Elsa Traub
* 1883
HIER WOHNTE
ELSA TRAUB
GEB. MARKUS
JG. 1883
DEPORTIERT 1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET MAI 1942
CHELMNO / KULMHOF
Lüneburger Straße 2
Weitere Stolpersteine in Lüneburger Straße 2: Elsa Traub | Franziska Simon | Max Marcus |
Elsa Traub, geb. Markus, geb. am 20.10.1883 in Harburg, deportiert ins Getto Lodz am 30.10.1941, ermordet im Mai 1942
Franziska Simon, geb. Marcus, geb. am 20.5.1877 in Harburg, deportiert nach Theresienstadt am 15.7.1942, ermordet am 25.8.1942
Max Marcus, geb. am 20.7.1872 in Harburg, am 15.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, weiterdeportiert am 21.9.1942 ins Vernichtungslager Treblinka
Lüneburger Straße 2
Elsa Traub, geb. Markus, geb. am 20.10.1883 in Harburg, deportiert ins Getto Lodz am 30.10.1941, ermordet im Mai 1942
Stadtteil Harburg-Altstadt, Lüneburger Straße 2 (früher: Wilstorfer Straße 35)
Elsa Markus kam als sechstes Kind des jüdischen Ehepaares Julius und Rosa Markus, geb. Hirsch, in einer Zeit zur Welt, als Harburg ein rasantes Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum erlebte. Auch sie wurde in eine große Familie hineingeboren, zu der ihre Geschwister Max, Hugo, Laura, Siegfried, Franziska und Richard gehörten. Ihre Schwester Laura und ihr Bruder Richard starben früh und wurden noch im Kindesalter auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg begraben.
Julius Markus war Inhaber eines florierenden Bettenhauses in der Wilstorfer Straße, der damaligen Hauptgeschäftsstraße der preußischen Industriestadt Harburg a. d. Elbe, die auch heute noch die Lüneburger Straße in der Harburger Altstadt mit der Winsener Straße in Wilstorf verbindet, aber längst nicht mehr den Glanz früherer Jahre ausstrahlt.
Als Julius Markus 1925 starb, brachen schlechtere Zeiten für das Betten- und Konfektionshaus Markus in der Wilstorfer Straße an. Zunächst übernahm seine verwitwete Frau Rosa die Geschäftsführung, die das Haus noch weitgehend unbeschadet durch die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre steuerte. Doch als ihr Sohn Max nach dem Tod seiner Mutter 1935 ihr Erbe antrat und die Nationalsozialisten inzwischen an der Macht waren, konnte er den Abwärtstrend nicht mehr aufhalten. Die nicht-jüdische Kundschaft wandte sich anderen Anbietern zu. Im August 1938 musste Max Markus das Geschäft verkaufen und suchte sich eine neue Wohnung im Grindelviertel in Hamburg.
Auch seine Geschwister lebten inzwischen nicht mehr in ihrer Geburtsstadt. Seine Schwester Elsa hatte geheiratet und war nach Köln verzogen. Andere emigrierten. Das Auswanderungsverbot der nationalsozialistischen Reichsregierung vom 23. Oktober 1941 beendete diese Fluchtbewegung endgültig.
Kurz danach begannen die Deportationen von jüdischen Männern, Frauen und Kindern in den Osten. Am 30. Oktober 1941 verließ ein Sonderzug mit Elsa Traub und 1010 weiteren `Volljuden´ den Kölner Hauptbahnhof. Einen Tag später traf er in der einst polnischen Stadt Lodz ein, die inzwischen in Litzmannstadt umbenannt und dem Deutschen Reich einverleibt worden war. Hier hatten die Nationalsozialisten gleich nach der Besetzung Polens ein riesiges Getto errichtet, das bald darauf durch die Ankunft weiterer Zuzügler aus dem Westen heillos überfüllt war. Die Neuankömmlinge trafen hier auf eine Welt, die ihnen völlig fremd war. Sie begegneten Menschen, die zerlumpte Kleidung trugen, die von Hunger und Entbehrung gekennzeichnet waren und die sich in einer Sprache unterhielten, die sie nicht verstanden. Wohin sie auch blickten, überall sahen sie verfallene und verwahrloste Holzhäuser, und auf Schritt und Tritt schlug ihnen der Gestank von nicht entsorgten Abfällen und Fäkalien entgegen.
Keine sieben Monate später vollzog sich hier im Getto Litzmannstadt der Übergang von der Deportations- zur Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten. Im Mai 1942 wurden 10.993 Juden, die hauptsächlich zu den im Herbst 1941 aus Prag, Wien, Luxemburg und dem `Altreich´ ins Getto Deportierten gehörten, in das Todeslager Chelmno/Kulmhof abtransportiert und dort ermordet.
Zu ihnen gehörte die 57jährige Elsa Traub. Auch ihre Brüder Max, Siegfried und Hugo Markus – mit seiner Ehefrau Gretchen Markus, geb. Daltrop, – sowie ihre Schwester Franziska Simon – mit ihrem Ehemann Michaelis Simon – überlebten den Holocaust nicht (siehe: www.stolpersteine-hamburg.de).