Max Eichholz
* 1881
DR. MAX EICHHOLZ
MDHB 1920 – 1933
DDP / DSTP
JG. 1881
MEHRMALS VERHAFTET
ZULETZT 1938
KZ FUHLSBÜTTEL
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 12.1.1943
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |
Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.
© StaH
Max Eichholz kam am 3. Dezember 1881 in Hamburg zur Welt. Seine Eltern konnten ihm eine erstklassige Schulausbildung ermöglichen: Max Eichholz besuchte zunächst die Privatschule von Adolf Thomsen, bevor er auf das renommierte Wilhelmgymnasium überwechselte, wo er 1900 das Abitur bestand. Nach vierjährigem Jurastudium an den Universitäten Heidelberg, Marburg und Berlin wurde er an der Universität Freiburg/ Br. mit einer Arbeit über die Rechtsstellung des Kapitäns zum Dr. jur. promoviert. 1904 bestand er das Referendarexamen in Karlsruhe, 1905 folgte die Promotion zum Thema „Die Rechtsstellung des Kapitäns nach der Seemannsordnung vom 02. Juli 1902“. Bis zu seiner Assessorprüfung 1907 war Eichholz als Referendar im Hamburger Justizdienst tätig. Dann entschloss sich der promovierte Rechtsassessor für den Weg in die Selbständigkeit und eröffnete in der Hamburger Königstraße eine Anwaltspraxis.
Bei Kriegsausbruch meldete sich Max Eichholz als Freiwilliger zum kaiserlichen Heer. Wegen eines Augenleidens fand er zunächst Verwendung als Ausbilder in Bahrenfeld und Schwerin, ließ sich dann aber zum Feldartillerieregiment 35 versetzen, das – wie er wusste - für den Fronteinsatz vorgesehen war. Zunächst wurde Eichholz an der Ost- und später, nach dem Waffenstillstand mit Russland, an der Westfront eingesetzt. Während des Krieges wurde er zum Leutnant d.R. befördert und erhielt verschiedene Kriegsauszeichnungen, so das Eiserne Kreuz 2. Klasse, das Ehrenkreuz für Frontkämpfer und das Hanseatenkreuz.
Nach Kriegsende kehrte Eichholz in seine Heimatstadt zurück und nahm seine Tätigkeit als niedergelassener Anwalt wieder auf. 1919 heiratete er die Hamburgerin Adele (genannt Daisy) Elias. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die 1920 und 1923 geboren wurden. Eichholz und seine Familie wohnten bis 1924 in der Haynstraße, bis 1937 in der Bebelallee und schließlich noch kurze Zeit am Mittelweg.
Im selben Jahr erfolgte der Beitritt zur „Deutschen Demokratischen Partei“ (DDP), die dem „Bürgerverein für Harvestehude und Rotherbaum“ nahestand, in dem sich Eichholz engagierte.
In den 1920er Jahren gründete er zusammen mit zwei weiteren Rechtsanwälten die schon bald renommierte Sozietät „Dres. Eichholz, Ruscheweyh und Häckermann“. Die anwaltliche Zusammenarbeit mit dem SPD-Abgeordneten und späteren Bürgerschaftspräsidenten Herbert Ruscheweyh war die berufsbiographische Entsprechung der jahrelangen politischen Zusammenarbeit von SPD und DDP/DStP in der Bürgerschaft und im Senat der Freien und Hansestadt Hamburg.
Der Bürgerschaft gehörte Max Eichholz von 1920 bis zu ihrer Auflösung 1933 an. Seine zahlreichen bedeutenden Redebeiträge waren nicht nur Manifestationen glänzender Rhetorik und politischen Scharfsinns; sie lassen auch sein stetes Bemühen um den Kompromiss als oberstes Ziel politischer Willensbildung erkennen. Seine umfangreiche Ausschusstätigkeit mit einem Schwerpunkt in den Bereichen Bau, Finanzen und Soziales zeigt das breite Spektrum seiner politischen Arbeit. Eichholz ging es vor allem darum, administrative Effizienz mit seinem gesellschaftspolitischen Ziel der Milderung sozialer Ungleichheit zu verbinden.
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war er Förderer der sog. „Volksheimbewegung“, deren Ziel es war, Kinder unterschiedlichen sozialen Hintergrunds in Freizeiten einander näherzubringen. Als Parlamentarier standen der „Bau von Wohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung“ – heute als sozialer Wohnungsbau bezeichnet – der Mieterschutz oder die Interessen der Kleinsparer im Mittelpunkt seiner Arbeit. Dass er dabei nie – wie er sagte – „die pekuniären Interessen des Staates“ aus dem Auge verlor, lässt ihn als einen Politiker erscheinen, der seine Vision immer in enger Orientierung am Möglichen umzusetzen versuchte.
Als nach den Reichstagswahlen vom September 1930 die Nationalsozialisten reichsweit einen Stimmenanteil von über 18 % erreicht hatten und die bürgerlichen Mittelparteien mit einem programmatischen Rechtsruck dieser Entwicklung entgegenzusteuern suchten, warnte Eichholz vor einem Bruch der politischen Zusammenarbeit zwischen Bürgertum und Sozialdemokratie. Diese sah er als Garanten für politische Stabilität sowohl im Reich als auch in den Ländern. Gleichzeitig forderte er ebenso wie sein Parteifreund, der langjährige Hamburger Bürgermeister Carl Petersen, eine härtere Gangart des Staates gegenüber den radikalen Parteien: „Es ist ein Grundfehler von uns gewesen, mit denen, die nur die Diktatur anerkennen, über Demokratie zu streiten“, so seine selbstkritische Einschätzung am 30. September 1930 vor der Hamburger Bürgerschaft.
Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bedeutete für Eichholz einen tiefen Einschnitt in politischer, beruflicher und privater Hinsicht. Der im März 1933 „gleichgeschalteten“ Bürgerschaft gehörte er nicht mehr an. Zwar konnte er zunächst noch seine anwaltliche Tätigkeit fortsetzen, war aber nach Erlass der Nürnberger Gesetze und dem damit verbundenen Ausschluss jüdischer Bürger aus der Staatsgemeinschaft zunehmenden Repressalien ausgesetzt. In den Jahren 1935 bis 1938 wurde Max Eichholz wiederholt verhaftet, ohne Gerichtsverfahren in die Konzentrationslager Fuhlsbüttel (KolaFu) und Sachsenhausen gebracht und dort in jeweils mehrwöchiger Haft schwer misshandelt. Als nach einer erneuten Verhaftung im Anschluss an die sog. „Reichskristallnacht“60 Adele Eichholz vehement bei den Behörden protestierte, wurde auch sie für einige Tage in „Schutzhaft“ genommen und in Fuhlsbüttel interniert.
Mit dem Berufsverbot für jüdische Anwälte war Eichholz Ende 1938 gezwungen, seine seit 1935 allein geführte Anwaltspraxis aufzulösen. Trotz Entrechtung und Verfolgung hatte er es als Patriot bis dahin abgelehnt, in die Emigration zu gehen. Unter dem Eindruck einer zweimonatigen Haft im Anschluss an die Reichspogromnacht rang er sich zu Jahresbeginn 1939 schließlich durch, wenigstens seine Familie außer Landes zu bringen.
Adele Eichholz und ihre Söhne gingen zunächst nach Großbritannien, wo sie vorübergehend in Bristol, ab 1940 in Leeds wohnten. Eichholz‘ älterer Sohn Günter, der Ostern 1938 am Hamburger Johanneum seine Reifeprüfung abgelegt und in Großbritannien ein Physikstudium aufgenommen hatte, diente in den Jahren 1942 bis 1946 als Wissenschaftsoffizier bei der Britischen Admiralität. 1947 verließen Daisy Eichholz und ihre Söhne England, um nach Vancouver in Kanada überzusiedeln. Adele Eichholz verstarb hier 1972.
Als Max Eichholz, seiner materiellen Existenzgrundlage beraubt, schließlich auch selbst Vorbereitungen für den Gang in die Emigration traf, wurde er am 10. März 1939 in Hamburg erneut verhaftet. Unter Anwendung der diskriminierenden und entrechtenden Bestimmungen der sog. „Nürnberger Gesetze“ von 1935 wurde Max Eichholz zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren verurteilt. Er trat die Haft in Fuhlsbüttel an, es folgte die Verlegung nach Bremen Oslebshausen, um erneut wieder nach Fuhlsbüttel verlegt zu werden. Schließlich wurde Eichholz am 10. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert und dort am 11. Januar 1943 ermordet.
Heute erinnert ein Straßenzug in Lohbrügge an diesen bedeutenden Hamburger Politiker.