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Kurt Adams
* 1889

DR. KURT ADAMS
MDHB 1924 – 1933 SPD
JG. 1889
AUS DEM STAATSDIENST
ENTLASSEN 1933
VERHAFTET 24.8.1944
„AKTION GEWITTER“
BUCHENWALD
TOT 7.10.1944

Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)

Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |

Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.

Kurt Adams mit Ehefrau Maria und Tochter Maria 1919
© Privatbesitz

Das parlamentarische Engagement des Studienrates Kurt Adams galt vor allem der Hamburger Schulpolitik. Daneben galt er als Finanz- und Steuerexperte der sozialdemokratischen Bürgerschaftsfraktion und äußerte sich immer wieder auch zu Fragen der Sozialpolitik. Beides sind Belege für sein breites Interessengebiet, das sein berufsspezifisches Anliegen einer Reform des Hamburger Schulwesens weit überschritt. Kurt Adams war Parlamentarier par excellence: Er verstand es, seine umfassenden Kenntnisse auf verschiedenen Politikfeldern in beeindruckender Rhetorik und – wo es ihm geboten erschien – auch in deutlicher Positionierung gegen den politischen Gegner zu entwickeln. Von 1924 bis zur „Gleichschaltung“ der Hamburger Bürgerschaft 1933 gehörte er zu den Stützen der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion.

Kurt Adams wurde am 15. Dezember 1889 als Sohn des Kaufmanns Richard Adams in Hamburg geboren. Ostern 1896 wurde er an der Realschule „Vor dem Lübeckertor“ eingeschult. 1905 schloss er mit dem Zeugnis für den einjährig-freiwilligen Dienst ab, verbrachte ein halbes Jahr in Paris und trat Ende September in die Oberrealschule „Auf der Uhlenhorst“ ein. Hier legte er drei Jahre später die Reifeprüfung ab. Danach nahm Kurt Adams das Studium der Fächer Deutsch, Französisch und Geschichte auf. Er studierte jeweils ein Semester in Göttingen, Freiburg i.B. und Berlin und schließlich vier Semester in Greifswald, wo er 1912 mit einer Dissertation zum Thema „Otto Ludwigs Theorie des Dramas“ zum Dr. phil. promoviert wurde.

Sein beruflicher Werdegang begann 1913 mit dem Eintritt in den Hamburgischen Schuldienst. Adams war zunächst Kandidat und seit 1918 Oberlehrer an der Oberrealschule „Vor dem Holstentor“, dem heutigen „Albrecht-Thaer-Gymnasium“. Hier unterrichtete er die Fächer Deutsch, Französisch und Geschichte. Sein pädagogisches Ideal orientierte sich an den Erkenntnissen der Reformpädagogik. In seinen eigenen Klassen folgte er dem Konzept des „Gesamtunterrichts“ und suchte im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichtsansatzes lebensweltliche Erfahrungen seiner Schüler zum Ausgangspunkt gemeinsamen Lernens zu machen.

In die gleiche Richtung ging sein Engagement für die 1919 gegründeten Hamburger Versuchsschulen, die eine Umsetzung der insbesondere von der Volksschullehrerschaft erhobenen Forderung nach Einrichtung einer selbstverwalteten, kollegial geführten Einheitsschule anstrebten.

An der Schule „Tieloh-Süd“ in Barmbek erteilte er Kurse und hospitierte 1926 in seiner Funktion als Mitglied des Schulbeirats zur Begutachtung der Versuchsschulen an den drei anderen Versuchsschulen in der Telemannstraße, der Breitenfelder Straße und am Berliner Tor. Auch im Parlament war Adams ein beharrlicher Vertreter der Interessen des Hamburger Schulwesens. Praktische Fragen wie z.B. die Erneuerung von Heizungsanlagen oder die Sanierung von Gebäuden fanden dabei ebenso sein Interesse wie Fragen pädagogischkonzeptioneller Art.

So setzte sich Adams für die Abschaffung der Prügelstrafe, für die Herabsetzung der Wochenstundenzahl von damals 41 Stunden für Schüler und schließlich die stärkere Förderung von Schülerreisen und Schülerwanderungen ein. Auch in der Bürgerschaft machte er deutlich, dass er dem gemeinsamen Tun der Schüler mehr Bedeutung beimaß als dem „Bildungswust [...], der in den höheren Schulen seit Jahren Platz gegriffen hat“ (24 – eine Einschätzung, die ihm heftige Kritik von Seiten des Philologenverbandes eintrug, der seine wichtigsten parlamentarischen Exponenten damals in den Reihen der Deutschnationalen Partei hatte.

Ein besonderes Anliegen war dem sozialdemokratischen Bildungsfachmann schließlich auch das Aufbrechen des engen Zusammenhanges von sozialer Ungleichheit und Bildungschancen – die Forderung nach Abschaffung des Schulgeldes und nach einer Erhöhung der Hamburger Erziehungsbeihilfen stehen hier pars pro toto. Adams war in den Jahren seiner Parlamentszugehörigkeit Mitglied des Schulbeirates, der Hochschulbehörde und schließlich ehrenamtlicher Jugendpfleger. Bei den Reichstagswahlen 1928 und 1930 stand er auf einem von vornherein aussichtslosen hinteren Listenplatz seiner Partei.

Neben seiner parlamentarischen Tätigkeit engagierte sich Adams in den 1920er Jahren in der sozialdemokratischen Kinderfreundebewegung. (25 In Hamburg deren Leiter, gehörte er zeitweilig auch der Reichsleitung der Arbeitsgemeinschaft Kinderfreunde an. In dieser Funktion hatte er vielfältige Kontakte zu Vertretern sozialistischer Jugendbewegungen im Ausland. Besonders intensive Beziehungen pflegte der Hamburger zu den sozialdemokratisch orientierten Jugendbewegungen in Dänemark, Frankreich und Österreich. Bereits kurze Zeit nach seinem Eintritt in den Hamburgischen Schuldienst hatte er sich in der „Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens“ organisiert. Seit 1919 war er in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer aktiv, deren Hamburger Ortsgruppe er über lange Jahre hinweg vorstand.

Im Oktober 1929 übernahm Kurt Adams die Leitung der Hamburger Volkshochschule. Hier gelang es ihm, unter den außerordentlich schwierigen Bedingungen der Wirtschaftskrise die Erwachsenenbildung nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern gleichzeitig wichtige Akzente zu setzen. Gleich nach seiner Amtsübernahme suchte er das Angebot stärker hörerorientiert zu gestalten, indem er sich mit Hilfe einer im Wintersemester 1929/30 und im Sommersemester 1930 durchgeführten Umfrage ein Bild über die Beweggründe für den Besuch der Volkshochschule verschaffte. Besonders wichtig war ihm auch hier das methodische Prinzip vom gemeinschaftlichen Lernen: Weg von der Vorlesung und hin zur Arbeitsgemeinschaft – so das didaktische Credo des sozialdemokratischen Reformpädagogen. Als wichtigste Lernziele der Erwachsenenbildung nannte er in einer 1931 veröffentlichten Schrift die Herausbildung von Toleranz und „Verantwortungsbewußtsein für die Allgemeinheit“. Der Erfolg seiner Arbeit manifestierte sich nicht zuletzt in steigenden Hörerzahlen: Hatten sich im akademischen Jahr 1928/29 etwa 10 000 Hörer eingeschrieben, so waren es 1932/33 bereits über 15 000 Hamburger, die das Kursangebot der Volkshochschule wahrnahmen.

Bei Umbildung der letzten frei gewählten Hamburger Bürgerschaft entsprechend dem Ergebnis der Reichstagswahlen vom 5. März 1933 verlor Kurt Adams sein Abgeordnetenmandat. Das Berufsverbot für den sozialdemokratischen Bildungs- und Sozialpolitiker folgte nach dem Verbot der SPD als landesverräterische“ Partei durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933.

Obgleich Adams mit Blick auf seinen Beamtenstatus dem Rat der sozialdemokratischen Parteiführung inzwischen gefolgt war und seinen Parteiaustritt erklärt hatte, wurde er am 23. Juni 1933 im Alter von 44 Jahren aus dem Hamburger Staatsdienst entlassen.

Kurt Adams hat es damals abgelehnt, seine politischen Überzeugungen öffentlich zu widerrufen und damit die von „Reichsstatthalter“ Karl Kaufmann für eine Wiedereinstellung in den Staatsdienst aufgestellte Bedingung zu erfüllen.

Das Berufsverbot brachte Kurt Adams und seine Familie in eine wirtschaftlich schwierige Lage. Seine bescheidenen Ruhegehaltsbezüge, von denen er seine kranke Frau (29 und drei in der Ausbildung befindliche Kinder zu ernähren hatte, suchte er zunächst durch eine Tätigkeit als Annoncenwerber für Kinozeitungen aufzubessern. Die Bekanntschaft mit dem Kaffeeimporteur Willy Heydorn, der in den Jahren 1931/32 Kurse bei Adams an der Hamburger Volkshochschule besucht hatte, eröffnete den Weg in die Selbständigkeit.

An der Holzbrücke beim Nicolai-Fleet eröffnete Kurt Adams ein Kaffeeversandgeschäft, von dem aus er per Fahrrad vor allem Kunden aus seinem großen Bekanntenkreis belieferte. Die über diesen Weg weiterbestehenden regelmäßigen Kontakte zu politisch Gleichgesinnten ließen das kleine Kontor am Nicolai-Fleet schon bald zu einer Verteilungsstelle für illegales, politisches Schriftmaterial und zur Kontaktstelle von Mitgliedern des sozialdemokratischen und kommunistischen Widerstandes in Hamburg werden. Unter hohem Risiko transportierte Adams bei seinen Auslieferungsfahrten zwischen den Kaffeetüten verstecktes Schriftmaterial, gab Informationen weiter und half anderen in Not geratenen Verfolgten, wie etwa dem früheren Lehrer und kommunistischen Bürgerschaftsabgeordneten Hermann Hoefer. Auf Vermittlung von Hoefer erhielt Adams später eine Stellung als kaufmännischer Angestellter im Internat Marienau.

Auch wenn Kurt Adams selbst keiner Widerstandsorganisation angehörte, leistete er ähnlich wie die Gruppe um seinen Bürgerschaftskollegen Walter Schmedemann, zu der er in den Jahren 1933 und 1934 offenbar in Kontakt gestanden hat, eine Form aktiven Widerstandes.

Ende der 1930er Jahre stellte sich bei Kurt Adams eine schwere Erkrankung ein. Der Tod seines Sohnes Kurt im September 1941 an der Ostfront, setzte Adams ebenso zu. Wie viele andere Regimegegner wurde auch Kurt Adams nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 im Zuge der sog. Aktion „Gewitter“ verhaftet.

Kurz vor Beginn der reichsweiten Verhaftungswelle hatte er sich einer schweren Blasenoperation unterziehen müssen und sich im Anschluss daran zu einem Erholungsaufenthalt bei seiner in Dessau lebenden Cousine begeben. Verhaftet wurde Adams bei einem von dort aus unternommenen Besuch im thüringischen Greiz. Hier hatte er den Vater einer Freundin seines gefallenen Sohnes in einer Rechtsstreitigkeit unterstützen wollen.

Aufgrund seiner Verhaftung in Thüringen wurde Kurt Adams am 28. August 1944 in das zu diesem Zeitpunkt mit etwa 84 000 Häftlingen bereits hoffnungslos überfüllte Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar deportiert. Nach Berichten von Überlebenden des KZ Buchenwald hat Kurt Adams „die Strapazen der Arbeit und Unterernährung bei Kälte und dürftigster Bekleidung nicht überwinden können“. Nach kurzer Zeit erkrankte er an einer Lungen- und Gehirnentzündung. Auf Betreiben der vor allem aus politischen Häftlingen bestehenden, illegalen Lagerorganisation und der darauf fußenden Häftlingsselbstverwaltung wurde er am 15. September in den „Krankenbau“ verlegt. Hier war es der frühere Reichstagsabgeordnete Hermann Brill, der Kurt Adams pflegte und in den letzten Wochen seines Lebens engen Kontakt zu ihm hatte. Sechs Wochen nach seiner Verhaftung verstarb Kurt Adams am 7. Oktober 1944 im Alter von 54 Jahren an den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen und der von den nationalsozialistischen Machthabern betriebenen planmäßigen „Vernichtung durch Arbeit“.

Zum Gedenken an den früheren SPD-Bürgerschaftsabgeordneten trägt ein Platz in Lohbrügge
seinen Namen.

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