Ernst Thälmann
* 1886
ERNST THÄLMANN
MDHB 1919 – 1933 KPD
JG. 1886
VERHAFTET 1933
ZUCHTHAUS BERLIN-MOABIT
1937 GEFÄNGNIS HANNOVER
1943 HAFTANSTALT BAUTZEN
1944 BUCHENWALD
ERMORDET 18.8.1944
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |
Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Dabei spielte Thälmann in seiner Funktion als Parteiführer bei der Bekämpfung und schließlich auch der nachhaltigen Destabilisierung der ersten deutschen Republik eine unrühmliche Rolle. Die Radikalisierung seiner auf „Komintern-Linie“ gebrachten Partei und die damit verbundene Verlagerung des politischen Kampfes auf die Straße vertiefte den Riss innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung und half, ein Klima zu schaffen, in dem die nationale Rechte ihren Angriff auf das republikanische System erfolgreich vortragen konnte. Dass Thälmann als Statthalter des „Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale“ (EKKI) in Deutschland schließlich nicht einmal zu denjenigen gehörte, die Stalin Ende der 1930er Jahre gegen „unbequeme deutsche Emigranten“ austauschte, gehört ebenso zu seiner persönlichen Tragik wie die Hinrichtung vieler seiner engsten Vertrauten im Zuge der stalinistischen Säuberungen in der UdSSR.
Ernst Thälmann wurde am 16. April 1886 in Hamburg geboren. Sein Vater, der Fuhrmann Fritz Johannes Thälmann, betrieb in diesen Jahren eine Kutscherkneipe. Bis zur Eröffnung eines Kolonialwarengeschäftes in den 1890er Jahren wurde der Junge überwiegend bei Verwandten erzogen. Als Schüler musste er zusammen mit seiner Schwester seinen Eltern im Geschäft helfen. Aus der Schule entlassen, arbeitete er zunächst als Rollkutscher in dem mittlerweile um Kohlenhandel und Mobilientransport erweiterten Geschäft seiner Eltern.
Im Alter von 16 Jahren verließ Thälmann sein Elternhaus und schlug sich vorübergehend mit wechselnden Beschäftigungen im Hafen durch, bis er schließlich eine Anstellung als Transportarbeiter bei der Hamburger Janssenbrauerei fand. Seine hier entstandenen Kontakte zur sozialistischen Arbeiterjugend sowie seine Erfahrungen als jugendlicher Arbeiter im Hafen bewogen ihn, sich 1903 als 17jähriger der SPD anzuschließen. Nach seinem beruflichen Wechsel in das Transportwesen trat Thälmann Anfang 1904 dem „Transportarbeiterverband“ bei.
Im Alter von 20 Jahren wurde Ernst Thälmann als Soldat zum 9. Artillerieregiment nach Köln eingezogen. Hier erkrankte er, wurde vorzeitig entlassen und heuerte bei der „Hamburg-Amerika-Linie“ an. Von Oktober bis Dezember 1907 fuhr er als Kohlentrimmer auf dem Dampfer AMERIKA. Drei Reisen führten ihn nach New York, wo er –wie er in seinem 1935 verfassten Lebenslauf schrieb – die „fortgeschrittene Technik“, die im Vergleich zu Deutschland guten Lebensbedingungen und nicht zuletzt die gehobene Rechtsstellung der Frau in der amerikanischen Gesellschaft bewunderte.
Nach seiner Abmusterung in Hamburg war Thälmann als Gelegenheitsarbeiter im Hafen, als Transportarbeiter und schließlich als Expedient verschiedener Wäschereien, darunter der Großwäscherei Welscher in Wandsbek, tätig. Bei der „Trumpf “-Wäscherei lernte er seine spätere Frau, die Directrice Rosa Koch, kennen.
Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges bekleidete Thälmann verschiedene ehrenamtliche Funktionen in der „Transportarbeitergewerkschaft“ und der SPD. Politisch rechnete er sich dem linken Flügel seiner Partei zu. In Parteiversammlungen setzte er sich für die Position Rosa Luxemburgs und der ihr nahestehenden Minderheit in der SPD-Reichstagsfraktion ein.
Im Januar 1915 wurde Ernst Thälmann als Reservist zum Fronteinsatz an die Westfront Champagne, Aisne und Somme – eingezogen. Disziplinarvergehen verhinderten, dass Thälmann befördert und – obwohl zweimal verwundet – mit Kriegsauszeichnungen versehen wurde. Im Herbst 1918 kehrte er von einem Fronturlaub nicht zu seiner Einheit zurück. Das Kriegsende in Hamburg abwartend, war er zunächst im elterlichen Geschäft und als Arbeiter auf einer Abwrackwerft im Hafen beschäftigt. 1920 fand er schließlich eine feste Anstellung als Kontrolleur beim Arbeitsamt.
In Hamburg hatte er sich im November 1918 der USPD angeschlossen, für die er im März 1919 in die Bürgerschaft gewählt wurde. Hier stimmte er zwei Tage nach der Eröffnungssitzung gegen das „Gesetz über die vorläufige Staatsgewalt“, das bis zur Verabschiedung einer neuen, demokratischen Verfassung die höchste Staatsgewalt auf die Bürgerschaft übertrug. Als Vertreter des linken Flügels, der sich für die Fortführung der Revolution und die Etablierung des Rätesystems in Deutschland aussprach, wurde er zwei Monate später zum Vorsitzenden der USPD in Hamburg gewählt.
Im Oktober 1920 gehörte er auf dem außerordentlichen Parteitag in Halle zu den Wortführern des linken Flügels seiner Partei, die für den Zusammenschluss mit der KPD und den Anschluss an die „Kommunistische Internationale“ plädierten. Auf dem „Berliner Vereinigungsparteitag“ von KPD und linker USPD wurde Thälmann in den „Zentralausschuß“ der Kommunistischen Partei – damals vorübergehend „Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands“ (VKPD) genannt – gewählt.
In Hamburg wurde Ernst Thälmann 1921 Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe und zugleich Mitglied der Bezirksleitung. Noch im selben Jahr erfolgte seine Bestellung zum hauptamtlichen Funktionär der KPD im Bezirk „Wasserkante“. Als Mitglied des „Zentralausschusses der deutschen Kommunisten“ nahm er im Juni 1921 am „3. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale“ teil, wo er erstmals mit Lenin und Trotzki zusammentraf. Als Exponent der linken innerparteilichen Opposition wandte er sich in den folgenden Jahren wiederholt gegen den Kurs Heinrich Brandlers. Im Oktober 1923 war Thälmann als Leiter der KPD-Hamburg an der Vorbereitung des „Hamburger Aufstandes“ beteiligt, trat aber in der Durchführungsphase nicht führend in Erscheinung.
Einen entscheidenden Schritt an die Parteispitze der deutschen Kommunisten markierte seine Wahl zum stellvertretenden Parteivorsitzenden im Januar 1924. In dieser Funktion arbeitete er eng mit dem EKKI bei der Ausschaltung des rechten Parteiflügels zusammen. Es war auch die Rückendeckung aus dem EKKI, die ihn 1925 nach dem Sturz seiner bisherigen Verbündeten, Ruth Fischer und Arkadij Maslow, in das Amt des Parteivorsitzenden beförderte. Und auch 1928 rettete ihn das EKKI, indem es einen Beschluss des Zentralkomitees der KPD aufhob, Thälmann wegen des Versuchs, die Unterschlagungen seines Hamburger Parteifreundes John Wittorf zu vertuschen, von seinen Parteiämtern zu suspendieren. Ernst Thälmann war ein Mann der „Komintern“, dessen Exekutivkomitee er seit dem Sommer 1924 selbst angehörte. Hier genoss er hohes Ansehen, obgleich er in der deutschen KPD keineswegs so unumstritten war, wie die spätere SED-Parteihistoriographie glauben machen wollte.
Als richtungweisender Theoretiker trat Thälmann nicht hervor. Selbst in Teilen seiner eigenen Partei galt er als moskauhöriger Opportunist und sich selbst überschätzender „Held der linken Phrase“. Clara Zetkin schrieb 1927 an Nikolai Bucharin: „Verhängnisvoll macht sich […] geltend, daß Teddy [= Thälmann] kenntnislos und theoretisch ungeschult ist, in kritiklose Selbsttäuschung und Selbstverblendung hineingesteigert wurde, die an Größenwahnsinn grenzt und der Selbstbeherrschung ermangelt. Er lässt daher seine guten proletarischen Instinkte und Urteile über Menschen täuschen und irreleiten [...].“ Dass sämtliche Versuche der innerparteilichen Opposition, Thälmann zu stürzen, immer wieder auch an der Haltung des EKKI scheiterten, lässt vermuten, dass er sich ohne Rückendeckung aus Moskau nicht bis 1933 im Parteivorsitz hätte halten können. Hermann Weber schätzt, dass Thälmann von der Komintern „in eine Funktion gehoben [wurde], der er geistig und politisch nicht gewachsen war“. Dies nimmt jedoch nichts von Thälmanns Popularität vor allem in seiner Heimatstadt Hamburg. Insbesondere wegen seiner biographischen Verwurzelung in der Arbeiterschaft und seiner unbestrittenen Volkstümlichkeit genoss er gerade an der Parteibasis hohes Ansehen.
Seit 1924 nahm Thälmann neben seinem Bürgerschaftsmandat in Hamburg auch ein Abgeordnetenmandat im Reichstag wahr. 1925 kandidierte er erstmals für das Amt des Reichspräsidenten, was entscheidend zu seiner Popularisierung in der Partei beitrug. In Kauf genommen wurde dabei freilich, dass der republikanische Kandidat Wilhelm Marx (Zentrum) dem Kandidaten der Rechten, Paul von Hindenburg, mit 900 000 Stimmen im zweiten Wahlgang unterlag – der Zählkandidat Thälmann hatte 1,9 Millionen Stimmen (6,3 %) erhalten. Gleichzeitig versuchte Thälmann seine Position als Parteiführer dadurch zu festigen, dass er sich zum Führer des „Roten Frontkämpferbundes“ wählen ließ.
Als er 1932 als Mitbegründer der „Antifaschistischen Aktion“ zur Bildung einer „Einheitsfront“ unter KPD-Führung aufrief, befand sich nicht nur seine eigene Partei in einer heillosen Zerrissenheit, sondern war auch die Entfremdung zur SPD, die er in Wort und Schrift beharrlich des „Sozialfaschismus“ bezichtigte, bereits so weit vorangeschritten, dass ein Zusammengehen unter Führung der Kommunisten für die deutsche Sozialdemokratie nicht in Frage kommen konnte. Eine „Einheitsfront“ über Verhandlungen mit den sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftsführern, wurde a priori ausgeschlossen.
Das kommunistische Einheitsfrontkonzept ging vielmehr von einem Verschmelzen der sozialdemokratischen mit der kommunistischen Arbeiterschaft durch gemeinsame Aktionen aus. Um Missverständnissen vorzubeugen, stellte das sich ganz auf der Linie des XI. EKKI-Plenums befindliche „Thälmann-ZK“ auch klar, dass die „Antifaschistische Aktion“ „keine auch noch so geringfügige Abschwächung des Kampfes gegen den Sozialfaschismus“ bedeute. Gewollt oder ungewollt entstand so unter Thälmanns Ägide vielmehr eine Einheitsfront der Republikgegner NSDAP und KPD, die sogar in gemeinsamen Aktionen kulminierten. So etwa 1931 beim Volksbegehren gegen die preußische Minderheitsregierung Braun/Severing oder Ende 1932 bei der Bestreikung der Berliner Verkehrsbetriebe.
Am 7. Februar 1933 leitete Thälmann noch einmal eine KPD-Tagung im Lokal „Sporthaus Ziegenhals“ bei Berlin. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 wurde er mit den anderen Mitgliedern des Zentralkomitees der KPD zur Fahndung ausgeschrieben. Entgegen anderslautenden Zeitungsmeldungen, die ihn in Dänemark vermuteten, hielt sich Thälmann mit seinem Sekretär in einer Berliner Gartenkolonie versteckt. Er wurde denunziert und am 3. März 1933 festgenommen.
Obgleich im Frühjahr 1935 Anklage gegen Thälmann wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ erhoben wurde, kam es nicht zum Prozess. Der Haftbefehl wurde ausgesetzt, Thälmann jedoch auch weiterhin in Haft gehalten. Bis August 1937 saß er im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit ein, verbrachte anschließend 6 Jahre im Untersuchungsgefängnis Hannover, bis er im August 1943 ins Zuchthaus Bautzen überstellt wurde. Die aus seiner Haftzeit überlieferten politischen Reflexionen sind tiefgehend und setzen in ihrer zum Teil selbstkritischen und realistischen politischen Analyse auch versöhnliche Akzente: „Auch wir haben in der Vergangenheit schwere und teilweise große politische Fehler gemacht, leider manches versäumt und unterlassen, was wir in dem verschlungenen Wirrwarr des Zeitgeschehens hätten tun müssen, um dem Faschismus den Weg zu versperren.“
Nach insgesamt elfeinhalb Jahren Einzelhaft wurde Ernst Thälmann am 18. August 1944 ins KZ Buchenwald verbracht, wo er noch am selben Tag auf direkte Weisung Himmlers von Angehörigen des SS-Kommandos 99 ermordet wurde. Der Befehl zur Ermordung Thälmanns erging parallel zum Beginn der Aktion „Gewitter“, mit der das Regime unter dem Eindruck des gescheiterten Attentats vom 20. Juli reichsweit Tausende potenzieller Regimegegner ermorden, verschleppen oder aburteilen ließ.
Thälmanns Ehefrau Rosa und seine Tochter Irmgard wurden Ende September 1944 verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert. Rosa Thälmann war nach dem Krieg Volkskammermitglied der DDR und starb 1962 als Veteranin der SED in Berlin.
In der Tarpenbekstraße 66 in Hamburg, Thälmanns letztem Wohnsitz, befindet sich heute die „Gedenkstätte Ernst Thälmann e.V.“