Hannchen Lewin
* 1879
ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
ohne Hamburger Adresse
Weitere Stolpersteine in ohne Hamburger Adresse : Salo Weinberg | Anna Luise (Louise Hedwig) Weimann | Wilhelm Süsser | Dorothea Dorthy Silberberg | Lucie Rothschild | Karl Friedrich Michael | Bronislawa Luise Dorothea Mattersdorf | Hannchen Lewin | Richard Levy | Ernestine Levy |
Salo Weinberg, geb. am 27.2.1870 in Lublin (Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Anna Luise (Louise Hedwig) Weimann, geb. am 19.11.1869, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Wilhelm Süsser, geb. am 6.11.1892 in Frankfurt a. M., ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Dorothea Dorthy Silberberg, geb. am 7.11.1883 in Grätz/Posen (heute Grodzisk/Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Lucie Rothschild, geb. am 18.9.1907 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Karl Friedrich Michael, geb. am 24.7.1910 in Mannheim, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Bronislawa Luise Dorothea Mattersdorf, geb. am 11.2.1899 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Hannchen Lewin, geb. am 8.5.1879 in Rogasen (heute Rogozno, Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Richard Levy, geb. am 2.11.1885 oder 2.2.1885 in Wollstein, (heute Wolsztyn, Polen), ermordet in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel am 23.9.1940
Ernestine Levy, geb. Hirsch, geb. am 24.10.1863 in Glogau, ermordet in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel am 23.9.1940
Hannchen Lewin, geb. am 8.5.1879 in Rogasen (heute Rogozno, Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Ohne Stolperstein
Hannchen Lewin kam als Tochter des Mützenmachers Louis Lewin und seiner Ehefrau Bertha, geborene Zastrow, am 8. Mai 1879 in Rogasen, 30 km nördlich von Posen zur Welt. Die Eltern gehörten dem jüdischen Glauben an.
Über Hannchen Lewins Kindheit und Jugend sowie über die Gründe für ihren Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt stehen keinerlei Informationen zur Verfügung. Wir wissen nicht, wie Hannchen Lewin nach Hamburg kam, ob allein oder mit ihren Eltern, und wo sie in Hamburg lebte. Sicher ist, dass sie im März/April 1923 wegen einer psychischen Erkrankung in der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg aufgenommen wurde. Auf ihrer Patienten-Karteikarte findet sich der Eintrag „Stand ohne“. Dies deutet darauf hin, dass sie keinen Beruf hatte.
Von Friedrichsberg wurde Hannchen Lewin am 10. Dezember 1923 in die Staatskrankenanstalt Hamburg-Langenhorn verlegt. Dort lebte sie in den folgenden fast zwölf Jahren, bis sie im Zuge der zahlreichen Patientenverlegungen als Folge des sogenannten Friedrichsberg-Langenhorner Plans am 9. Juli 1935 mit anderen Patientinnen und Patienten aus Langenhorn nach Eichenkamp, einer 1928/1929 gegründeten privaten Einrichtung für Alte, Kranke und Behinderte in Thesdorf/Pinneberg, überführt wurde. Am 15. Juli 1939 wurden diese jüdischen Patienten wieder nach Langenhorn zurückgebracht.
Im Frühjahr/Sommer 1940 plante die „Euthanasie“-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, eine Sonderaktion gegen Juden in öffentlichen und privaten Heil- und Pflegeanstalten. Sie ließ die in den Anstalten lebenden jüdischen Menschen erfassen und in sogenannten Sammelanstalten zusammenziehen. Die Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn wurde zur norddeutschen Sammelanstalt bestimmt. Alle Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg wurden angewiesen, die in ihren Anstalten lebenden Juden bis zum 18. September 1940 dorthin zu verlegen. Nachdem alle jüdischen Patienten aus den norddeutschen Anstalten in Langenhorn eingetroffen waren, wurden sie am 23. September 1940 auf dem Güterbahnhof Ochsenzoll in einen Zug verladen und nach Brandenburg an der Havel transportiert. Noch am selben Tag wurden sie in dem zur Gasmordanstalt umgebauten Teil des ehemaligen Zuchthauses mit Kohlenmonoxyd getötet. Nur eine Patientin, Ilse Herta Zachmann, entkam diesem Schicksal zunächst (siehe dort).
Es ist nicht bekannt, ob und ggf. wann Angehörige Kenntnis von ihrem Tod erhielten. In allen dokumentierten Mitteilungen wurde behauptet, dass der oder die Betroffene in Chelm (polnisch) oder Cholm (deutsch) verstorben sei. Die in Brandenburg Ermordeten waren jedoch nie in Chelm/Cholm, einer Stadt östlich von Lublin. Die dort früher existierende polnische Heilanstalt bestand nicht mehr, nachdem SS-Einheiten am 12. Januar 1940 fast alle Patienten ermordet hatten. Auch gab es in Chelm/Cholm kein deutsches Standesamt. Auf Hannchen Lewins Geburtsurkunde findet sich die Notiz „gestorben am 5.4.1941 in Cholm (St.A. Cholm II Nr. 312/41)“. Die Erfindung des Standesamtes und die Verwendung späterer als der tatsächlichen Sterbedaten dienten dazu, die Mordaktion zu verschleiern und zugleich entsprechend länger Verpflegungskosten einfordern zu können.
Eine Adresse von Hannchen Lewin in Hamburg ist nicht bekannt, so dass kein individueller Ort bestimmt werden kann, an dem ihrer mit einem Stolperstein gedacht werden könnte.