Jerzy Antoni Biernat
* 1945
ZWANGSARBEITSLAGER KAMPCHAUSSEE
DEUTSCHE KAP-ASBEST-WERKE
1943 – 1945
56 KINDER VON POLNISCHEN ZWANGSARBEITERINNEN
VERNACHLÄSSIGT – UNTERERNÄHRT - ERMORDET
JERZY ANTONI
BIERNAT
GEB. 28.1.1945
TOT 5.6.1945
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9
Weitere Stolpersteine in Kurt-A.-Körber-Chaussee 9: Helena Christina Zdobych | Krysta Zapaua | Kasimir Wojewodzic | Barbara Wojekowska | Zbigniew Wojcik | Sofie Wietrak | Danuscha Wezyk | André Wasiak | Irene Tylczak | Juruch Turczyn |
Krysta Zapaua, geb. am 21.6.1944 in Hamburg, verstorben am 10.9.1944 in Hamburg
Kasimir Wojewodzic, geb. am 31.8.1944 in Hamburg, verstorben am 22.4.1945 in Hamburg
Barbara Wojekowska, geb. am 21.12.1944 in Hamburg, verstorben am 6.2.1945 in Hamburg
Zbigniew Wojcik, geb. am 3.7.1944 in Hamburg, verstorben am 8.9.1944 in Hamburg
Sofie Wietrak, geb. am 10.4.1944 in Hamburg, verstorben am 12.5.1945 in Hamburg
Danuscha Wezyk, geb. am 18.9.1944 in Hamburg, verstorben am 6.11.1944 in Hamburg
André Wasiak, geb. am 9.7.1944 in Hamburg, verstorben am 27.8.1944 in Hamburg
Irene Tylczak, geb. am 25.1.1944 in Hamburg, verstorben am 17.2.1944 in Hamburg
Juruch Turczyn, geb. am 11.5.1944 in Hamburg, verstorben am 29.4.1945 in Hamburg
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9
Jerzy Antoni Biernat, geb. am 28.1.1945 in Hamburg, verstorben am 6.6.1945 in Hamburg
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf)
ehemals Lager Kampchaussee 9/11, Deutsche Kap-Asbest-Werke AG
Jerzy Antoni Biernat kam am 28. Januar 1945 in Hamburg zur Welt. Seine Mutter Marie Sofie Biernat, geb. am 28.4.1919 in Saybusch/Oberschlesien, war römisch-katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen verschleppt, musste sie in Hamburg-Bergedorf seit dem 10. Juni 1940 für die Deutsche Kap-Asbest-Werke AG Zwangsarbeit leisten. Im Lager Kampchaussee 9 (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) war sie untergebracht.
Einen Tag vor der Geburt ihres Kindes wurde Marie Biernat in der Frauenklinik Finkenau, Hamburg-Uhlenhorst, aufgenommen. Acht Tage nach der Entbindung kam sie mit ihrem Sohn Jerzy am 4. Januar 1945 zurück in das Lager Kampchaussee. Dort musste Jerzy die kurze Zeit seines Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für ihn völlig unzureichend.
Kurz nach Kriegsende verstarb er im Allgemeinen Kinderkrankenhaus Rothenburgsort am 6. Juni 1945 um 17:05 Uhr. In der Todesanzeige des Krankenhauses ist als Todesursache „Ernährungsstörung“ und seine Körpergröße mit 53 cm angegeben.
In diesem Dokument ist von Krankenschwester L. Hasse vermerkt, die Angaben seien auf Grund „der Aufnahme Akte: 1393“ erstattet worden, „da [die Eltern] telephonisch und schriftlich nicht erreichbar“.
Demnach war sein Vater Tadeusz Maczka, wohnhaft mit Marie Biernat im Lager Kampchaussee 9.
Jerzy wurde 4 Monate und 9 Tage alt.
Sechs Tage nach seinem Tod fand seine Beisetzung am 12. Juni 1945 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, Grablage: Q 39, Reihe 18, Nr. 41. Sein Grab ist nicht mehr erhalten. Ende des Jahres 1959 wurde es zusammen mit mindestens 146 Gräbern der Kinder von Zwangsarbeiterinnen auf Areal Q 39 eingeebnet.
Am 15. Mai 1945 wurde Marie Biernat noch wegen einer Baucherkrankung in das Allgemeine Krankenhaus Langenhorn eingeliefert und nach zwei Tagen wieder entlassen.
An 1. Juni 1945 heiratete sie auf dem Standesamt Hamburg - nun mit dem angegebenen Beruf Schneiderin - den Schuhmacher Tadeusz-Stefan Marczka, geb. 10.10.1920 in Lemberg.