Direkt zum Inhalt

Toni Wolff
* 1869

HIER WOHNTE
TONI WOLFF
JG. 1869
DEPORTIERT 1941
RIGA
ERMORDET

Heinrich-Barth-Straße 8

Weitere Stolpersteine in Heinrich-Barth-Straße 8: Martha Meyers | Moritz Meyers | Gertrud Baruch | Dan Baruch | Bernhard Baruch | Berthold Walter | Georg Baruch | Marion Baruch | Rolf Arno Baruch | Willi Wolff |

Martha „Martel“ Meyers, geb. Cohn, geboren am 1.8.1911 in Krefeld, deportiert am 11.7.1942 nach Auschwitz und ermordet
Martha „Martel“ Meyers, geb. Cohn, geboren am 1.8.1911 in Krefeld, deportiert am 11.7.1942 nach Auschwitz und ermordet
Berthold Walter, geb. 19.3.1877, Todesdatum: 7.8.1935 (Suizid)
Georg Baruch, geb. 21.2.1881, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Georg Baruch, geb. 21.2.1881, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Georg Baruch, geb. 21.2.1881, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Willy / Willi Wolff, geb. am 5.4.1888 in Rendsburg, deportiert am 6.12.1941 nach Riga

Hamburg Bezirke

Heinrich-Barth-Straße 8

TODO Hier geht’s zur Karte >

Leo Wolff, geb. 27.11.1864 in Hamburg, am 6.12.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort ermordet
Toni Rahel Wolff, geb. Landsberger, geb. 24.7.1869 in Berlin, am 6.12.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort ermordet

Heinrich-Barth-Straße 8

Leo Wolff war als Sohn von Siegfried und Julie (geborene Westphal) Wolff in Hamburg geboren worden. Mit seiner Ehefrau Toni (auch: Tony) geb. Landsberger lebte er zunächst in Köln. Dort kam auch ihre gemeinsame Tochter Lilly (siehe dieselbe) am 26.11.1896 zur Welt. 1916 zog die Familie nach Hamburg.

Hier arbeitete Leo Wolff, von Beruf Kaufmann, als Handelsvertreter für mehrere Schuhfirmen aus ganz Deutschland. Im Dezember 1934 zählen zu diesen die Firmen Badner und Co. aus Dresden, eine Gummiwarenfabrik aus den Odenwald, die Firma Pöhler aus Naumburg an der Saale, die Firma Buller, die Turnschuhfabrik Max Hubrich aus Lößnitz im Erzgebirge sowie die Firma Storkow (Mark). Da Leo Wolff an Rheuma litt, fiel es ihm stetig schwerer, seine Kundschaft zu betreuen und er erzielte immer weniger Absatz. Nach und nach erhielt kündigten Firmen seine Verträge. Sie begründeten dies mit der sinkenden Zahl der Abschlüsse. Nicht ausgesprochen wurde, dass es vielen Auftraggebern nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 nicht mehr opportun erschien, jüdische Vertreter zu beschäftigen. Der nun 69-jährige Leo Wolff und seine Frau gerieten in finanzielle Nöte. Zunächst beantragte er im April 1934 Mietzuschüsse beim Fürsorgeamt, später im Jahr auch eine Kleinrentenhilfe für sich und seine Frau. Aus den Berichten des Fürsorgeamtes wird deutlich, dass sich dessen Mitarbeiter der antisemitischen Gründe für die Kündigungen Wolffs bewusst waren. Im Oktober 1938 musste Leo Wolff auch die letzten Vertretungen niederlegen. Im November wurde seine Rente gekürzt, er erhielt künftig nur noch 60 RM monatlich, was nicht einmal die Mietkosten der Familienwohnung deckte. Tochter Lilly unterstützte ihre Eltern finanziell so weit es ihr selbst möglich war. Doch konnten die Wolffs ohne Fürsorgeleistungen die Kosten für Nahrung und Miete nicht mehr tragen, obwohl sie stets ein Zimmer untervermieteten. Auch der Verkauf persönlicher Gegenständen glich die Rentenkürzung nicht aus: Für 9 Ess- und einen Kinderlöffel, einen Teelöffel, 6 “Forken“, einen Tortenheber, 7 „Vorlegebesteckteile“, 2 gefüllte Messerhafte aus Silber sowie eine Armband Zylinderuhr und eine „schadhafte“ Ankeruhr aus Gold erhielt er 7,63 RM.

Die Familie Wolff hatte in Hamburg mehrere Male umziehen müssen. Bis Januar 1923 hatte Leo Wolff ein Gartenhaus am Nusskamp 28 in Fuhlsbüttel besessen, das aber vermutlich nicht als Wohnsitz gedient hatte. 1933 lebte er gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter am Schleidenplatz 7 (heute Biedermannplatz) in Barmbek. 1934 zogen sie innerhalb Barmbeks um in die Meister-Francke-Straße 5. Um die Miete für die Zweizimmerwohnung aufbringen zu können, in der die Familie bis zum 28. März 1938 wohnte, vermietete sie ein Zimmer an eine Frau mit ihrem 14jährigen Sohn. Doch auch dieses zusätzliche Einkommen reichte nicht mehr aus, um die alltäglichen Lebenserhaltungskosten decken zu können. Denn neben der Miete mussten Leo und Toni Wolff ebenfalls Hilfe für Arztkosten beantragen, die zunächst noch von der Fürsorgestelle der Stadt Hamburg bewilligt wurde.

Die Untermieter lebten bis zum 10. Februar 1935 in der Wohnung. Um die Miete für die Wohnung auch nach deren Auszug weiterhin aufbringen zu können, vermietete die Familie das Zimmer ab 1936 an eine alleinstehende Krankenhausmitarbeiterin weiter. Lilly schlief in der Zeit in der Küche auf „einer sehr alten Chaiselongue“.

Aus der Meister-Francke-Straße zogen Leo, Toni und Lilly am 28. März 1938 in eine Zweizimmerwohnung in der Heinrich-Barth-Straße 34, wo sie jedoch nur sieben Monate lebten, „da im Hause Heinr[ich-]Barthstr. 34 sämtlichen jüdischen Familien gekündigt wurde.“ Vom 20. November 1938 bis zu ihrer Deportation am 6. Dezember 1941 fanden sie Unterkunft in der Heinrich-Barth-Straße 8. Das Gebäude wurde als „Judenhaus“ genutzt.

Aus der Zeit zwischen dem 1. Dezember 1939 und der Deportation am 6. Dezember 1941 haben sich keine Spuren der Familie mehr finden lassen.

Nach einer Nacht im Logenhaus an der Moorweide bestiegen sie den Zug, der am 9. Dezember 1941 Riga erreichte. Die Hamburger Deportierten wurden im Behelfs-KZ Jungfernhof untergebracht. Dort verliert sich die Spur der Familienmitglieder, die augrund von Hunger, Kälte, Krankheit oder bei der Massenerschießung in der „Aktion Dünamünde“ den Tod fanden. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Stand Februar 2015

Zurück zu den Suchergebnissen