Peter Anton Kuczwara
* 1943
PETER ANTON KUCZWARA
GEB. 26.7.1943
MUTTER IN ZWANGSARBEIT
NAGELFABRIK BERGEDORF
TOT 18.12.1943
Jakob-Kaiser-Straße 14
Weitere Stolpersteine in Jakob-Kaiser-Straße 14: Christine Wolosch | Stanislawa Nowak | Jurek Leczycka | Boleslav Leczycka | Peter Anton Kuczwara |
Christine Wolosch, geb. am 31. März 1944 in Hamburg, verstorben am 26.9.1944 in Hamburg
Stanislawa Nowak, geb. am 27.4.1944 in Hamburg, verstorben am selben Tag
Jurek Leczycka, geb. am 16.5.1943 in Hamburg, verstorben am 23.9.1943 in Hamburg
Boleslav Leczycka, geb. am 30.9.1944 in Hamburg, verstorben am 19.12.1944 in Hamburg
Peter Anton Kuczwara, geb. am 26.7.1943 in Hamburg, verstorben am 18.12.1943 in Hamburg
Jakob-Kaiser-Straße 14
Peter Anton Kuczwara, geb. am 26.7.1943 in Hamburg, verstorben am 18.12.1943 in Hamburg
Jakob-Kaiser-Straße 24 (Bergedorf, Lohbrügge)
ehemals Lager Wilhelmstraße 32, Nagelfabrik Bergedorf GmbH
Peter Anton Kuczwara kam am 26. Juli 1943 in Hamburg zur Welt. Seine Eltern, Helena, geb. Pilna, geb. am 13.12.1913 in Replin, und Josef Kuczwara, waren römisch-katholischen Glaubens und seit dem 27. Januar 1928 in Replin verheiratet. Aus ihrer Heimat Replin/Polen verschleppt, mussten sie in Hamburg Zwangsarbeit leisten. Josef Kuczwara kam nach Hamburg-Wilhelmsburg. Helena Kuczwara wurde zunächst als Hausgehilfin, seit dem 28. Februar 1942 dann als Fabrikarbeiterin für die Nagelfabrik Bergedorf GmbH in Hamburg-Lohbrügge eingesetzt. Sie war im „Lager Neustaud“, Wilhelmstraße 32 (heute Jakob-Kaiser-Straße 24), untergebracht und in dieser Zeit schwanger.
Am Tag der Geburt ihres Kindes wurde sie in der Frauenklinik Finkenau, Hamburg-Uhlenhorst, aufgenommen. Vier Tage nach der Entbindung kehrte sie mit ihrem Sohn Peter Anton am 30. Juli 1943 zurück in das Lager Neustaud. Mindestens 22 Kinder von Zwangsarbeiterinnen waren in diesem Lager getrennt von ihren Müttern untergebracht.
Dort musste Peter die kurze Zeit seines Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für ihn völlig unzureichend.
Er verstarb dort am 18. Dezember 1943 um 3:00 Uhr. Im Sterberegister ist als Todesursache „Ernährungsstörung. Bronchitis. Herzschwäche.“ angegeben. Der Beerdigungsunternehmer Hugo Ollrogge zeigte den Sterbefall mündlich an.
Peter wurde 4 Monate, 3 Wochen und 1 Tag alt.
Sechs Tage nach seinem Tod fand seine Beisetzung am 24. Dezember 1943 auf dem Neuen Friedhof Bergedorf statt, Grablage: Abteilung 38, Nr. 484, zusammen im Grab mit dem totgeborenen Knaben mit Nachnamen Kluba. Laut Beerdigungsschein des Standesamtes Bergedorf musste „das Lager Nagelfabrik, Lohbrügge“ für die Beerdigungskosten aufkommen.
In den letzten neun Monaten des Krieges wurde Helena Kuczwara während ihrer Zeit als Zwangsarbeiterin für die Nagelfabrik erneut schwanger. Kurz nach Kriegsende brachte sie ihre Tochter Marieanne am 28. Mai 1945 um 23:30 Uhr im Universitäts-Krankenhaus Eppendorf zur Welt. Am 6. August 1945 war sie mit ihren Eltern Helena und Josef Kuczwara im „Ausländerlager“ Lohbrügge registriert.
Die Nagelfabrik Bergedorf wurde 1883 als Filiale der ersten europäischen Hufnagelfabrik Mustard & Sön aus Oslo, Norwegen, gegründet. Die bekannten Sternhufnägel und Reichshufnägel hatten sich zum Beschlag der Pferde weltweit und insbesondere im Ersten Weltkrieg bewährt. Während des 2. Weltkriegs befand sich auf dem Fabrikgelände in den Gebäuden ein Frauenzwangsarbeitslager. Zwischen August 1941 und Kriegsende 1945 mussten hier mindestens 92 Frauen - 77 Polinnen, 13 Lettinnen, 1 Ungarin und 1 Belgierin Zwangsarbeit leisten, dazu kamen 3 männliche Zwangsarbeiter aus Belgien, dies zeigt eine Namensliste von 1946.