Jury Belikowa
* 1944
JURY BELIKOWA
GEB. 26.5.1944
ERMORDET 7.6.1944
Essener Straße 54
Weitere Stolpersteine in Essener Straße 54: Namenloses Mädchen Solowey | Anatoli Zebenko | Walodja Woronzow | Genja Woronez | Boris Wenik | René-Yves Vitel | Sigmund Tuschinska | Luba Tulup | Viktor Tomaschuk | Valentin Tkatschow |
Anatoli Zebenko, geb. am 25.4.1944 in Hamburg, gestorben am 27.11.1944
Walodja Woronzow, geb. am 20.4.1944 in Hamburg, gestorben am 3.6.1944
Genja Woronez, geb. am 17.5.1944 in Hamburg, gestorben am 8.9.1944
Boris Wenik, geb. am 13.3.1944 in Hamburg, am 18.4.1944 tot aufgefunden
René-Yves Vitel, geb. am 21.3.1945 in Hamburg, gestorben am 8.5.1945
Sigmund Tuschinska, geb. am 23.5.1944 in Hamburg, gestorben am 3.9.1944
Luba Tulup, geb. am 9.7.1944 in Hamburg, gestorben am 20.9.1944
Viktor Tomaschuk, geb. am 14.8.1944 in Hamburg, gestorben am 22.10.1944
Valentin Tkatschow, geb. am 30.5.1944 in Hamburg, gestorben am 5.10.1944
Essener Straße 54
Jury Belikowa, geb. am 26.5.1944 in Hamburg, gestorben am 7.6.1944
Essener Straße 54
früher Lager Tannenkoppel, Weg 4, auch „Tarpenbek“ genannt
Zwangsarbeitslager der Rüstungsindustrie in Hamburg Langenhorn
Jury Belikowa kam am 26. Mai 1944 in Hamburg zur Welt. Seine Mutter Lidija Belikowa, geb. am 1.9.1925 in Lebedki/Smolensk, war ledig und vermutlich russisch-orthodoxen Glaubens, registriert als „orthodox“. Aus ihrer Heimat Russland als „Landarbeiterin“ verschleppt, musste sie zunächst in Hamburg-Rahlstedt für „Arthur Crone Barackenbau, Bauausführung“, Zwangsarbeit leisten und war im Lager Wandsbeker Straße 29 (heute Rahlstedter Straße) untergebracht. Hochschwanger wurde sie am 3. Mai 1944 in das Lager Tannenkoppel nach Hamburg-Langenhorn verlegt und zur Arbeit in der Hanseatischen Kettenwerk GmbH (HAK) eingesetzt.
Am Tag der Geburt ihres Kindes kam die 19-jährige Lidija Belikowa in das Krankenhaus Alsterdorf. Zehn Tage nach der Entbindung, am 5. Juni 1944, wurde sie mit ihrem Sohn Jury zurück in das Lager Tannenkoppel entlassen. In diesem Zwangsarbeitslager musste Jury die wenigen Tage seines Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für ihn völlig unzureichend.
Jury verstarb dort am 7. Juni 1944 um 7:15 Uhr. Der „Rechnungsführer“ Johannes Heller zeigte den Sterbefall mündlich an. Die Todesursache im Sterberegister lautet „Lungen Tbc“, in der Todesanzeige des Polizeipräsidenten, unterzeichnet „i. A. Behrmann L. A.“, ist sie ohne amtliche Ermittlungen und ohne Angabe eines Arztes als „Lungenentzündung“ angegeben.
Jury wurde 13 Tage alt.
Neun Tage nach seinem Tod fand seine Beisetzung am 16. Juni 1944 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, Grablage: Q 39, Reihe 4, Nr. 22. Sein Grab ist nicht mehr erhalten. Ende des Jahres 1959 wurde es zusammen mit mindestens 146 Gräbern der Kinder von Zwangsarbeiterinnen auf Areal Q 39 eingeebnet.
Am 26. Juni 1944 wurde Lidija Belikowa zur Zwangsarbeit an einen anderen Ort verlegt.