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Ernst Henning
* 1892

ERNST HENNING
MDHB 1928 – 1931 KPD
JG. 1892
HAMBURGER AUFSTAND
FLUCHT HOLLAND
VERHAFTET 1924
FESTUNGSHAFT
IN KIRCHWERDER VON SA
ERSCHOSSEN 14.3.1931

Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)

Weitere Stolpersteine in Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus): Hans Westermann | Ernst Thälmann | Theodor Skorzisko | Otto Schumann | August Schmidt | Fritz Simon Reich | Friedrich Lux | Franz Jacob | Hermann Hoefer | Ernst Henning |

Die politische Vita des von der Sozialdemokratie zur KPD gewechselten Bürgerschaftsmitgliedes Hans Westermann ist durch die Kontroversen geprägt, die sein politischer Pragmatismus Ende der 20er Jahre innerhalb der radikalisierten und dogmatisierten KPD auslöste. Sein letztlich gescheiterter Versuch einer Annäherung der KPD an die Sozialdemokratie spiegelt die gesamte Tragik wider, die sich aus der Spaltung der Arbeiterparteien für das Schicksal der Arbeiterbewegung, ihrer führenden Repräsentanten, aber letztlich auch für den Weimarer Staat insgesamt ergaben. Die von Westermann bekämpfte dogmatische Realitätsferne der Parteiführung war Ausdruck politischer Konzeptionslosigkeit, die nur mühsam hinter dem Schleier des auch von der deutschen KPD betriebenen Personenkultes verborgen werden konnte.
Die historiographische Beurteilung der Rolle Ernst Thälmanns, der die deutschen Kommunisten am Vorabend und auf dem Höhepunkt der Großen Krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre führte, war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Auseinandersetzung mit der früheren marxistischen Geschichtsschreibung geprägt, die ihn in einer Art heroisierender Legendenbildung zum „Führer der revolutionären Avantgarde“ und zum „bedeutenden Sohn“ des deutschen Volkes stilisierte.
Theodor Franz Leopold Skorzisko wurde am 9. November 1899 im oberschlesischen Raschlowitz (Kreis Neustadt) geboren. Nach Abschluss der Volksschule besuchte er zunächst eine landwirtschaftliche Fachschule, arbeitete jedoch nicht im Agrarbereich, sondern als Elektromonteur. In den 1920er Jahren war er zeitweilig in der Firma des später in die USA emigrierten Hamburger Verlegers Weissenberger tätig.
Otto Schumann wurde am 5. November 1988 in Magdeburg-Buckau geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er zunächst die Volksschule und lernte anschließend den Beruf des Formers.
August Friedrich Schmidt kam am 13. Juli 1884 in Königsaue bei Quedlinburg zur Welt, wo er nach Abschluss der Volksschule zunächst als Landarbeiter tätig war. 1906 siedelte er nach Hamburg über. Hier fand er zunächst Beschäftigung auf einer Werft im Hafen, die er später jedoch für eine Anstellung am Staatskai aufgab.
Fritz Simon Reich wurde am 31. August 1868 als Sohn jüdischer Eltern in Königsberg/Ostpreußen geboren. Hier besuchte er das Gymnasium bis zur Obersekunda, um anschließend eine kaufmännische Lehre in einem Königsberger „Engrosgeschäft für Kolonialwaren“ zu absolvieren.
Friedrich Albert Lux wurde am 28. September 1892 im Imten/Kreis Wehlau (Ostpreußen) als Sohn des Arbeiters Carl Lux und seiner Ehefrau Wilhelmine geboren. Nach 8 Jahren Volksschulbesuch war er gezwungen, seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, und kam 1907 mit 15 Jahren über Umwege nach Hamburg. Hier fand er Arbeit im Hafen und somit den Weg in die Arbeiterbewegung. Ein Jahr später schloss er sich der „Sozialistischen Arbeiterjugend“ (SAJ) an und trat im selben Jahr der SPD bei. 1911 wurde er Mitglied der Hafenarbeitergewerkschaft.
„Wenn man sich nur einen Augenblick intensiv mit politischen Angelegenheiten beschäftigt, kommt in mir immer stärker der Wunsch hoch, selbst mittendrin zu stehen“, schrieb der 20jährige Franz Jacob 1926 in sein Tagebuch.90 Nur wenige Jahre später war er als Leiter des „Kommunistischen Jugendverbandes“ in Hamburg, als Funktionär der KPD-Bezirksleitung „Wasserkante“, als Bürgerschaftsabgeordneter und schließlich als eine der führenden Persönlichkeiten des kommunistischen Widerstandes in Deutschland.
Rede von Hilde Jacobs anlässlich der Enthüllung des Stolpersteins für ihren Großvater am 10.10.2009 in der Eppendorfer Landstraße 74
Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.

Hamburg Bezirke

Rathausmarkt 1 (links vor dem Rathaus)

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Das Bürgerschaftsmitglied Ernst Robert Henning wurde Opfer der gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen auf dem Höhepunkt der „Großen Krise“ zu Beginn der 1930er Jahre. 1931, zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, wurde er von einem SA-Trupp, der eigentlich dem Bürgerschaftsmitglied und KPD-Funktionär Etkar André aufgelauert hatte, ermordet. Geboren am 12. Oktober 1892 in Magdeburg, erlernte Henning nach dem Besuch der Volksschule das Formerhandwerk. Er arbeitete in verschiedenen Gießereien, trat nach Abschluss seiner Lehre dem „Deutschen Metallarbeiterverband“ und noch vor 1914 der SPD bei.

Während des Ersten Weltkrieges war Henning Soldat an der Front. 1918 ließ er sich in Bergedorf nieder, wo er – inzwischen von der SPD zur USPD übergetreten – in den Arbeiter-und Soldatenrat gewählt wurde.

1919 engagierte er sich im „Proletarischen Freidenkerverband“, so dass als logische Konsequenz sein Übertritt zur KPD folgte.

In den 1920er Jahren war Henning in verschiedenen Hamburger Metallfirmen, u.a. bei „Jastram“, „Biermann & Christensen“ sowie „Wetzel & Freitag“ tätig.

Henning war maßgeblich am bewaffneten Aufstand der KPD vom 23. Oktober 1923 beteiligt. Nach umfangreichen Streiks im Hafen sollte der „Hamburger Aufstand“ den Startschuss für die Erhebung der Arbeiterschaft in Deutschland bilden. Die kommunistischen Kampfgruppen erstürmten 17 Polizeiwachen in der Stadt und in den umliegenden preußischen Gemeinden, bemächtigten sich der dort gelagerten Waffen und begannen sich gegen die anrückenden Polizeitruppen zu verschanzen.

In Bergedorf und Billstedt, wo Ernst Henning als einer der Leiter der Aktion in Erscheinung trat, brach der Aufstand aber schon nach mehreren Stunden zusammen. Allein in Barmbek, dem Zentrum der Erhebung, und in Schiffbek – hier hatten sich Teile der Bevölkerung den Aufständischen angeschlossen – dauerte es mehrere Tage, bis die Polizei Ruhe und Ordnung wiederhergestellt hatte. Henning wurde nach dem Scheitern des Aufstandes polizeilich gesucht, begab sich aber nicht wie zahlreiche seiner Parteifreunde in die Sowjetunion. Er floh zunächst in die Niederlande, kehrte nach Deutschland zurück und lebte vorübergehend in der Illegalität. 1924 wurde er verhaftet und als einer der „Rädelsführer“ des „Hamburger Aufstandes“ angeklagt. Das Hamburger Landgericht verurteilte ihn zu vier Jahren Festungshaft, die er teilweise in Gollnow verbüßte. Nach einer Amnestie wurde Ernst Henning 1927 vorzeitig aus der Haft entlassen.

Das Jahr 1927 markiert für Henning den Beginn seines parlamentarischen Wirkens und seines Aufstiegs in die Hamburger KPDFührung. Im Februar zog er als Nachrücker in die Bürgerschaft ein und wurde wenig später auch in das Bergedorfer Stadtparlament gewählt. Als „Politischer Leiter“ der KPD in den Bezirken „Bergedorf “, „Vierlande“ und „Lauenburg“ trat er noch im selben Jahr in die Leitung des KPD-Bezirkes „Wasserkante“ ein. Darüber hinaus war er führendes Mitglied im „Roten Frontkämpferbund“, der im Bezirk „Wasserkante“ seinem Freund Etkar André unterstand.

Bei den Doppelwahlen 1927/28 konnte Ernst Henning sein Mandat behaupten. Bis zu seiner Ermordung 1931 war er Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Hier machte er sich vor allem als Anwalt der Interessen des Hamburger Landgebietes und insbesondere Bergedorfs einen Namen. Wiederholt setzte er sich für eine Verbesserung der ländlichen Infrastruktur ein, so z.B. für den Bau weiterer Schulen und den Ausbau der Verkehrswege. Immer wieder verschaffte er auch den Interessen der Vierlander Gemüsebauern Gehör.

Henning gehörte zu jener Gruppe kommunistischer Bürgerschaftsabgeordneter, die sich an der Sacharbeit im Parlament beteiligten und diese nicht allein als Aufhänger für parteipolitische Agitation und Propaganda verstanden. Am 14. März 1931 wurde Ernst Henning bei der Rückkehr von einer KPD-Versammlung in Kirchwerder im Nachtbus bei Fünfhausen von SA-Männern des SA-Sturms 14 erschossen.

Er hatte anstelle seines Fraktionskollegen und Freundes Etkar André vor Gemüsebauern in Vierlanden gesprochen. Sein Begleiter, Louis Cahnbley, überlebte das Attentat schwer verletzt, eine weitere Businsassin, eine Lehrerin, kam mit leichten Verletzungen davon.

Der Mord löste starke Empörung in der Bevölkerung aus, so dass sich NSDAP und SA zunächst von der Tat distanzierten. Als sich nach der polizeilichen Ermittlung und Verhaftung der Mörder deren Zugehörigkeit zur SA herausstellte und sich zudem Anzeichen dafür ergaben, dass sie im Auftrag oder mit Billigung des NS-Gauleiters und späteren „Reichsstatthalters“ Kaufmann gehandelt hatten, veranlasste Hitler persönlich deren Verteidigung durch Hans Frank, dem ersten Anwalt der NSDAP. Die Täter wurden zu sieben bzw. acht Jahren Zuchthaus verurteilt, allerdings nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wieder freigelassen.

Die am 18. März, also vier Tage nach Hennings Ermordung stattfindende Bürgerschaftssitzung war von Tumulten und Handgreiflichkeiten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten gekennzeichnet und deutete bereits an, dass die Mahnung des Bürgerschaftspräsidenten Leuteritz zur Bildung einer: „gemeinsame[n] Front aller sittlichen und ernsten Menschen [...] gegen die Verwilderung und gegen die Gewalttaten im politischen Kampfe“ bei den radikalen Parteien ungehört verhallen würden.

Der 38jährige Bürgerschaftsabgeordnete Ernst Henning hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Auf der Überführung seines Leichnams von der an der Ecke Jarrestraße/Großheidestraße befindlichen Leichenhalle zur Einäscherung nach Ohlsdorf fand sich ein Trauerzug von etwa 30 000 Menschen ein. Die Erregung über den Mord entlud sich noch einmal im Anschluss an die Trauerfeier, als es in Barmbek zu heftigen Straßenschlachten zwischen Polizei und Demonstrationsteilnehmern kam. Beigesetzt wurde Ernst Henning in Bergedorf, wo heute eine Straße und eine Schule seinen Namen tragen.

Den Sitz Hennings in der Hamburger Bürgerschaft übernahm am 23. September 1931 dessen Witwe Marie Henning.

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