Felix Cohn
* 1864
ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
ohne Hamburger Adresse
Weitere Stolpersteine in ohne Hamburger Adresse : Salo Weinberg | Anna Luise (Louise Hedwig) Weimann | Wilhelm Süsser | Dorothea Dorthy Silberberg | Lucie Rothschild | Karl Friedrich Michael | Bronislawa Luise Dorothea Mattersdorf | Hannchen Lewin | Richard Levy | Ernestine Levy |
Salo Weinberg, geb. am 27.2.1870 in Lublin (Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Anna Luise (Louise Hedwig) Weimann, geb. am 19.11.1869, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Wilhelm Süsser, geb. am 6.11.1892 in Frankfurt a. M., ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Dorothea Dorthy Silberberg, geb. am 7.11.1883 in Grätz/Posen (heute Grodzisk/Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Lucie Rothschild, geb. am 18.9.1907 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Karl Friedrich Michael, geb. am 24.7.1910 in Mannheim, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Bronislawa Luise Dorothea Mattersdorf, geb. am 11.2.1899 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Hannchen Lewin, geb. am 8.5.1879 in Rogasen (heute Rogozno, Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Richard Levy, geb. am 2.11.1885 oder 2.2.1885 in Wollstein, (heute Wolsztyn, Polen), ermordet in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel am 23.9.1940
Ernestine Levy, geb. Hirsch, geb. am 24.10.1863 in Glogau, ermordet in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel am 23.9.1940
Felix Cohn, geb. am 2.5.1864 in Freienwalde, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Ohne Stolperstein
Felix Cohn kam am 2. Mai 1864 in Freienwalde als Sohn von Moritz und Therese Cohn, geborene Cohn, zur Welt. Die Eltern gehörten dem jüdischen Glauben an. Freienwalde war eine kleine Stadt im damaligen Kreis Saatzig in Pommern (heute Chociwel Woiwodschaft Westpommern).
Es ist nicht bekannt, wie Felix’ erste Lebensjahrzehnte verliefen. Im Jahre 1914 ist ein erster kurzer Aufenthalt in der „Irrenanstalt Friedrichsberg” vermerkt. Von dort wurde er im Dezember 1914 in die „Irrenanstalt Langenhorn“ eingewiesen. Diese Anstalt wurde bald nach dem Ersten Weltkrieg in „Staatskrankenanstalt Langenhorn“ umbenannt. Hier blieb Felix Cohn, soweit nach den Akten erkennbar – mit einer kurzen Unterbrechung bis August 1935. Sein Krankheitsbild ist nicht überliefert.
Von Langenhorn kam Felix Cohn in die Ricklinger Anstalten und lebte dort, als deren Leiter Oskar Epha im Frühjahr 1938 vier jüdischen Heimbewohner (Felix Cohn, Benjamin Engländer, Erland Walter Friedmann und Oscar Löwenthal, siehe jeweils dort) gegen nichtjüdische Patienten austauschen wollte. Angeblich befürchtete die Anstaltsleitung, den Status der Gemeinnützigkeit und damit verbundene Steuervergünstigungen zu verlieren, „wenn nicht ausnahmslos deutsche Patienten bei uns aufgenommen werden.“ Ab 22. April 1938 befand sich Felix Cohn wieder in der Anstalt Langenhorn.
Im Frühjahr/Sommer 1940 plante die „Euthanasie“-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, eine Sonderaktion gegen Juden in öffentlichen und privaten Heil- und Pflegeanstalten. Sie ließ die in den Anstalten lebenden jüdischen Menschen erfassen und in staatlichen sogenannten Sammelanstalten zusammenziehen. Die Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn wurde zur norddeutschen Sammelanstalt bestimmt. Alle Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg wurden angewiesen, die in ihren Anstalten lebenden Juden bis zum 18. September 1940 dorthin zu verlegen.
Nachdem alle jüdischen Patienten aus den norddeutschen Anstalten in Langenhorn eingetroffen waren, wurden sie gemeinsam mit den dort bereits länger lebenden jüdischen Patienten – unter ihnen Felix Cohn – am 23. September 1940 in einem Transport von insgesamt 136 Menschen nach Brandenburg an der Havel gebracht. Noch am selben Tag wurden sie in dem zur Gasmordanstalt umgebauten Teil des ehemaligen Zuchthauses mit Kohlenmonoxyd getötet. Nur eine Patientin, Ilse Herta Zachmann, entkam diesem Schicksal zunächst (siehe dort).
Wir wissen nicht, ob Felix Cohns Angehörige Kenntnis von seinem Tod erhielten. In allen nachgewiesenen Fällen wurde behauptet, dass der oder die Betroffene in Chelm (polnisch) oder Cholm (deutsch) verstorben sei. Zudem wurden spätere Sterbedaten als die tatsächlichen angegeben. Die in Brandenburg Ermordeten waren jedoch nie in Chelm/Cholm, einer Stadt östlich von Lublin. Die dort früher existierende polnische Heilanstalt bestand nicht mehr, nachdem SS-Einheiten am 12. Januar 1940 fast alle Patienten ermordet hatten. Auch gab es in Chelm kein deutsches Standesamt. Dessen Erfindung und die Verwendung falscher Sterbedaten dienten dazu, die Mordaktion zu verschleiern und zugleich entsprechend länger Verpflegungskosten einfordern zu können.
Für Felix Cohn konnte eine persönliche Adresse in Hamburg nicht nachgewiesen werden, so dass bisher kein individueller Ort bestimmt werden kann, an dem seiner mit einem Stolperstein gedacht werden könnte.