Theodor Haubach
* 1888
DR. THEODOR HAUBACH
MDHB 1927 – 1929 SPD
JG. 1888
MITGLIED „KREISAUER KREIS“
1944 VERHAFTET
BERLIN – PLÖTZENSEE
HINGERICHTET 23.1.1945
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |
Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.
© Archiv "Enge Zeit" (S. 57)
Erzählerin: Christine Jensen Sprecher: Viktor Hacker Biografie: Carmen Smiatacz
Theodor Haubach wurde am 15. September 1896 in Frankfurt a.M. geboren. Kindheit und Jugend verbrachte er in Darmstadt. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er von seiner Mutter erzogen, die ihn auch später auf den verschiedenen Stationen seines politischen Wirkens begleitete. Ein nach dem Tod des Vaters bestimmter Vormund ermöglichte Haubach den Besuch des Darmstädter Ludwig-Georgs-Gymnasiums, an dem er 1914 das Abitur ablegte. Unmittelbar nach seiner Schulentlassung meldete er sich im Rahmen der allgemeinen Kriegsbegeisterung als Freiwilliger ins kaiserliche Heer. Wenig später stand er bereits als junger Offizier an der Westfront, wo er mehrfach verwundet wurde.
1919 begann Haubach in Heidelberg das Studium der Philosophie und Soziologie, hörte unter anderem bei Alfred Weber, Emil Lederer und Karl Jaspers. In seinem engeren Umfeld befanden sich zu jener Zeit sein langjähriger Freund und Weggefährte Carlo Mierendorff, Egon Wertheimer und Emil Henk - um nur einige des damals in Heidelberg versammelten „Darmstädter Kreises“ zu nennen.
Gleich zu Beginn seines Studiums begann sich Haubach politisch wie publizistisch zu betätigen. Sein Doktorvater Karl Jaspers erinnerte sich später, der Student Haubach habe – was damals noch eine Seltenheit war – des Öfteren politische Auseinandersetzungen zum Gegenstand von Seminardiskussionen gemacht. Vor allem aber schrieb Theodor Haubach für das „Tribunal“ seines Freundes Carlo Mierendorff. Ein Blatt, das kompromisslos für ein demokratisches und zugleich sozialistisches Deutschland im Rahmen einer europäischen Wertegemeinschaft eintrat. Der von Haubach und den anderen „Darmstädtern“ verfasste „Aufruf an die französische Jugend“ zum gemeinsamen Aufbau eines neuen Europa, war ein aus der Erfahrung des Ersten Weltkrieges geborenes, richtungweisendes Manifest gegen bisherige Konzepte nationalstaatlicher Machtpolitik. Am Ende seiner Studienzeit promovierte er 1923 mit einer kunstphilosophisch orientierten Arbeit zu Fragen und Problemen der Ästhetik.
Nach Abschluss des Examens ging Haubach nach Hamburg, um dort zunächst eine Tätigkeit am „Institut für Außenpolitik“ aufzunehmen. Sogleich betätigte er sich aktiv für die SPD, der er 1922 beigetreten war, und fand den Weg zu dem Hamburger Ableger des 1923 begründeten „Hofgeismarkreises“ der Jungsozialisten um Alma de l‘Aigle und Gustav Dahrendorf. Lange Jahre des gemeinsamen Weges mit Dahrendorf begannen hier, zunächst in der Redaktion des sozialdemokratischen „Hamburger Echo“, später als Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft.
Ab 1924 war Haubach wesentlich am Aufbau des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ beteiligt, der zunächst als „Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer“ gegründeten, im Kern sozialdemokratischen Parteiformation. Der Intellektuelle mit einem ausgeprägten Sinn für militärische und strategische Fragen wurde in den „Reichsbanner-Gauvorstand Nordwest“ gewählt und avancierte später so-gar zum stellvertretenden Vorsitzenden der Reichsleitung.
1927 folgte die Wahl in die Hamburger Bürgerschaft. Seine großen Reden galten der inneren Führung der Hamburger Polizei, dem Tarifsystem der Hamburger Hochbahn und schließlich einem brisanten Giftgasunfall auf dem Betriebsgelände der Veddeler Firma Müggenburg, der die bislang versteckten Wiederaufrüstungsbemühungen der Reichswehr offen zutage treten ließ.
Doch bereits 1929 gab Haubach sein Mandat zurück, da er zum Pressereferenten von Carl Severings avancierte und diesem ins Reichsinnenministerium nach Berlin folgte. Auch in der Reichshauptstadt setzte Theodor Haubach seine publizistische Tätigkeit in gewohntem Umfange fort. Er schrieb nach wie vor Artikel für den „Reichsbanner“ und saß darüber hinaus mit Mierendorff, Lederer, Wilhelm Sollmann und anderen im Redaktionsbeirat der „Neuen Blätter für den Sozialismus“.
Die „Neuen Blätter“ galten als Sprachrohr einer Gruppe von jungen Intellektuellen, die – als „Reformsozialisten“ bezeichnet – darauf zielten, die Sozialdemokratie ideologisch mit dem politisch-sozialen System der Weimarer Republik auszusöhnen. Sie hielten klassenkämpferische Dogmen v.a. wegen der pragmatischen Haltung der Parteiführung für obsolet und traten für eine Öffnung der SPD für die Mittelschichten ein. Mit dieser Konzeption versuchten Haubach und seine Weggefährten auf dem rechten Parteiflügel, die SPD auch strukturell zu einer staatstragenden Integrationspartei werden zu lassen, die – und hier sah gerade auch Haubach ein wichtiges Anliegen – zur Verteidigung der Republik mit allen Mitteln bereit war. Es waren diese Überlegungen, die ihn zum Fürsprecher einer klaren militärpolitischen Haltung der Sozialdemokratie werden ließen.
Als Voraussetzung für die von ihm angestrebte Republikanisierung der Reichswehr hielt er eine Überwindung der Spannungen zwischen der SPD auf der einen und der militärischen Führung auf der anderen Seite für unverzichtbar. Gemeinsam mit Carl Severing und Julius Leber kritisierte Haubach auf dem Magdeburger Parteitag 1929 die ablehnende Haltung der SPD in der Debatte um den von der Reichsregierung betriebenen Bau des „Panzerkreuzers A“. Den Umstand, dass der sozialdemokratische Reichskanzler und die der SPD angehörenden Reichsminister aus Fraktionszwang gegen die eigene Kabinettsvorlage stimmen mussten, hielt Haubach vor allem aus staatspolitischen Gründen für bedenklich.
Als Ende März 1930 die seit langem vom Reichspräsidenten und seinen Beratern gehegten Pläne zur Etablierung eines sog. „antiparlamentarischen“ und „antimarxistischen“ Präsidialkabinetts realisiert wurden, wechselte Haubach als Pressechef ins Berliner Polizeipräsidium, dessen Führung zur gleichen Zeit Albert Grzesinski übertragen wurde. Von hier aus erlebte Haubach den Sommerwahlkampf 1930, nachdem die Reichsregierung durch eine vorzeitige Reichstagsauflösung den Plan zur Regierungspraxis auf der Basis von Notverordnungen gemäß §48 der Weimarer Reichsverfassung realisieren wollte. Das Ergebnis der „Katastrophenwahlen“ vom September 1930 war, dass die NSDAP zur reichsweit zweitstärksten Partei anwuchs. Haubach analysierte treffend: „Mit dem Wahlausgang stehe nicht nur ‚das ganze politische Werk‘ der Sozialdemokratie, sondern ‚letzten Endes Staat und Demokratie‘ auf dem Spiele“. Dass der Reichsregierung das Erstarken der Nationalsozialisten nicht ungelegen als Handhabe kam, die SPD in eine Tolerierung der Präsidialkabinette zu zwingen, reflektierte Haubach dabei ebenso wenig wie die Parteiführung.
Vielmehr übte er sich in Selbstkritik: Zu lange habe man sich auf die Argumentation verlassen und im Zeichen zunehmender Propaganda von Seiten der radikalen Parteien die politische Aktion vernachlässigt. Mit dem Ziel, dieses Feld nicht allein den antidemokratischen Kräften zu überlassen, forderte er „eine noch nie dagewesene Offensive in der Agitation“.
Die in dieser Hinsicht neuen Massenaufmärsche der republikanischen „Eisernen Front“ 1932 waren daher auch Folgen dieser Überlegungen. Parallel dazu forderte Haubach staatliche Maßnahmen, die es den antidemokratischen Parteien erschwerten, ihre Hetze gegen das republikanische „System“ vorzutragen. Ebenso wie Otto Braun und Carl Severing unterstützte er entsprechende Verordnungen der Reichsregierung.
Im Zeichen des dramatischen Erstarkens der antidemokratischen Kräfte trug Haubach im Grundsatz den von der Parteiführung getragenen Kurs einer Tolerierung des Reichskanzlers Heinrich Brüning (Zentrum) mit. Wiederholt mahnte Haubach jedoch die Entwicklung einer politischen Alternative zum Präsidialkabinett an. Als ersten Schritt einer Reparlamentarisierung der politischen Entscheidungen sah auch er den verschiedentlich diskutierten Eintritt des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun als Vizekanzler in die Reichsregierung an. Diese Konstruktion war jedoch weder im Präsidentenpalais noch in der Reichskanzlei erwünscht.
Haubachs Tätigkeit im Berliner Polizeipräsidium fand mit dem sog. „Preußenschlag“ des Reichskanzlers Franz von Papen ein jähes Ende. Nicht nur die geschäftsführende preußische Regierung Braun-Severing, sondern auch der Berliner Polizeipräsident und dessen Mitarbeiter wurden am 20. Juli 1932 durch die präsidiale Notverordnung ihres Amtes enthoben. Auch Theodor Haubach war somit ein Opfer der autoritären Verfassungskonzepte Hindenburgs und seiner nationalkonservativen Berater, die den Weg in die spätere „Gleichschaltungspolitik“ der Nationalsozialisten ebneten.
Mit dem Machtantritt der NSDAP begann auch für Theodor Haubach die Zeit der Verfolgung. Nachdem er noch im Februar 1933 mutige Artikel im „Reichsbanner“ gegen die ersten politischen Schritte der Regierung unter Hitler publiziert hatte, verließ er Berlin nach den Märzwahlen 1933 und hielt sich zunächst in München versteckt. Ende März beriet er in Zürich mit Carlo Mierendorff und Hans Hirschfeld das weitere Vorgehen. Zusammen mit Mierendorff kehrte er schließlich nach Deutschland zurück, um hier Vorbereitungen für die illegale Parteiarbeit zu treffen
„Überwintern“ hielt Haubach für die falsche Strategie. Er war überzeugt, dass die Erfahrungen aus der Zeit des Sozialistengesetzes unter den Bedingungen einer modernen, totalitären Diktatur wenig hilfreich sein würden. Haubach nahm jedoch mit dieser Konzeption eine Minderheitenposition in der SPD ein. Auch bei der Hamburger Parteiführung fand er nur wenig Unterstützung für seinen Plan, den Kampf gegen das NS-Regime aus der Illegalität heraus zu organisieren.
Dennoch hoffte Haubach, ihm persönlich als zuverlässig bekannte Sozialdemokraten und Reichsbannerangehörige zum Kern einer illegalen, auf unterster Ebene aus Kleingruppen bestehenden Organisation machen zu können, die Informationen austauschen und Aktionen gegen das nationalsozialistische Regime vorbereiten sollte. Für den Aufbau einer derartigen Organisation in Hamburg war der Polizeileutnant a. D. Otto Grot vorgesehen, mit dem Haubach bereits bei der Aufstellung und Ausbildung der „Reichsbannerschutzformationen“ zusammengearbeitet hatte. Bei illegalen Treffen im Tangstedter Forst wurden im Sommer 1933 erste Schritte besprochen.
Durch seine illegalen Parteitätigkeiten war Theodor Haubach schon bald Repressionen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Im Herbst 1933 wurde er erstmals verhaftet und verbrachte mehrere Monate lang in „Schutzhaft“. Im November 1934 griff die Gestapo erneut zu: Diesmal wurde Haubach ins Konzentrationslager Börgermoor gebracht und dort ohne Gerichtsverfahren insgesamt zweieinhalb Jahre lang festgehalten. Nach seiner Entlassung fand er in der Papierfabrik seines Studienfreundes Viktor Bausch eine Anstellung, die ihm eine umfangreiche Reisetätigkeit und damit den Kontakt zu vielen seiner Parteiund Gesinnungsfreunde im gesamten Reich erlaubte. Noch einmal wurde Haubach kurze Zeit nach Kriegsbeginn im Herbst 1939 verhaftet, nach mehreren Verhören in Dresden aber wieder entlassen.
Der Beginn des Krieges fiel mit dem Tod seiner Mutter zusammen. Haubach, der Individualist, zog sich nun mehr und mehr zurück, trieb in seinem „Bedürfnis nach Einsamkeit“ religiös-philosophische Studien.
Der Untergrundaktivität Mierendorffs suchte er sich in den folgenden zwei Jahren bewusst zu entziehen. Eine Wende bedeutete das Jahr 1941, ein – wie er Alma de l‘Aigle schrieb – „gesegnetes Jahr“. Am Jahresende stellte er bei sich wieder eine „Übereinstimmung von vita activa und vita contemplativa“ fest. Es waren seine Kontakte zum Grafen Yorck von Wartenburg und dem im Herbst 1940 gegründeten „Kreisauer Kreis“, die ihm neuen Mut gaben und so eine erneute Phase politischer Aktivität initiierten.
Beseelt von seinem bereits nach dem Ersten Weltkrieg formulierten politischen Ziel, „aus einem alten Deutschland ein neues Deutschland [...], aus einem alten Europa ein neues Europa [zu machen]“, geriet Haubach über seine Kontakte zum „Kreisauer Kreis“ in die Widerstandsbewegung des 20. Juli. Gemeinsam mit Adolf Reichwein, Wilhelm Leuschner und Carlo Mierendorff konnte er die 1942/43 auf dem schlesischen Gut Moltkes entwickelten theoretisch-konzeptionellen Planungen für die Zeit nach dem erwarteten Zusammenbruch des Nationalsozialismus in wichtigen Punkten beeinflussen. Mit dem Konzept einer Zusammenführung aller demokratischen Kräfte in eine Art „Volksbewegung“ gab er richtungweisende Impulse und trug nicht zuletzt dazu bei, die Kreisauer Planungen auf ein breiteres Fundament zu stellen. Gemeinsam mit Mierendorff hielt Haubach Verbindungen zwischen Kreisau und dem Berliner Kreis um Beck und Goerdeler aufrecht. Haubach war somit auch wesentlich daran beteiligt, die Sozialdemokratie an den konservativ-bürgerlichen und militärischen Widerstand von Stauffenberg und Leuschner heranzuführen. Er war für die nach dem erhofften Tod Hitlers zu bildende Reichsregierung als Informationsminister vorgesehen.
Nach Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 wurde Theodor Haubach am 6. August 1944 in Berlin verhaftet, obwohl bereits Vorbereitungen seinerseits getroffen waren, in die Illegalität zu gehen. Doch Haubachs Name fand sich auf den Kabinettslisten Goerdelers, die der Gestapo in die Hände gefallen waren. Er wurde zunächst im Lager Drögen bei Fürstenberg inhaftiert, um später nach Berlin in das Untersuchungsgefängnis Lehrter Straße überstellt zu werden. Regelmäßigen Zugang zu dem inzwischen schwer an der Galle Erkrankten hatte zu dieser Zeit nur noch seine Braut Anneliese Schellhase.
Im Januar 1945 stand Haubach zusammen mit Julius Leber, Adam Trott zu Solz, Peter Yorck, Adam Reichwein und anderen An-gehörigen des „Kreisauer Kreises“ vor dem „Volksgerichtshof “. Am 15. Januar sprach der vorsitzende Richter Freisler das Todesurteil. Eine Woche später, am 23. Januar 1945, wurde Theodor Haubach in Plötzensee hingerichtet.
Zu Ehren Theodor Haubachs trägt eine Straße in Hamburg-Altona seinen Namen. In der dortigen Theodor-Haubach-Schule erinnert eine Ehrentafel an Leben und Wirken des von den Nationalsozialisten hingerichteten Sozialdemokraten.