Alfrede Jonczyk
* 1944
ZWANGSARBEITSLAGER KAMPCHAUSSEE
DEUTSCHE KAP-ASBEST-WERKE
1943 – 1945
56 KINDER VON POLNISCHEN ZWANGSARBEITERINNEN
VERNACHLÄSSIGT – UNTERERNÄHRT - ERMORDET
ALFREDE
JONCZYK
GEB. 15.6.1944
TOT 6.8.1944
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9
Weitere Stolpersteine in Kurt-A.-Körber-Chaussee 9: Helena Christina Zdobych | Krysta Zapaua | Kasimir Wojewodzic | Barbara Wojekowska | Zbigniew Wojcik | Sofie Wietrak | Danuscha Wezyk | André Wasiak | Irene Tylczak | Juruch Turczyn |
Krysta Zapaua, geb. am 21.6.1944 in Hamburg, verstorben am 10.9.1944 in Hamburg
Kasimir Wojewodzic, geb. am 31.8.1944 in Hamburg, verstorben am 22.4.1945 in Hamburg
Barbara Wojekowska, geb. am 21.12.1944 in Hamburg, verstorben am 6.2.1945 in Hamburg
Zbigniew Wojcik, geb. am 3.7.1944 in Hamburg, verstorben am 8.9.1944 in Hamburg
Sofie Wietrak, geb. am 10.4.1944 in Hamburg, verstorben am 12.5.1945 in Hamburg
Danuscha Wezyk, geb. am 18.9.1944 in Hamburg, verstorben am 6.11.1944 in Hamburg
André Wasiak, geb. am 9.7.1944 in Hamburg, verstorben am 27.8.1944 in Hamburg
Irene Tylczak, geb. am 25.1.1944 in Hamburg, verstorben am 17.2.1944 in Hamburg
Juruch Turczyn, geb. am 11.5.1944 in Hamburg, verstorben am 29.4.1945 in Hamburg
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9
Alfrede Jonczyk, geb. am 15.6.1944 in Hamburg, verstorben am 6.8.1944 in Hamburg
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf)
ehemals Lager Kampchaussee 9/11, Deutsche Kap-Asbest-Werke AG
Alfrede Jonczyk kam am 15. Juni 1944 in Hamburg zur Welt. Ihre Mutter Krystyna Jonczyk, geb. am 24.7.1924 in Gomulin/Petrikau/Piotrkow, war römisch-katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen verschleppt, musste sie zunächst in Hamburg-Harburg für die Flakkaserne Sinstorf, einen Betrieb der Luftwaffe der Wehrmacht, Zwangsarbeit leisten. Vermutlich war sie in der Baracke im Sinstorfer Kirchenweg gegenüber der Kaserne untergebracht und wurde mit 28 polnischen Frauen zur Küchenarbeit eingesetzt.
Am 18. Februar 1944, Krystyna Jonczyk war im 5. Monat schwanger, kam sie wegen einer „Cysto Pyelitis“ (Entzündung der Harnblase und des Nierenbeckens) in die Frauenklinik Finkenau, Hamburg-Uhlenhorst. Nach einem Aufenthalt von fast drei Wochen wurde sie am 8. März 1944 zurück in das Lager Sinstorfer Kirchenweg entlassen. Kurz darauf wurde sie am 15. März 1944 für etwa einen Monat in das Lager Sportstraße der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in Hamburg-Groß Borstel verlegt und am 21. April 1944, im 7. Monat ihrer Schwangerschaft, nach Hamburg-Bergedorf in das Lager Kampchaussee 9 (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) zur Zwangsarbeit für die Deutsche Kap-Asbest-Werke AG.
Am Tag der Geburt ihres Kindes kam Krystyna Jonczyk wieder in die Frauenklinik Finkenau. Acht Tage nach der Entbindung wurde sie am 23. Juni 1944 mit ihrer Tochter Alfrede zurück in das Lager Kampchaussee entlassen. Dort musste Alfrede die kurze Zeit ihres Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für sie völlig unzureichend.
Am 26. Juli 1944 wurde sie in das Allgemeine Krankenhaus Langenhorn mit der Diagnose „Ernährungsstörungen“ eingeliefert. Nach elf Tagen verstarb sie dort am 6. August 1944 um 8:00 Uhr. In der Todesanzeige des Krankenhauses ist als Todesursache „Pädatrophie“ (Auszehrung – schwerster Grad der Ernährungsstörung) und als unterzeichnender Arzt Blumenthal angegeben.
Alfrede wurde 1 Monat, 3 Wochen und 1 Tag alt.
Sechs Tage nach ihrem Tod fand ihre Beisetzung am 12. August 1944 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, Grablage: Q 39, Reihe 5, Nr. 31. Ihr Grab ist nicht mehr erhalten. Ende des Jahres 1959 wurde es zusammen mit mindestens 146 Gräbern der Kinder von Zwangsarbeiterinnen auf Areal Q 39 eingeebnet.