Fritz Simon Reich
* 1868
FRITZ SIMON REICH
MDHB 1927 – 1928
REICHSPARTEI DES
DEUTSCHEN MITTELSTANDES
JG. 1868
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
ERMORDET 31.5.1944
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |
Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Von April 1890 bis März 1891 leistete er seinen Militärdienst im dortigen Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm I.“, aus dem er im Dienstgrad eines Unteroffiziers entlassen wurde.
In den folgenden Jahren sammelte Fritz Reich kaufmännische Auslandserfahrung in London. Hier war er als leitender Angestellter u.a. an der Waren- und Handelsbörse beschäftigt. Nach dieser Zeit kam Reich 1896 nach Hamburg, wo er sich im folgenden Jahr als selbständiger Makler und Vertreter niederließ. Im Februar 1902 folgte die Aufnahme in den Hamburgischen Staatsverband.
Der Kaufmann Fritz Simon Reich war nur wenige Monate Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Er wurde bei den Wahlen Ende 1927 für die „Wirtschaftspartei“, den bei dieser Wahl erstmals kandidierenden Hamburger Ableger der „Reichspartei des Deutschen Mittelstandes“, ins Parlament gewählt. Allerdings wurde die 1927er Bürgerschaftswahl vom Leipziger Staatsgerichtshof für ungültig erklärt, da der Senat im Interesse der Regierungsstabilität Kleinst- und Splitterparteien gewollt benachteiligte. Somit musste bereits im Februar 1928 neu gewählt werden. Bei den Wiederholungswahlen konnte Reich sein Mandat wegen der starken Stimmenverluste seiner Partei, die von 4,2 % auf 2,9 % der Stimmen zurückging, nicht halten. Auch in den folgenden Jahren vermochte sich die „Wirtschaftspartei“ nicht mehr zu stabilisieren. 1931 erreichte sie noch 1,5 % der Stimmen und verschwand 1932 mit 0,5 % endgültig in der Bedeutungslosigkeit.
In seiner einzigen Parlamentsrede forderte Fritz Reich im Dezember 1927 eine Reform des Hamburger Gebühren- und Tarifwesens mit dem Ziel der Entlastung mittlerer und kleinerer Gewerbetreibenden. Sein Antrag auf eine baldige Reform der von ihm kritisierten Verwaltungsschriften fand die Zustimmung der Parlamentsmehrheit.
Mitte der dreißiger Jahre wohnte Fritz Reich mit seiner Familie am Schötteringksweg auf der Uhlenhorst, wo er eine Firma für Öle betrieb. Nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurde Reich mit seiner Familie in den jüdischen Wohnbezirk um den Grindel umgesiedelt. Hier wohnte er in der Grindelallee 79. Neben der Zwangsumsiedlung verlor Reich seine Firma im Rahmen der „Arisierung“.
Am 19. Januar 1944 wurde er ins KZ Theresienstadt deportiert. Hier verliert sich seine Spur. Auf Antrag des überlebenden Sohnes wurde Fritz Simon Reich vom Hamburger Amtsgericht für tot erklärt. Als Todesdatum setzte das Gericht den 31. Mai 1944 fest.