Direkt zum Inhalt

Henriette Lehmann
* 1880

HIER WOHNTE
HENRIETTE LEHMANN
GEB. SAMUEL
JG. 1880
DEPORTIERT 1941
RIGA
ERMORDET

Hellkamp 31

Weitere Stolpersteine in Hellkamp 31: Henriette Lehmann | Philipp Lehmann |

Philipp und Henny Lehmann, zu deren Gedenken hier Stolpersteine verlegt wurden, sind meine Großeltern. Sie haben hier, Hellkamp 31, im ersten Stock gewohnt, und zwar seit 1912.
Philipp und Henny Lehmann, zu deren Gedenken hier Stolpersteine verlegt wurden, sind meine Großeltern. Sie haben hier, Hellkamp 31, im ersten Stock gewohnt, und zwar seit 1912.

Henriette und Philipp Lehmann
© Marianne Wilke

Philipp und Henny Lehmann, zu deren Gedenken hier Stolpersteine verlegt wurden, sind meine Großeltern. Sie haben hier, Hellkamp 31, im ersten Stock gewohnt, und zwar seit 1912.

Mein Großvater wurde 1876 in Wiesbaden geboren, er arbeitete bis 1920 als Versicherungskaufmann bei der Norddeutschen Versicherungsgesellschaft, später bei der Behörde für Strom- und Hafenbau. Die Großmutter, vier Jahre jünger als ihr Mann, war Hausfrau, wie es damals für Frauen üblich war. Beide waren Mitglieder der jüdischen Gemeinde.

In diesem Haus sind auch ihre Kinder, Hermann, Adolf (unser Vater), Karl und ihre Halbschwester Hedy aufgewachsen.

Es ist ein Gedicht von Philipp erhalten geblieben, das er als Soldat im 1. Weltkrieg 1914 – 1918 an unseren Vater geschrieben hat, in dem er sich als guter Deutscher beschreibt, der sein Vaterland verteidigen müsse.

Nachdem 1933 Hitler die Macht übertragen wurde, begann die Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Sie sollten offiziell als „Sündenböcke“ für alle Übel der Welt verantwortlich sein. Schon 1935 wurde ein Gesetz erlassen, in dem es hieß:“ Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes…“ Durch dieses Gesetz wurden alle Deutschen, die der jüdischen Religion angehörten, damit zu „Nicht-Deutschen“, ja, zu Feinden erklärt.

Philipp Lehmann konnte und wollte das nicht verstehen. Er war und fühlte sich als Deutscher, alle Warnungen, vielleicht doch an eine Auswanderung zu denken, wies er empört zurück.
1936 wurden er und Henny gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen, in der sie fast 30 Jahre gelebt hatten, um in ein so genanntes „Judenhaus“ in der Schlachterstraße 42, (dem späteren Großneumarkt) , später in die Dillstraße 15 eingewiesen zu werden. Erst jetzt nahm Philipp die Wirklichkeit wahr.

Nach der Reichspogromnacht 1938, in der alle Synagogen im Reich zerstört oder niedergebrannt und seine Söhne Hermann und Karl für mehrere Wochen ins KZ Sachsenhausen verschleppt wurden, drängten ihn die Söhne, an eine Auswanderung zu denken.

Karl und seine Frau Else sowie Hedy flüchteten nach England. Hermann und seine Frau Regina wurden am 8. November 1941 nach Minsk deportiert, Philipp und Henny erhielten den Evakuierungsbefehl im Dezember 1941, in dem es hieß:“ …Sie haben sich am 6.Dezember auf dem Sammelplatz Moorweide einzufinden. Sie können je Person mitbringen: Einen Koffer bis zu 50 Kg, Bettzeug mit Decke, Verpflegung für 3 Tage, Zahlungsmittel bis 100 RM.“

Am 6. Dezember 1941 wurden sie mit über 700 Hamburger und 90 Lübecker Juden ins KZ Jungfernhof bei Riga (Lettland) verfrachtet. Dort hatte die SS bereits am 30.11. ca. 4.000 Juden und am 8. Dezember mehr als 27.000 lettische Juden erschossen, um „Platz“ für die deutschen Juden zu schaffen.

Philipp und Henny Lehmann waren damals 65 und 61 Jahre alt, sie hatten keine Chance, zu überleben, sie waren zu alt, um zur Arbeit eingesetzt zu werden. Wir haben nie wieder etwas von ihnen gehört.

Ihre Namen stehen – ebenso wie die von Hermann und Regina – auf dem Grabstein der Familie Lehmann auf dem Friedhof in Oxford. Wir sind froh, dass jetzt auch hier in Hamburg Stolpersteine an sie erinnern.

Zurück zu den Suchergebnissen