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Bruno Wolf
* 1872

ORCHESTER
BRUNO WOLF
JG. 1872
ENTRECHTET/GEDEMÜTIGT
SCHLAGANFALL
TOT 7.10.1937

Dammtorstraße 28 (Oper)

Weitere Stolpersteine in Dammtorstraße 28 (Oper): Bruno Wolf | Viktor Ullmann | Magda Spiegel | Joseph Schmidt | Kurt Abraham Salnik | Ottilie Metzger-Lattermann | Jacob Kaufmann | Mauritz Kapper | Camilla Fuchs | Hermann Frehse |

Bruno Wolf, geb. am 25.5.1872 in Sahr/Mähren, gestorben am 7.10.1937 in Hamburg
Viktor Ullmann, geb. am 1.1.1898 in Teschen, deportiert am 8.9.1942 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 16.10.1944 nach Auschwitz-Birkenau, ermordet am 18.10.1944 in Auschwitz-Birkenau
Magda Spiegel, geb. am 8.11.1887 in Prag, deportiert am 1.9.1942 von Frankfurt nach Theresienstadt, ermordet am 19.10.1944 in Auschwitz
Joseph Schmidt, geb. am 4.3.1904 in Dawideny (Bukowina), gest. 16.11.1942 im Internierungslager Girenbad (Kanton Zürich)
Kurt Abraham Salnik, geb. am 17.10.1894 in Riga, deportiert Juli 1941 ins Getto Riga
Ottilie Metzger-Lattermann, geb. am 15.7.1878 in Frankfurt/Main, deportiert am 10.10.1942 nach Auschwitz-Birkenau
Jacob Kaufmann, geb. 23.4.1870, deportiert nach Theresienstadt am 19.7.1942, dort am 8.2.1943 gestorben
Mauritz Kapper, geb. am 19.3.1882 in Amsterdam, überlebte
Thekla Daltrop, geb. Fuchs, geb. am 28.5.1883 in Prag, Freitod am 24.10.1941 in Hamburg
Hermann Wilhelm Frehse, geb. 26.7.1896, zwölf Mal inhaftiert zwischen 1926 und 1938, gestorben nach Mai 1940, Ort und Zeitpunkt bisher unbekannt

Hamburg Bezirke

Dammtorstraße 28 (Oper)

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Bruno Wolf, geb. am 25.5.1872 in Sahr/Mähren, gestorben am 7.10.1937 in Hamburg

Dammtorstraße 28 (Oper)

Bruno Wolf wurde 1872 in der Vielvölkermonarchie Österreich-Ungarn geboren. Sein Geburtsort Žd‘ár (deutsch Sahr) lag rund 40 km nordöstlich von Jihlava (deutsch Iglau), an der Grenze zu Böhmen, wo es eine große Jüdische Gemeinde und ein deutsches Gymnasium gab und wo der Komponist und Dirigent Gustav Mahler (1860–1911) in seiner Jugend lebte. Bruno Wolf gehörte in Österreich-Ungarn als Mähre und Jude in doppelter Hinsicht zur Minderheit.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sein Geburtsort der neu gegründeten Tschechoslowakei zugeschlagen. Da Bruno Wolf schon vor Gründung des neuen Staates dessen Territorium verlassen hatte, erhielt er möglicherweise nicht dessen Staatsangehörigkeit. Sofern er zu diesem Zeitpunkt keine andere Staatsangehörigkeit beantragt hatte, könnte er staatenlos gewesen sein.

Schon vor 1910 zog er nach Hamburg und spielte als Hornist im Orchester des Hamburger Stadttheaters. Er wurde im Hamburger Adressbuch seit 1910 als Hauptmieter geführt mit den Wohnadressen Eppendorfer Weg 81/Eimsbüttel (1910–1913), Weidenstieg 7/Eimsbüttel (1914–1915) und Blücherstraße 42/Eppendorf (1916–1937). Seit 1923 gehörte er der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburgs an. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurden er und die Geigerin Bertha Dehn (geb. 23.11.1881 in Hamburg) zum 30. September 1933 ebenso entlassen wie der Kontrabassist Siegfried Freundlich (geb. 18.1.1882 in Hamburg) (s. Leopold Freundlich). Unterlagen über seine Kündigung sind nicht erhalten.

Für jüdische Künstlerinnen und Künstler gestattete das NS-Regime nur noch Auftritte im Rahmen des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde. Auch hierfür musste ein umfangreicher Fragebogen bei Hans Hinkel (1901–1960, seit 1921 Mitglied der NSDAP, ab 1930 Schriftleiter des „Völkischen Beobachters“) eingereicht werden, der seit dem 30. Januar 1933 als Staatskommissar im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung fungierte und zugleich „Sonderbeauftragter für die Überwachung und Beaufsichtigung der Betätigung aller im deutschen Reichsgebiet lebenden nichtarischen Staatsangehörigen auf künstlerischem und geistigem Gebiet“ war. Ob Bruno Wolf noch bei Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbundes in Hamburg auftrat, ist nicht bekannt.

Bruno Wolf verstarb am 7. Oktober 1937 im Alter von 65 Jahren in Hamburg im Israelitischen Krankenhaus (Eckernförderstraße 4) an den Folgen eines Schlaganfalls. Seine Ehefrau Adeline Wilhelmine Antoinette Wolf, geb. Wrede, verwitwete Bries (geb. 18.1.1862 in Langwarden/Oldenburg), war bereits 1932 im Israelitischen Krankenhaus in Hamburg verstorben. Auf den Sterbeurkunden der Eheleute fand sich kein Hinweis auf das Jahr der Eheschließung sowie mögliche Kinder.

Der ebenfalls entlassenen Geigerin Bertha Dehn (1881–1953) gelang noch kurz vor ihrer Deportation ins Getto Lodz die Ausreise: Am 16. Oktober 1941 emigrierte sie über Paris, Barcelona und Kuba nach Ecuador, wo bereits ihr Bruder Georg Dehn lebte. Der Kontrabassist Siegfried Freundlich wurde am 25. Oktober 1941 ins Getto Litzmannstadt im besetzten polnischen Lodz deportiert, wo er am 3. Februar 1942 verstarb.

Zum Zeitpunkt der Stolpersteinverlegung 2007 war der mögliche Ausgrenzungs- und Verfolgungsweg von Bruno Wolf noch nicht erkundet. Ein konkreter Hinweis auf einen direkt verfolgungsbedingten Tod ließ sich im Falle Bruno Wolf bei den Recherchen 2016/2017 nicht erbringen, wobei die verfolgungsbedingten Drangsalierungen durchaus zum Schlaganfall geführt haben können.

Für den Musikerkollegen Siegfried Freundlich wurde in der Heinrich-Barth-Straße 14 (Rotherbaum) ein Stolperstein verlegt.

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