Etkar Josef André
* 1894
ETKAR JOSEF ANDRÉ
MDHB 1921 KPD
JG. 1894
VERHAFTET 5.3.1933
„VORBEREITUNG ZUM HOCHVERRAT“
UNTERSUCHUNGSGEFÄNGNIS
HOLSTENGLACIS
HINGERICHTET 4.11.1936
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |
Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.
© Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg
Etkar Joseph André wurde am 17. Januar 1894 als drittes Kind einer in Aachen lebenden jüdischen Handwerkerfamilie geboren. Der Verlust seines Vaters im Alter von fünf Jahren bedeutete den Beginn einer Kindheit am Rande der Subsistenz. Eine schwere Lungenerkrankung der alleinerziehenden Mutter zwang die Familie zu Verwandten im wallonischen Lüttich überzusiedeln.
Durch ihren Tod 1907 wurde Etkar André noch im Kindesalter Vollwaise und zog in ein Brüsseler Waisenhaus. Hier erhielt die französische Sprache nunmehr den Charakter einer Muttersprache.
Nach seiner Schulentlassung und einer nicht abgeschlossenen Buchhändlerlehre erlernte André den Beruf des Schlossers. Das in diesen Jahren beginnende starke Engagement in der sozialistischen Arbeiterjugend bedeutete eine wichtige Weichenstellung für seinen späteren Werdegang. Als 17jähriger trat er der Sozialistischen Partei Belgiens bei und war bereits zwei Jahre später Sekretär in der Brüsseler Sektion der „Jungen Sozialistischen Garde“. Welch hohes Ansehen André schon bald in seiner Partei genoss, zeigt sich nicht zuletzt an seiner Wahl zum Delegierten für den Parteitag der Belgischen Sozialisten 1914.
Bei Kriegsbeginn geriet der gebürtige Deutsche, inzwischen politisch wie sozial in seiner Wahlheimat Belgien Verwurzelte, zwischen die Fronten europäischer Machtpolitik: Nach dem deutschen Einmarsch in Belgien im September 1914, sah sich André einer starken antideutschen Stimmung in der Bevölkerung gegenüber. Der junge Sozialist versuchte sein Gefühl der Entwurzelung zu kompensieren, indem er sich – obwohl der deutschen Sprache kaum mächtig – freiwillig zum Kriegsdienst im Kaiserlichen Heer meldete. Seine militärische Grundausbildung erhielt er in Koblenz. Zum Einsatz kam er als Mannschaftsdienstgrad in verschiedenen Abschnitten an der Westfront. Er nahm u.a. an der Schlacht bei Langemarck teil und geriet kurz vor Kriegsende in französische Kriegsgefangenschaft.
Nach seiner Entlassung und anschließenden Demobilisierung fand André zunächst Arbeit im Koblenzer Hafen. Auch politisch suchte er in der Stadt am Deutschen Eck Fuß zu fassen: 1920 trat er hier der SPD bei, wo er sich zunächst besonders in der Arbeiterjugend engagierte. Es war der Verlust seiner Arbeitsstelle, der den Deutsch-Belgier schließlich nach Hamburg führte.
Die Aufhebung der Seeblockade ließ André hoffen, im Überseehafen der Hansestadt eine Arbeit zu finden. Doch war ihm eine feste Stellung auch hier nicht beschieden. So sah er sich im Zeichen von Hyperinflation und Wirtschaftskrise gezwungen, seinen Lebensunterhalt durch eine unregelmäßige, immer wieder von Arbeitslosigkeit unterbrochene Tätigkeit als Schauermann zu bestreiten. Schon bald machte sich André einen Namen in der Hamburger Erwerbslosenbewegung, die ihn wegen seines Rede- und Organisationstalents 1922 zu ihrem Vorsitzenden wählte. Über seine dortige Tätigkeit lernte André auch seine langjährige politische Weggefährtin und spätere Frau, die Itzehoerin Martha Berg kennen.
Als im Winter 1922 Demonstrationen der notleidenden Bevölkerung losbrachen, stand André – wie so oft in den kommenden Jahren – in vorderster Linie. Auf dem Rathausplatz formulierte er die Forderungen der Erwerbslosen, wurde, als die Schutzpolizei unter Einsatz von Waffen eingriff, als „Rädelsführer“ festgenommen und für kurze Zeit inhaftiert. Dass ein sozialdemokratischer Polizeisenator für den harten Polizeieinsatz, bei dem zahlreiche Demonstranten ums Leben kamen, verantwortlich war, mag André endgültig dazu bewogen haben, der SPD den Rücken zu kehren.
Anfang 1923 trat er der KPD bei, zu der sich über die Arbeit in der Erwerbslosenbewegung ohnehin intensive Kontakte entwickelt hatten. 1923 war André führend am Hamburger Aufstand beteiligt. Im Zuge der Verhaftungswelle nach dem schnellen Zusammenbruch der kommunistischen Erhebung wurde auch er zunächst in Gewahrsam genommen, allerdings nach drei Monaten „Schutzhaft“ wieder auf freien Fuß gesetzt.
Das Jahr 1926 markiert den Aufstieg Etkar Andrés in die Führungsspitze des Bezirks „Wasserkante“, einem von insgesamt 27 KPD-Bezirken auf Reichsebene. Seine Tätigkeit hier konzentrierte sich vor allem auf die Führung der 1924 gegründeten kommunistischen Wehrorganisation, den „Roten Frontkämpferbund“ (RFB). Daneben war er gewerkschaftlich im „Internationalen Seeleute- und Hafenarbeiterverband“ und im „Hamburger Internationalen Seemannsclub“ tätig.
Etkar André war alles andere als ein theoretisch geschulter Parteiideologe. Auch nach seiner Wahl in die Hamburger Bürgerschaft 1927 blieb er ein „Mann der Straße“, der die Vorgaben der Parteiführung vor Ort umzusetzen suchte. Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, dass sich André von 1928 bis Ende 1932 insgesamt elf Anträgen der Strafverfolgungsbehörden an die Bürgerschaft ausgesetzt sah, seine parlamentarische Immunität aufzuheben. Das Abgeordnetenmandat bewahrte André jedoch in den meisten Fällen vor einer Strafverfolgung. Strafverbüßungen – etwa eine 15monatige Gefängnisstrafe wegen Beteiligung an einem Überfall auf Teilnehmer einer NSDAP-Versammlung bei Sagebiel – wurden ausgesetzt.
Nach dem Verbot des „Roten Frontkämpferbundes“ im Mai 1929 durch Reichsinnenminister Carl Severing wirkte André entscheidend an der Überführung der etwa 80 000 Mitglieder zählenden Organisation in die Illegalität mit. Die Verlagerung der Arbeit in den Untergrund mag André bewogen haben, sich im Oktober 1929 in das abgelegene Cuxhaven zurückziehen. Hinzu kam, dass die Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung ab 1929 den „Roten General“ – wie ihn Anhänger und Gegner gleichermaßen nannten – in zunehmendem Maße zur Zielscheibe nationalsozialistischer Nachstellungen und Anschläge werden ließ. Einem eigentlich Etkar André geltenden Mordanschlag Hamburger SA-Leute fiel im März 1931 der kommunistische Bürgerschaftsabgeordnete und André-Vertraute Ernst Henning zum Opfer.
André, der in Cuxhaven in der Nordersteinstraße bei dem KPD-Mitglied Heinrich Weseloh zur Untermiete wohnte, kandidierte 1930 bei den Wahlen zur Cuxhavener Stadtvertretung auf Platz eins seiner Parteiliste.(36 Die KPD errang 3,82 % und konnte ihren Spitzenkandidaten ins Stadtparlament entsenden. Ein Blick in die Sitzungsprotokolle der Cuxhavener Stadtvertreterversammlung zeigt allerdings, dass Andrés Wirken hier im Schatten sowohl seiner Verpflichtungen als Hamburger Bürgerschaftsabgeordneter als auch seiner außerparlamentarischen Parteiaufgaben blieb. Einmal abgesehen von der Eröffnungssitzung am 31. Oktober, in der André mit mehreren Anträgen auf Außenwirkung zielte, nutzte er die parlamentarische Plattform kaum zur Darstellung kommunalpolitischer Ziele der Cuxhavener Kommunisten. Er beschränkte sich vielmehr auf die Unterstützung bzw. Ablehnung von Anträgen anderer Fraktionen. Mit der Fraktion der NSDAP gab es einen Berührungspunkt, als André den Antrag der Nationalsozialisten auf Streichung der für die Cuxhavener Verfassungsfeier 1931 bereitgestellten Gelder unterstützte. Ab Mitte 1931 nahm Etkar André nur noch selten an Stadtvertreterversammlungen teil und gab sein Mandat schließlich zugunsten von Heinrich Weseloh am 30. Juni 1932 zurück.
Die beginnenden dreißiger Jahre waren gekennzeichnet durch eine intensive Reisetätigkeit. Als Leiter einer Arbeiterdelegation reiste André im November 1930 in die Sowjetunion, wo er sich bis Anfang 1931 aufhielt. 1932 lebte er für kurze Zeit in Paris, wo er Kontakte zur Kommunistischen Partei Frankreichs herstellte und die bereits zu diesem Zeitpunkt in Betracht gezogene, illegale Arbeit deutscher Kommunisten im Untergrund vorbereitete. Nur wenige Tage nach Erlass der sog. „Reichstagsbrandverordnung“, die im Reich den permanenten Ausnahmezustand etablierte, wurde Etkar André am 3. März 1933, mit dem Zug von Cuxhaven kommend, in Harburg-Wilhelmsburg festgenommen. Interventionen des damaligen Bürgerschaftspräsidenten Ruscheweyh unter Hinweis auf die Immunität Andrés und die fehlende rechtliche Grundlage der Verhaftung blieben ohne Erfolg.
Nachdem schließlich der am 5. März 1933 vom Reichsinnenminister zum „Reichskommissar für die Polizeibehörde“ ernannte Bürgerschaftsabgeordnete und Nationalsozialist Richter Haftbefehl gegen alle männlichen Mitglieder der kommunistischen Bürgerschaftsfraktion erlassen hatte, ließ Bürgermeister Krogmann den protestierenden Bürgerschaftspräsidenten wissen: „Der Polizeiherr verfährt, wie es im Interesse des Staates richtig ist, und seine Maßnahmen werden vom Senat gebilligt.“ Auch Andrés Ehefrau wurde im Oktober 1933 vorübergehend festgenommen, nach zahlreichen Verhören aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie verließ Deutschland und arbeitete später in kommunistischen Emigrantenzirkeln in Paris. Nach dem Krieg lebte sie bis zu ihrem Tode 1966 als Trägerin der Clara-Zetkin-Medaille und Veteranin der SED in Berlin.
Während seiner mehr als dreijährigen Haft war André schwersten Folterungen und Misshandlungen ausgesetzt. Immer wieder wurde er, der schon auf Krücken ging und seiner Verletzungen wegen im Wasserbett liegen musste, seinen ebenfalls in Haft befindlichen früheren Parteifreunden vorgeführt.
Am 4. Mai 1936 begann vor dem Strafsenat des Hamburgischen Oberlandesgerichts der sog. „André-Prozeß“. Es war nach dem Prozess gegen Fiete Schulze, in dem André bereits als Zeuge vernommen worden war, der zweite und zugleich letzte große Hamburger Schauprozess gegen frühere KPD-Funktionäre.
Nachdem in den Jahren 1933-1935 etwa 60 000 KPD-Mitglieder festgenommen waren und die Organisationsstruktur innerhalb Deutschlands als zerschlagen gelten konnte, sollte das bewusst auf mehrere Wochen angesetzte Verfahren der Öffentlichkeit die Liquidierung der Kommunistischen Partei dokumentieren. Angeklagt wegen Hochverrats und der angeblichen Beteiligung am gewaltsamen Tod mehrerer SA-Angehöriger in den Jahren 1930/32, erging am 10. Juli 1936 das von Anbeginn feststehende, angesichts des Zögerns einiger Richter aber doch noch einmal von höchster Stelle geforderte Todesurteil. Darauf und auf den Umstand bezugnehmend, dass damals bei Todesurteilen der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte üblich war, soll André das folgende, vielzitierte Schlusswort vorgetragen haben:
„Meine Herren, wenn der Oberstaatsanwalt auch Ehrverlust beantragt hat, so erkläre ich hier: Ihre Ehre ist nicht meine Ehre. Denn uns trennen Weltanschauungen, uns trennen Klassen, uns trennt eine tiefe Kluft. Sollten Sie hier das Unmögliche möglich machen und einen unschuldigen Kämpfer zum Richtblock bringen, so bin ich bereit, diesen schweren Gang zu gehen. Ich will keine Gnade! Als Kämpfer habe ich gelebt und als Kämpfer werde ich sterben mit den letzten Worten: ‚Es lebe der Kommunismus!‘“. (39
Internationale Proteste gegen das Urteil blieben unbeachtet: Wenige Monate später wurde Etkar André am 4. November 1936 im Alter von 42 Jahren um 6 Uhr morgens im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis durch Enthauptung hingerichtet. Entgegen der bewusst gesuchten Öffentlichkeit des Prozesses und der Tatsache, dass von dem abgeschlagenen Kopf ein Gipsabdruck gemacht wurde, (40 fand die Beisetzung in aller Stille statt, der Ort des Grabes wurde mit peinlicher Genauigkeit geheimgehalten.
Es war deutlich, dass der Schauprozess entgegen der ursprünglichen Intention die Stilisierung
Andrés zum Symbol des vermeintlich ungebrochenen, tatkräftigen kommunistischen Widerstandes gegen das faschistische Regime wesentlich gefördert hatte. Die propagandistisch auch vor dem Hintergrund des beginnenden spanischen Bürgerkriegs zu betrachtende Mythisierung Andrés war aber angesichts der endgültigen Zerschlagung der kommunistischen Parteiorganisation in Deutschland wohl eher ein Reflex der Ohnmacht und hatte wesentlich kompensatorischen Charakter. Dies nimmt nichts von der hohen Popularität, die Etkar André wegen seiner Unerschrockenheit und Volksnähe insbesondere in der jungen Hamburger Arbeiterschaft genoss.