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Moritz Nordheim
* 1873

MORITZ NORDHEIM
JG. 1873
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
18.8.1938

Trostbrücke 2–6

Weitere Stolpersteine in Trostbrücke 2–6: Alfred Wolff | Heinrich Wohlwill | Ernst Werner | Salomon Siegmund Schlomer | Walter Ludwig Samuel | Ferdinand Rosenstern | Ernst Moritz Rappolt | Kurt Perels | Moritz Nordheim | Heinrich Mayer |

Alfred Wolff, geb. 14.12.1880, „ermordet durch Entzug von Medikamenten“, Todesdatum 30.11.1941
Dr. Heinrich Wohlwill, geb. 7.2.1874 in Hamburg, am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, dort am 31. Januar 1943 ermordet
Ernst Franz Werner, geb. 6.12.1875 in Zörbig, am 6.12.1941 deportiert nach Riga
Salomon (Siegmund) Schlomer, geb. 6.7.1853 in Lübeck-Moisling, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, dort am 15.8.1942 ermordet
Dr. Walter Ludwig Oscar Samuel, geb. 28.9.1875 in Hamburg, in den Tod getrieben am 25.3-1943 in Hamburg
Ferdinand Rosenstern, geb. 11.11.1880 in Hamburg, deportiert 1943 von Westerbork nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 9.10.1944 nach Auschwitz, dort am 11.10.1944 ermordet
Dr. Ernst Moritz Rappolt, geb. 12.5.1868 in Hamburg, Freitod am 9.4.1942
Kurt Ferdinand Lothar Perels, geb. 9.3.1878, Flucht in den Tod am 10.9.1933
Dr. Moritz Nordheim, geb. 1.2.1873 in Kassel, Suizid am 18.8.1938 in Hamburg
Heinrich Mayer, geb. 6.2.1866 in Worms, Tod am 2. Dezember 1942 in Theresienstadt.

Hamburg Bezirke

Trostbrücke 2–6

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Dr. Moritz Nordheim, geb. 1.2.1873 in Kassel, Suizid am 18.8.1938 in Hamburg
Clara Nordheim, geb. Steer, geb. 2.2.1891 in Dassow, Suizid am 19.8.1938 in
Hamburg

Moritz Nordheim war Kinderarzt. Die ursprünglich jüdische Familie stammte aus Unterfranken, ein Vorfahr, Marcus Nordheim (1812–1899) erhielt bereits 1849 das Hamburger Bürgerrecht. Marcus Nordheim hatte durch den Handel mit Häuten und Fellen ein großes Vermögen erworben, das er zu großen Teilen für wohltätige Zwecke stiftete. So finanzierte er unter anderem den Bau der Israelitischen Töchterschule an der Hamburger Karolinenstraße und nach seinem Tod wurde aus seinem Vermächtnis die Nordheim-Stiftung ins Leben gerufen, die 1903 in Sahlenburg an der Nordsee das heute noch existierende Seehospital, ursprünglich ein Erholungsheim für Kinder, gründete.

Moritz Nordheim hatte zwei Brüder, die ebenfalls in Hamburg lebten. Gemeinsam mit seiner Frau Anna, geb. Tandler, hatte er vier Kinder: Saskia, Lothar, Maria und Gisela (letztere geb. 1911). 1925 heiratete er in zweiter Ehe Clara, geb. Steer, mit ihr hatte er keine Kinder.

Im Jahr 1912 wurde Moritz Nordheim im Hamburger Fernsprechbuch als "Dirig. Arzt d. Hamburger Säuglingsheims, Spez. Arzt f. Kinder, Hochallee 111" verzeichnet. Seine Praxis befand sich im Haus Esplanade 40. Ab 1920 hat er laut Fernsprechbuch in der Isestraße 117 gewohnt, ab 1932 lautete die Adresse Maria-Louisen-Straße 2. Er war auch im Vorstand der Nordheim-Stiftung tätig. Er genoss hohes Ansehen und war Mitglied der Patriotischen Gesellschaft, bis diese ihn 1935 wegen seiner jüdischen Herkunft ausschloss. Moritz Nordheim war zwar Protestant, galt aber, wie seine Brüder, als „Volljude“. Die beiden Brüder gingen bereits 1933 nach Paris ins Exil. Der ältere, Robert, berichtete später, dass der jüngere Bruder dort 1942 „im Elend“ gestorben sein. Robert Nordheim war mit seiner Frau und den zwei jüngeren Kindern nach Paris gegangen, während der älteste Sohn, Günther, in Hamburg noch seine Sparkassen-Lehre abschließen konnte. Er blieb auch danach in der Stadt, und konnte bis 1939 noch bei jüdischen Arbeitgebern arbeiten. Mit Moritz Nordheim und seiner Frau scheint er bis zu deren Tod in Kontakt geblieben zu sein. Nach der Schließung der letzten „jüdischen“ Firmen bekam er keine seiner Qualifikation entsprechende Arbeit mehr, musste 1944–45 Zwangsarbeit leisten und war auch kurzzeitig wegen „staatsfeindlicher Reden“ im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert.

Zum 30. September 1938 wurde jüdischen Ärzten die Approbation entzogen, nur wenige durften mit Genehmigung noch als "Krankenbehandler" jüdische Patienten versorgen. Moritz Nordheim musste gewärtigen, zusätzlich zu den bereits zugefügten Demütigungen auch seine wirtschaftliche Existenz zu verlieren. Am 18. August 1938 spritzte er seiner Frau und sich selbst eine tödliche Dosis Morphium. Seine Frau starb erst am darauffolgenden Tag.

Überarbeitet und ergänzt am 10.12.2012

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