Christine Wolosch
* 1944
CHRISTINE WOLOSCH
GEB. 31.3.1944
MUTTER IN ZWANGSARBEIT
NAGELFABRIK BERGEDORF
TOT 26.9.1944
Jakob-Kaiser-Straße 14
Weitere Stolpersteine in Jakob-Kaiser-Straße 14: Christine Wolosch | Stanislawa Nowak | Jurek Leczycka | Boleslav Leczycka | Peter Anton Kuczwara |
Christine Wolosch, geb. am 31. März 1944 in Hamburg, verstorben am 26.9.1944 in Hamburg
Stanislawa Nowak, geb. am 27.4.1944 in Hamburg, verstorben am selben Tag
Jurek Leczycka, geb. am 16.5.1943 in Hamburg, verstorben am 23.9.1943 in Hamburg
Boleslav Leczycka, geb. am 30.9.1944 in Hamburg, verstorben am 19.12.1944 in Hamburg
Peter Anton Kuczwara, geb. am 26.7.1943 in Hamburg, verstorben am 18.12.1943 in Hamburg
Jakob-Kaiser-Straße 14
Christine Wolosch, geb. am 31. März 1944 in Hamburg, verstorben am 26.9.1944 in Hamburg
Jakob-Kaiser-Straße 24 (Bergedorf, Lohbrügge)
ehemals Lager Wilhelmstraße 32
Nagelfabrik Bergedorf GmbH
Christine Wolosch kam am 31. März 1944 in Hamburg zur Welt. Ihre Mutter Stanislawa Wolosch, geb. am 20.10.1921 in Mogilno/Dobron (Dobberwalde) bei Lodz, war katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen aus Chechlo verschleppt, musste sie seit dem 15. März 1941 für die Nagelfabrik Bergedorf GmbH Zwangsarbeit leisten und seit dem 30. November 1942 für die Georg Plange Weizenmühle in Hamburg Wilhelmsburg. Am 3. April 1943 erfolgte ihre Verlegung wieder zurück nach Hamburg-Lohbrügge zur Zwangsarbeit für die Nagelfabrik Bergedorf GmbH. Sie war im Lager Wilhelmstraße 32 (heute Jakob-Kaiser-Straße 24) untergebracht und wurde in dieser Zeit schwanger.
Im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft wurde sie am 30. Dezember 1943 im Allgemeinen Krankenhaus Langenhorn mit der Diagnose „fieberhafte Erkrankung“ aufgenommen. Nach einem Krankenhausaufenthalt von über einem Monat kam sie am 7. Februar 1944 in das Lager Wilhelmstraße zurück zur Zwangsarbeit für die Nagelfabrik. Dort brachte sie ihre Tochter Christine am 31. März 1944 um 0:30 Uhr zur Welt. Die Lagerführerin Ida Emma Gottheiner, geb. Kraft, aus Lohbrügge, die bei der Geburt zugegen war, zeigte den Geburtsfall mündlich an.
In diesem Zwangsarbeitslager musste Christine die kurze Zeit ihres Lebens verbringen.
Mindestens 22 Kinder von Zwangsarbeiterinnen waren in diesem Lager getrennt von ihren Müttern untergebracht. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für Christine völlig unzureichend.
Am 13. September 1944 wurde sie mit der Diagnose „Ernährungsstörungen“ in das Allgemeine Krankenhaus Langenhorn eingeliefert. Dreizehn Tage später verstarb sie dort am 26. September 1944 um 13:00 Uhr. In der Todesanzeige des Krankenhauses ist als Todesursache „Pädatrophie“ (Auszehrung – schwerster Grad der Ernährungsstörung) und als unterzeichnender Arzt Blumenthal angegeben.
Christine wurde 5 Monate, 3 Wochen und 5 Tage alt.
Acht Tage nach ihrem Tod fand ihre Beisetzung am 4. Oktober 1944 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, Grablage: Q 39, Reihe 7, Nr. 22. Ihr Grab ist nicht mehr erhalten. Ende des Jahres 1959 wurde es zusammen mit mindestens 146 Gräbern der Kinder von Zwangsarbeiterinnen auf Areal Q 39 eingeebnet.
Stanislawa Wolosch kam am 21. März 1945 zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft zu Ernst Harders in Curslack II, Kurfürstendeich 252 (später Nr. 22). Zum Kriegsende, am 1. Mai 1945, wurde sie in das DAF (Deutsche Arbeitsfront) Lager Funkturm verlegt.
Die Nagelfabrik Bergedorf wurde 1883 als Filiale der ersten europäischen Hufnagelfabrik Mustard & Sön aus Oslo, Norwegen, gegründet. Die bekannten Sternhufnägel und Reichshufnägel hatten sich zum Beschlag der Pferde weltweit und insbesondere im Ersten Weltkrieg bewährt. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich auf dem Fabrikgelände in den Gebäuden ein Frauenzwangsarbeitslager. Zwischen August 1941 und Kriegsende 1945 mussten hier mindestens 92 Frauen - 77 Polinnen, 13 Lettinnen, 1 Ungarin und 1 Belgierin Zwangsarbeit leisten, dazu kamen 3 männliche Zwangsarbeiter aus Belgien, dies zeigt eine Namensliste von 1946.