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Gustav Brandt
* 1894

GUSTAV BRANDT
MDHB 1931 – 1933 KPD
JG. 1894
VERHAFTET 1933
ZUCHTHAUS MÜNSTER
1945 TRANSPORT CELLE
ERSCHOSSEN VON SS
APRIL 1945

Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)

Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |

Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.

Gustav Brandt wurde am 4. April 1894 in Wolfsdorf, Kreis Elbing in Ostpreußen geboren. Von seinem 8. bis zum 14. Lebensjahr besuchte er in den Jahren 1902 bis 1908 die Volksschule. Danach fuhr er bis zum Kriegsausbruch 1914 zur See. Das politische Engagement Gustav Brandts begann 1910 mit seinem Beitritt zur SPD im Alter von 16 Jahren.

Bei Kriegsbeginn wurde er in die kaiserliche Marine eingezogen, wo er das Patent als „Schiffer auf kleiner Fahrt“ erwarb. Später gehörte Brandt, der sich 1918 dem Spartakusbund anschloss, der „Volksmarinedivision“ an. Deren Kern meuterte Weihnachten 1918 in Berlin und stellte dabei den sozialdemokratischen Stadtkommandanten Otto Wels sowie einige Angehörige des „Rates der Volksbeauftragten“ für kurze Zeit unter Arrest. 1919, als der Ruf: „Alle Macht den Räten!“ bereits verhallt war, schloss sich Brandt der KPD an.

Die Verbindung von Beruf und politischer Überzeugung führten ihn in die „Rote Marine“, die dem 1924 gegründeten „Roten Frontkämpferbund“ (RFB) der KPD angegliedert war. Bis zum reichsweiten Verbot des RFB 1929 arbeitete Gustav Brandt in der Bezirksleitung der „Roten Marine“, der im Bezirk „Wasserkante“ die Gebiete Hamburg, Schleswig-Holstein und die nördlichen Teile der damaligen Provinz Hannover unterstanden. In den ersten Jahren der Weimarer Republik fuhr er erneut für kurze Zeit zur See, war dann aber vornehmlich in verschiedenen Berufszweigen an Land tätig.

Wohnhaft in der Niendorfer Straße in Eppendorf, der heutigen Geschwister-Scholl-Straße, war er von 1927 bis zu seiner Verhaftung 1933 Arbeiter auf den Hamburger Werften Stülcken, Vulkan und Reiherstieg. Auf der Vulkan-Werft war er Ende der 1920er Jahre Mitglied des Betriebsrates.

1931 wurde Gustav Brandt als Abgeordneter der KPD in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, der er bis zum Parteiverbot und der gleichzeitigen Kassierung ihrer Mandate Ende März 1933 angehören sollte. Als Redner ist er für seine Partei nicht hervorgetreten.

Noch 1933 wurde er von der NS-Justiz wegen seiner angeblichen Beteiligung am „Altonaer Blutsonntag“ – einer erbitterten Straßenschlacht zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, bei der am 17. Juli 1932 siebzehn Menschen getötet und mehrere hundert verletzt worden waren – zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Brandt verbüßte seine Strafe bis 1944 im Zuchthaus Münster. Aber auch nach Ablauf der Haft blieb er dort zunächst unter Arrest. Er wurde gemustert und erwartete im Zuchthaus seine Einberufung zum Militär. Im Frühjahr 1945 sollte er zusammen mit anderen Häftlingen von Münster nach Werl überstellt werden. Wegen Überfüllung konnten die Häftlinge dort jedoch nicht aufgenommen werden, so dass der Transport nach Celle umgeleitet wurde. Dort ist Gustav Brandt nie angekommen. Nach Bericht eines Überlebenden des damaligen Häftlingstransports, wurde er auf dem Weg von der SS-Wachmannschaft erschossen:

„Unterwegs wurde dieser Transport geteilt. Und die Hälfte bekam die Bewachung durch den Volkssturm, die andere Hälfte bekam ihre Begleitung durch die SS. Im weiteren Verlauf hat der Volkssturm sich mit seinen Gefangenen den Engländern ergeben. Die SS hat ihre Gefangenen umgelegt und sich dann in die Büsche geschlagen. Guschi Brandt mit vielen anderen wird als Namenloser auf diesem Wege liegen.“

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