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Sophie Kasarnowsky
* 1894

ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel

ohne Hamburger Adresse

Weitere Stolpersteine in ohne Hamburger Adresse : Salo Weinberg | Anna Luise (Louise Hedwig) Weimann | Wilhelm Süsser | Dorothea Dorthy Silberberg | Lucie Rothschild | Karl Friedrich Michael | Bronislawa Luise Dorothea Mattersdorf | Hannchen Lewin | Richard Levy | Ernestine Levy |

Salo Weinberg, geb. am 27.2.1870 in Lublin (Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Anna Luise (Louise Hedwig) Weimann, geb. am 19.11.1869, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Wilhelm Süsser, geb. am 6.11.1892 in Frankfurt a. M., ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Dorothea Dorthy Silberberg, geb. am 7.11.1883 in Grätz/Posen (heute Grodzisk/Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Lucie Rothschild, geb. am 18.9.1907 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Karl Friedrich Michael, geb. am 24.7.1910 in Mannheim, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Bronislawa Luise Dorothea Mattersdorf, geb. am 11.2.1899 in Berlin, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Hannchen Lewin, geb. am 8.5.1879 in Rogasen (heute Rogozno, Polen), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Richard Levy, geb. am 2.11.1885 oder 2.2.1885 in Wollstein, (heute Wolsztyn, Polen), ermordet in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel am 23.9.1940
Ernestine Levy, geb. Hirsch, geb. am 24.10.1863 in Glogau, ermordet in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel am 23.9.1940

Sophie Kasarnowsky, geb. 1894 (?) in Brovari/Brovary (heute Ukraine), ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel

Ohne Stolperstein

Sophie Kasarnowsky stammt wahrscheinlich aus Brovary, damals zu Russland gehörend. Sie wurde etwa 1894 geboren und gehörte wahrscheinlich dem jüdischen Glauben an. Im April/Mai 1923 wurde sie wegen einer „Geisteskrankheit“ in der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg aufgenommen. Das Aufnahmedatum ergibt sich aus der noch vorhandenen Patienten-Karteikarte, auf der als Vorname „Schifre“ notiert wurde.

Anscheinend hatte Sophie Kasarnowsky Anfang der 1920er Jahre versucht, von Hamburg aus in die USA auszuwandern. Hamburg war neben Bremen im 19. und im 20. Jahrhundert einer der großen Auswandererhäfen. Die Emigranten kamen aus Deutschland und vielen Ländern Osteuropas. Die meisten wollten die USA in New York betreten. Sie mussten aber zunächst auf Ellis Island eine Kontrollprozedur ertragen, mit der ihre Eignung für das neue Land geprüft wurde. Die Einwanderungsbeamten ließen nur leistungsfähige Menschen ins Land, die voraussichtlich ihren Lebensunterhalt würden selbst verdienen können. Zu diesem Zweck wurden die Einwanderer einer „Muskelprüfung“ unterzogen. Wer den Beamten als psychisch oder physisch ungeeignet erschien, wurde zurückgewiesen. Menschen, die diese Einreisekontrollen nicht bestanden, wurden rigoros an der Einreise gehindert und in den Herkunftshafen zurückgeschickt. Der Reeder musste die Rückreisekosten für die fast immer mittellosen Menschen übernehmen. In Hamburg angekommen, wurden die „Rückwanderer“ zunächst meistens im Hafenkrankenhaus aufgenommen und bei geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung der „Irrenanstalt Friedrichsberg” (ab 1918/1919 „Staatskrankenanstalt Friedrichsberg“) zugeführt. Zu ihnen gehörte wahrscheinlich auch Sophie Kasarnowsky. Die Hapag hatte ihre Rückreisekosten übernommen und musste ihren Klinikaufenthalt in Hamburg finanzieren. Anscheinend fanden die Behörden keinen Heimatort, in den man Sophie Kasarnowsky hätte abschieben können, denn sie wurde am 4. September 1926 in die Staatskrankenanstalt Hamburg-Langenhorn verlegt und blieb dort bis zum 23. September 1940.

Im Frühjahr/Sommer 1940 plante die „Euthanasie“-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, eine Sonderaktion gegen Juden in öffentlichen und privaten Heil- und Pflegeanstalten. Sie ließ die in den Anstalten lebenden jüdischen Menschen erfassen und in sogenannten Sammelanstalten zusammenziehen. Die Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn wurde zur norddeutschen Sammelanstalt bestimmt. Alle Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg wurden angewiesen, die in ihren Anstalten lebenden Juden bis zum 18. September 1940 dorthin zu verlegen. Nachdem alle jüdischen Patienten aus den norddeutschen Anstalten in Langenhorn eingetroffen waren, wurden sie gemeinsam mit den dort bereits länger lebenden jüdischen Patienten am 23. September 1940 in einem Transport von insgesamt 136 Menschen nach Brandenburg an der Havel gebracht. Noch am selben Tag wurden sie in dem zur Gasmordanstalt umgebauten Teil des ehemaligen Zuchthauses mit Kohlenmonoxyd getötet. Nur eine Patientin, Ilse Herta Zachmann, entkam diesem Schicksal zunächst (siehe dort).

Es ist nicht bekannt, ob und ggf. wann Angehörige Kenntnis von ihrem Tod erhielten. In allen dokumentierten Mitteilungen wurde behauptet, dass der oder die Betroffene in Chelm (polnisch) oder Cholm (deutsch) verstorben sei. Die in Brandenburg Ermordeten waren jedoch nie in Chelm/Cholm, einer Stadt östlich von Lublin. Die dort früher existierende polnische Heilanstalt bestand nicht mehr, nachdem SS-Einheiten am 12. Januar 1940 fast alle Patienten ermordet hatten. Auch gab es in Chelm kein deutsches Standesamt. Dessen Erfindung und die Verwendung späterer als der tatsächlichen Sterbedaten dienten dazu, die Mordaktion zu verschleiern und zugleich entsprechend länger Verpflegungskosten einfordern zu können.

Sophie Kasarnowsky hatte nach den bisherigen Recherchen keine persönliche Adresse in Hamburg, so dass kein individueller Ort besteht, an dem ihrer mit einem Stolperstein gedacht werden könnte.

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