sicherheitspolizei-Schule Drö­gen bei Ravensbrück, danach wurde er ins Berliner Gefängnis Lehrter Straße überführt. Kurz vor seiner Festnahme hatte Theodor Haubach die Sängerin Anneliese Schellhase kennengelernt, die seine große Liebe werden sollte. Theodor Haubachs langjährige gute Freun­din Alma de l’Aigle schrieb im Vorwort zu dem Abdruck einiger Briefe Haubachs an Anne­liese Schellhase:

„Es ist wie ein Wunder, wie eine ganz besondere Gnade, die in allem Unglück in seinem Leben waltete, dass er nicht lange vor dem gewaltsamen Abschluss seines Lebens noch die große Liebe kennen lernte, die auch zu einem späten Lebensbündnis geführt hätte, wenn der Tod nicht gewaltsam dazwischen geschlagen hätte. Er kannte Anneliese Schellhase schon vor seiner Verhaftung. Die herbe knabenhafte Erscheinung, das klassische Gesicht und der rege Geist der jungen Sängerin hatten ihn bald angezogen. Aber das große Wunder der See­len­begegnung fand erst statt, als Haubach in der Zelle des Gefängnisses Lehrter Straße saß.“

Aus dem Gefängnis schrieb Theodor Haubach Briefe an Anneliese Schellhase, zog sie von Partenkirchen nach Berlin. Nach der Verlobung war es ihr gestattet, ihn regelmäßig zu besuchen und ihm die nötigsten Dinge für den täglichen Bedarf zu besorgen. Nichts konnte Anneliese Schellhase davon abhalten, ihren Verlobten im Gefängnis zu besuchen. Selbst als sie bei einem Bombenangriff schwer verletzt wurde und fortan gehbehindert war, besuchte sie ihn regelmäßig. Sein letztes gemeinsames Weihnachtsfest feierte das Paar im Gefängnis Lehr­ter Straße. Der wachhabende SS-Untersturmführer Knuth hatte den beiden seine Kam­mer zur Verfügung gestellt.

Im Gefängnis Lehrter Straße schrieb Theodor Haubach am 6. Januar 1945 einen letzten Brief an Anneliese Schellhase, bevor das Urteil gegen ihn gefällt wurde: „Mein Liebes, Geliebtes! Wir wollen doch die Dinge richtig sehen. Entweder lässt Gott in Gnade und Barmherzigkeit zu, dass alles gut geht – dann schadet auch Dr. W. nichts – oder er lässt es nicht zu, dann helfen auch alle Götter nicht …
Wo immer Deutschland in Not stand, stand auch immer ich. Einen kleinmütigen und verzagten Angeklagten werden die Herren in mir nicht kennen lernen. Vielleicht werden sie sich sogar wundern. Voriges Jahr um diese Zeit stand ich auf so manchem brennenden Dach in Berlin, heute soll ich mich darüber rechtfertigen, ob ich ein nationaler Mann bin.“

Den Vorsitz bei den Gerichtsverhandlungen nach dem 20. Juli 1944 hatte der Präsident des Volksgerichtshofes, Roland Freisler. Für ihn stand das Todesurteil schon vor Beginn der Ver­handlung fest. Während der Prozesse liefen Kameras und Tonbandgeräte. Theodor Haubach wirkte ernst und gefasst. Mit leicht nach hinten geneigtem Kopf und den Blick in die Ferne gerichtet, saß er vor dem Richter. Da er bereits im Gefängnis an einer schweren Gallenkolik erkrankt war, brach er während des Prozesses zusammen und musste aus dem Saal getragen werden. Seine Verhandlung wurde daraufhin von den anderen abgetrennt. Am 15. Januar 1945 wurde der Schwerkranke wegen Hoch- und Landesverrats zum Tode verurteilt. Anneliese Schellhase reichte zwei Gnadengesuche ein. Sie drang sogar bis zu Roland Freisler vor, um ihn von dem Todesurteil abzubringen. Doch alle Hoffnungen zerschlugen sich mit der Hinrichtung Theodor Haubachs am 23. Januar 1945 im Gefängnis Plötzensee.

Einige Tage vor der Hinrichtung wurden die Gefangenen, unter ihnen auch Theodor Hau­bach, in die Todeszelle gebracht. Wegen seiner Gallenerkrankung musste Theodor Haubach am 23.Ja­nu­ar zum Galgen getragen werden. Dann wurde er, wie seine Mitgefangenen auch, er­hängt.

Heute gibt es in Deutschland zwei Schulen, die nach Theodor Haubach benannt sind. Eine steht in Berlin-Charlottenburg, die andere in Hamburg-Altona. Zudem existieren in Berlin-Char­lottenburg, Hamburg, Frankfurt am Main, Bielefeld und Lüneburg Straßen mit seinem Namen. In Berlin trägt der Briefingsaal im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung seinen Namen.

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