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Hermann Hoefer
* 1868

HERMANN HOEFER
MDHB 1928 – 1931 KPD
JG. 1868
VERHAFTET 1944
ZUCHTHAUS COSWIG
TOT AN HAFTFOLGEN

Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)

Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |

Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.

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Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)

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Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74

Zunächst möchte ich mich bei allen bedanken, die es ermöglicht haben, diesen Stolperstein für meinen Großvater Hermann Hoefer zu legen. Dem Lions Club möchte ich besonders danken, dass er die Patenschaft übernommen hat.

Vor längerer Zeit erfuhr ich überhaupt erst, dass es diese Steine gibt und von dem Künstler Gunter Demnig gelegt werden. Ich war begeistert von der Idee, und irgendwann - leider erst viel später - kam mir der Gedanke, dass man für Opa Hoefer auch so einen Stein legen lassen könnte.

Es ist sicher kein Zufall, dass ich im August dieses Jahres hier entlang ging, weil meine Tochter Nina in der Eppendorfer Landstraße arbeitet. Ich wollte sie besuchen und dachte: „Dann kannst Du ja gleich mal gucken, ob sich in der Umgebung von Nr. 74 etwas verändert hat.“ Ich wollte schon wieder weitergehen, da blickte ich – keine Ahnung warum – auf den Boden und entdeckte ungläubig diesen Stein. Er war erst kürzlich, nämlich im Juli 2009 gelegt worden, zeitgleich mit meiner Absicht, mich um einen Stolperstein zu kümmern!

Freudig überrascht und vollkommen perplex zermarterte ich mir den Kopf, wer das veranlasst haben könnte. Aus meiner Familie war es bestimmt niemand gewesen. Es gibt nicht mehr viele von uns.

Ich fragte bei Herrn Diercks an, mit dem ich schon wegen einiger Schriftstücke der Familie Hoefer in Kontakt war. Er verwies mich an Herrn Hess. Von Herrn Hess erfuhr ich, dass eine Frau Hochmuth die Nachforschungen über NS Opfer organisiert und Listen mit Namen an Herrn Hess weitergeleitet hat. Auf einer dieser Listen war der Name meines Großvaters.

Herrn Hess, Frau Hochmuth und dem Lions Club habe ich es zu verdanken, dass wir alle jetzt hier an meinen Opa denken und ihn ehren dürfen.

Was meinen Großvater, den sozialdemokratischen Lehrer Hermann Hoefer auszeichnete, war, wie in einem Nachruf von Gerhard Hoch zu lesen ist, seine ehrenamtliche Tätigkeit als Armenpfleger. Er hat als junger Mensch während der Cholerazeit in Hamburg aufopfernde Hilfe geleistet.

1924 war er der KPD beigetreten und hat als Mitglied in der Hamburger Bürgerschaft diese Partei vertreten. Er war bekannt dafür, dass er mit seiner ruhigen, durchdachten
Art der Argumentation auch dem politischen Gegner Aufmerksamkeit und Achtung zukommen ließ.

Eine seiner Wesensarten war sein feiner Humor. So meinte er einmal, als es um die Bewilligung von Mitteln für die Schulausstattung ging: „Es fehlt in der Schule Marienthalerstraße eine Dunkelkammer. Wenn wir auch sonst g e g e n ‚Dunkelkammern’ sind, so ist doch in jeder Schule eine Dunkelkammer nötig, weil das Photographieren im Physikunterricht behandelt werden muss.“

Aus seinen Briefen an meine Mutter geht hervor, dass er einen Heidenspaß mit seinen beiden Enkelkindern hatte, meinen Brüdern, ich war damals noch nicht geboren. Wenn er zu Besuch kam, lief er absichtlich an der Haustür vorbei. „Neulich“, so schreibt er in einem Brief über den drei- oder vierjährigen Uwe, „hörte ich ihn laut krähen: ‚Opa, du läufst vorbei!’ – Ich rief ihm zu: ‚Ja, wenn du nicht Bescheid sagst...’ , worauf Uwe meinte: ‚Ich hab doch ganz laut gesrien!’ “

1933 wurde mein Großvater, wie viele andere Lehrer auch, aus dem Beruf gedrängt, weil er sich dem NS-Regime nicht widerstandslos unterworfen hat.

Er und seine älteste Tochter Margarethe, die ihren Vater sehr verehrte und sich in seinem Sinne politisch betätigte, waren mehrmals in Haft.

Im Juli 1943 geschah etwas Unglaubliches mit einem tragischen Ende:

Die Bombenangriffe in Hamburg schufen ein solches Chaos, dass sich die Staatsanwaltschaft veranlasst sah, etwa 2000 Untersuchungsgefangenen zwei Monate Hafturlaub zu geben. Unter ihnen war auch Heinz Priess, ein Freund von Hermann Hoefer. Er beschloss, nach Ablauf der zwei Monate nicht zurückzukehren, sondern sich verborgen zu halten. Hermann und Margarethe Hoefer waren sofort bereit, ihn in ihrem Waldhaus in Dassendorf zu verstecken.
Beide Hoefers wurden durch einen V-Mann verraten und wieder verhaftet.

Heinz Priess wurde zum Tode verurteilt.

Als Hermann Hoefer 1944 vor dem Volksgerichtshof in Berlin der Prozess wegen Vorbereitung zum Hochverrat gemacht wurde, kamen auch seine Frau Nicoline, genannt Nina, und sein Sohn Hermann mehrere Monate lang in Gestapo-Haft.

Hermann Hoefer war 76 Jahre alt, als er zusammen mit seiner Tochter Margarethe in die Strafanstalt in Coswig transportiert wurde.

Was ich in den Ehrungen ihm und Margarethe gegenüber vermisse, ist das Gedenken an Hoefers jüngste Tochter Edith, (das ist meine Mutter), die die beiden nach der Befreiung durch die Rote Armee unter großen Strapazen und Scheußlichkeiten aus der damaligen russischen Zone herausgeholt hat. Mein Opa saß völlig geschwächt und krank im Rollstuhl, und Margarethe hatte wegen eines gebrochenen Armes nicht die Kraft, ihn im Chaos der Nachkriegszeit den weiten Weg nach Hause zu befördern. Ohne zu zögern ist meine Mutter mit einer Freundin aufgebrochen, um sie zu holen. Die Freundin wurde von Russen vergewaltigt, meiner Mutter blieb dieses Schicksal erspart, weil sie schon älter war.

Aber alle Strapazen waren umsonst, denn in Hamburg angekommen, starb Hermann Hoefer am 13. Dezember 1945 an den Folgen der Haft. Kurz vor seinem Tod sah ich ihn als Siebenjährige im Krankenhaus. Den Anblick des alten von Folter gezeichneten Mannes werde ich nie vergessen.

Gretel Hoefer schrieb einmal an ihre Eltern aus dem Gefängnis die trostvollen Worte: „Alles hat (irgendwann) ein Ende“. Ich möchte in Ehrfurcht vor Hermann Hoefer und seiner Familie hinzufügen: „In jedem Ende liegt ein neuer Anfang“.

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