August Schmidt
* 1884
AUGUST SCHMIDT
MDHB 1928 – 1931 KPD
JG. 1884
VERHAFTET 1935
UNTERSUCHUNGSHAFT
1936 GEFÄNGNIS HAMBURG
TOT AN HAFTFOLGEN
3.8.1939
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |
Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.
Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
In der Hansestadt, die im Verlauf der starken Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer sozialdemokratischen Hochburg geworden war, schloss sich August Schmidt 1907 der SPD an. Daneben war er Mitglied im „Verband der
Hafenarbeiter“, der neben dem „Transportarbeiter-“ und dem „Seeleuteverband“ zu den größten Gewerkschaftsorganisationen in Hamburg zählte.
Über die folgenden zehn Jahre von Schmidts Leben lässt sich kaum etwas rekonstruieren. Während des Ersten Weltkrieges scheint er u.a. über die Frage der Bewilligung von Kriegskrediten mit der Parteiführung gebrochen zu haben. Bei Kriegsende wurde August Schmidt Mitglied der USPD und stand zeitweilig als einer ihrer Bezirksführer an der Seite Ernst Thälmanns. Unter dessen Führung schloss er sich Ende 1920 zusammen mit der Mehrheit der Hamburger USPD-Mitglieder der KPD an.
Die zwanziger Jahre waren gekennzeichnet durch sein politisches Engagement in der Hafenarbeitergewerkschaft und ab 1924 in der „Roten Hilfe“, die sich u.a. zum Ziel gesetzt hatte, inhaftierte Kommunisten und deren Angehörige materiell wie moralisch zu unterstützen.
Von 1927 bis 1931 gehörte August Schmidt der Hamburger Bürgerschaft an. Hier setzte er sich beharrlich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Hafen ein und war als Mitglied des „Hafenerweiterungsausschusses“ an der Erarbeitung von Bauprojekten im Hafen beteiligt. Meist widmete er sich den Anliegen der Hafenarbeiter, forderte u.a. den verstärkten Einsatz moderner Maschinen, eine bessere Belüftung der Schuppen, den Ausbau von sog. „Eßeinrichtungen“ und Sanitäranlagen. Darüber hinaus war er Mitglied im Beschwerdeausschuss für das Wohnungsamt, woraus sich ein zweiter Schwerpunkt seiner parlamentarischen Tätigkeit ergab.
Ab Ende der 1920er Jahre war Schmidt führend am Aufbau der „Revolutionären Gewerkschaftsopposition“ beteiligt. Ziel war es, den während der wirtschaftlichen und politischen Stabilisierungsphase nach 1924 verlorenen Einfluss der KPD in den Betriebsräten und den Arbeitnehmerverbänden durch eine radikal „linke“ Politik zurückzugewinnen. Auf Weisung der „Roten Gewerkschaftsinternationale“ wurde versucht, den Kampf gegen den „Hauptfeind Sozialdemokratie“ auf ein breiteres Fundament zu stellen. Mit Hilfe der RGO sollten die unter dem Dach des ADGB zusammengefassten, sozialdemokratisch orientierten Gewerkschaften, die 1930 etwa 4,8 Millionen Mitglieder zählten, gespalten werden.
1929 war Schmidt, der sich in dem neugegründeten „Einheitsverband der Seeleute, Hafenarbeiter und Binnenschiffer Deutschlands“ betätigte, an der Organisation spontaner Arbeitsniederlegungen im Hafen beteiligt. Nach dem harten Durchgreifen der Hamburger Polizeiführung richtete er im Parlament heftige Angriffe gegen den sozialdemokratischen Polizeiherrn Adolph Schönfelder.
Mit dem faktischen Verbot der KPD im Anschluss an die „Reichstagsbrandverordnung“ vom 28. Februar 1933 verlagerte sich Schmidts politische Arbeit in den Untergrund. Bis zu seiner Verhaftung am 17. September 1935 führte er die illegale Stadtteilorganisation der KPD in Winterhude. Nach mehrmonatiger Untersuchungshaft wurde er 1936 zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt.
Der genaue Hintergrund des Todes von Alfred Schmidt am 3. August 1939 ist ungeklärt. Es ist mündlich überliefert, dass er schwer gezeichnet aus dem Gefängnis entlassen und schließlich an den Folgen seiner Haft verstorben sei.