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Claus Grimm
* 1941

ERMORDET IN DER
„KINDERFACHABTEILUNG“
DER HEIL- UND PFLEGEANSTALT
LANGENHORN

CLAUS GRIMM
GEB. 17.8.1941
ERMORDET 1.5.1942


Langenhorner Chaussee 560

Weitere Stolpersteine in Langenhorner Chaussee 560: Gottfried Simon | Monika Ziemer | Erwin Sänger | Hermann Scheel | Angela Quast | Edda Purwin | Traudel Passburg | Ingrid Neuhaus | Jutta Müller | Theo Lorenzen |

Gottfried Simon, geb. am 12.12.1885 in Mannheim, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Monika Ziemer, geb. am 12.10.1939 in Hamburg, getötet am 19.5.1942 im Hilfskrankenhaus der „Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“
Erwin Sänger, geb. am 17.2.1935 in Hamburg, getötet am 10.4.1943 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“
Hermann Scheel, geb. am 16.8.1939 in Hamburg, getötet am 22.8.1942 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“
Angela Quast, geb. am 30.6.1942 in Dradenau, getötet am 9.5.1943 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“
Edda Purwin, geb. am 1.7.1940 in Lüneburg, getötet am 18.1.1942 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“
Traudel Passburg, geb. am 3.5.1940 in Hamburg, getötet am 30.4.1942 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“
Ingrid Neuhaus, geb. am 25.2.1940 in Hamburg, getötet am 4.9.1941 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“
Jutta Müller, geb. am 14.7.1940 in Hamburg, getötet am 10.6.1943 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“
Theo Lorenzen, geb. am 10.5.1939 in Hamburg, getötet am 24.5.1942 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“

Hamburg Bezirke

Langenhorner Chaussee 560

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Claus Grimm, geb. am 17.8.1941 in Hamburg, getötet am 1.5.1942 in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“

Asklepios-Klinik Nord-Ochsenzoll, Henny-Schütz-Allee, Gedenkort Haus 25, Einfahrt Langenhorner Chaussee 560

Claus Grimm kam am 17. August 1941 in Hamburg zur Welt. Er wurde römisch-katholisch getauft. Seine Mutter Margarethe Elisabeth Grimm war ledig und arbeitete als kaufmännische Angestellte. In der Krankenakte von Claus wird sie in der „Vorgeschichte“ als „mit anscheinend rachitischer Zwergenwuchs“ beschrieben und ihre Familienmitglieder als „viele merkwürdige Leute, die sich mit Traumdeutung und siderischem [auf die Sterne bezogenem] Pendel befassen. Keine Nerven- und Geisteskrankheiten“. Der Kindesvater soll als Chauffeur gearbeitet haben. Die Mutter hatte während der Schwangerschaft viele Beschwerden, oft begleitet von Ohnmachtsanfällen. Nach zwei Wochen Übertragungszeit wurde die Wehentätigkeit mit Chinin und Spritzen angeregt, die Geburt musste wegen des angeborenen Wasserkopfes in der Frauenklinik Eppendorf mit einem Kaiserschnitt erfolgen.

Claus kam nach der Geburt von der Frauenklinik Eppendorf zunächst in das Allgemeine Krankenhaus St. Georg, Abt. Baustraße, und anschließend in das Kinderhaus, Winterhuder Weg 11.

Im Alter von sieben Monaten wurde Claus am 1. April 1942 mit einem Attest der Gemeindeverwaltung und der Diagnose „Hydrocephalus“ (Wasserkopf, eine krankhafte Erweiterung der mit Liquor [Nervenwasser] gefüllten Flüssigkeitsräume des Gehirns [Hirnventrikel]) in die „Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“ eingewiesen. Seine Mutter wurde mit einem Schreiben vom 9. April 1942 zur Besprechung für die nächsten Tage zwischen 11 und 12 Uhr „zwecks Rücksprache“ zu Dr. Friedrich Knigge in Haus 10 bestellt. In der Vorgeschichte hielt er zu Claus fest: „[…] wurde nicht genährt, der Kopf nahm im Monat 2 cm zu. […] Kinderkrankheiten hat es bis jetzt noch nicht durchgemacht. Die Mutter hat sich um die Entwicklung des Kindes kaum gekümmert. Sie ist mit einer Behandlung einverstanden.“

Die letzten Protokolle von Dr. Knigge lauten: „27.IV.42. Kommt körperlich immer weiter herunter 1.V.42. Exitus letalis [tödlicher Ausgang] [Diagnose:] Hydrocephalus internus. Ernährungsstörung. Epileptiforme Anfälle. Dr. Knigge“

Claus lebte in der „Kinderfachabteilung“ nur einen Monat. Am 1. Mai 1942 verstarb er dort um 7:00 Uhr in Haus M 10. In der Todesbescheinigung ist von der Assistenzärztin Dr. Anneliese Steinbömer als Todesursache „Hydrocephalus, Pneumonie“ bescheinigt.

Claus Grimm wurde in der „Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn“ vermutlich von Friedrich Knigge mit einer Spritze und durch eine Überdosierung mit Luminal, einem Schlafmittel, getötet.
Knigge tötete mit Luminal-Injektionen, einem Schlafmittel. Fieber und eine Lungenentzündung waren die Folge; die Kinder erlitten einen langsamen und qualvollen Tod. In den meisten Todesbescheinigungen, wie auch bei Claus, deutet der Zusatz „Bronchopneumonie“ bzw. „Pneumonie“ auf diese Tötung hin.

Claus wurde 8 Monate und 2 Wochen alt.

Acht Tage später fand seine Beisetzung durch die Beerdigungsgesellschaft Häussler am 9. Mai 1942 um 13:30 Uhr auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, die Mutter hatte dazu „Dekoration“ bestellt, Grablage Bf 66, Reihe 60, Nr. 45. Seine Grabstelle ist nicht mehr erhalten.

Nach dem Krieg äußerte sich Knigge zu den erhobenen Beschuldigungen wegen Mordes bzw. Sterbehilfe in der „Kinderstation“ des Krankenhauses Langenhorn. In einem Schreiben vom 13. Juni 1945 an die Kriminalpolizei über Prof. Rudolf Degkwitz, Leitender Beamter der Hamburger Gesundheitsbehörde, gab er lediglich Sterbehilfe bei zehn bis elf „geisteskranken und mißgestalteten“ Kindern zu, die er durch die Anordnung des „Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ für gerechtfertigt hielt. Den Namen von Claus Grimm verschwieg er.

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