Joseph Schmidt
* 1904
TENOR
JOSEPH SCHMIDT
JG. 1904
FLUCHT BELGIEN
LAGER GIRNBACH
TOT 16.11.1942
Dammtorstraße 28 (Oper)
Weitere Stolpersteine in Dammtorstraße 28 (Oper): Bruno Wolf | Viktor Ullmann | Magda Spiegel | Joseph Schmidt | Kurt Abraham Salnik | Ottilie Metzger-Lattermann | Jacob Kaufmann | Mauritz Kapper | Camilla Fuchs | Hermann Frehse |
Bruno Wolf, geb. am 25.5.1872 in Sahr/Mähren, gestorben am 7.10.1937 in Hamburg
Viktor Ullmann, geb. am 1.1.1898 in Teschen, deportiert am 8.9.1942 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 16.10.1944 nach Auschwitz-Birkenau, ermordet am 18.10.1944 in Auschwitz-Birkenau
Magda Spiegel, geb. am 8.11.1887 in Prag, deportiert am 1.9.1942 von Frankfurt nach Theresienstadt, ermordet am 19.10.1944 in Auschwitz
Joseph Schmidt, geb. am 4.3.1904 in Dawideny (Bukowina), gest. 16.11.1942 im Internierungslager Girenbad (Kanton Zürich)
Kurt Abraham Salnik, geb. am 17.10.1894 in Riga, deportiert Juli 1941 ins Getto Riga
Ottilie Metzger-Lattermann, geb. am 15.7.1878 in Frankfurt/Main, deportiert am 10.10.1942 nach Auschwitz-Birkenau
Jacob Kaufmann, geb. 23.4.1870, deportiert nach Theresienstadt am 19.7.1942, dort am 8.2.1943 gestorben
Mauritz Kapper, geb. am 19.3.1882 in Amsterdam, überlebte
Thekla Daltrop, geb. Fuchs, geb. am 28.5.1883 in Prag, Freitod am 24.10.1941 in Hamburg
Hermann Wilhelm Frehse, geb. 26.7.1896, zwölf Mal inhaftiert zwischen 1926 und 1938, gestorben nach Mai 1940, Ort und Zeitpunkt bisher unbekannt
Dammtorstraße 28 (Oper)
Joseph Schmidt, geb. am 4.3.1904 in Dawideny (Bukowina), gest. 16.11.1942 im Internierungslager Girenbad (Kanton Zürich)
Dammtorstraße 28 (Oper)
Joseph Schmidt wurde 1904 im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn in der Bukowina als Sohn jüdischer Eltern geboren. Ab 1925 studierte er Gesang an der Berliner Hochschule für Musik. Wegen seiner geringen Körpergröße von 1,54 m wurde er nicht für die Opernbühne, sondern das neue Medium Rundfunk engagiert. Zwischen 1929 und 1933 sang er als Tenor für den Berliner Rundfunk in 38 Rundfunkopern. Auch in bekannten Musikfilmen wie „Ein Lied geht um die Welt“ wirkte er mit.
Im Dezember 1933 floh er nach Wien, wo er von 1934 bis 1936 in weiteren Filmen mitspielte, darunter „Heut ist der schönste Tag in meinem Leben“. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland floh er vor der heranrückenden Wehrmacht zunächst nach Belgien und dann nach Frankreich. Aus einem Lager in Vichy-Frankreich gelang ihm die Flucht in die Schweiz, wo er als illegaler Flüchtling abermals interniert wurde. Er starb am 16. November 1942 an Herzversagen und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Zürich-Wiedikon beigesetzt.
1958 wurde ein Spielfilm über sein Leben gedreht („Ein Lied geht um die Welt“). 1963 wurde im Innenhof des Westberliner Jüdischen Gemeindehauses eine Gedenktafel für ihn angebracht. Seit 1977 tragen in Berlin-Neukölln die Joseph-Schmidt-Straße und seit 1995 in Wien der Joseph-Schmidt-Platz seinen Namen. 2004 wurde in Berlin-Adlershof eine Musikschule nach ihm benannt, im selben Jahr wurde eine deutsche Sonderbriefmarke zu seinem 100. Geburtstag herausgegeben.
2007 wurde in Hamburg vor der Staatsoper ein Stolperstein für ihn verlegt, wobei ein konkreter Bezug zu Hamburg nicht vorliegt. Die Hamburger Stolpersteinverlegung bezog sich auf eine Ausstellung in der Hamburgischen Staatsoper aus dem Jahre 2006 und soll dauerhaft an Joseph Schmidts Verfolgungsschicksal vor dieser Kultureinrichtung erinnern. 2007 wurde in Berlin-Schöneberg eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus in der Nürnberger Straße 68 angebracht.